Warum 70 Bayern-Fans zum Geisterspiel nach Moskau reisen

»Vielleicht öffnet sich noch eine Tür«

Aufgrund rassistischer Vorkommnisse muss ZSKA Moskau sein Champions-League-Spiel gegen den FC Bayern vor leeren Rängen austragen. Einige Fans aus München fliegen trotzdem hin – auch Tom vom Fanklub »Red Munich 89«.

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Tom, zum Champions-League-Spiel zwischen ZSKA Moskau und dem FC Bayern sind keine Fans zugelassen. Sie fliegen trotzdem nach Moskau. Wieso?
Ich habe die leise Hoffnung, dass ich noch irgendwie ins Stadion gelange. Vielleicht öffnet sich noch eine Tür. Vielleicht passiert noch was, wenn wir vor Ort sind.
 
Wie sind die Chancen?
Nicht so gut. Man könnte natürlich auf die Restkarten des FC Bayern spekulieren. Dazu muss man wissen, dass der Verein für so ein Spiel etwa 75 Tickets bekommt. Die sind für die Spieler, den Trainer- und Betreuerstab sowie die Funktionäre bestimmt. Manchmal bleiben fünf bis zehn Karten übrig. Allerdings werden 50 bis 70 Bayern-Fans vor Ort sein.
 
Das Gerangel wird groß sein, wenn der FC Bayern übrig gebliebene Karten verschenkt.
Der Verein blockt daher alle Anfragen ab. Ich finde das Vorgehen auch richtig, denn wen willst du bevorteilen? Jeder, der dort ist, hätte schließlich eine verdient. Ich hoffe eher auf andere Möglichkeiten.
 
Sie stehen also vor dem Stadioneingang und hoffen, dass es sich wie durch Geisterhand öffnet?
(Lacht.) Vielleicht.

Was haben Sie denn bislang versucht?
Einiges. Aber ich möchte da nicht ins Detail gehen. 

Anders gefragt: Werden Sie sich als Ordner verkleiden oder als Journalist ausgeben?
Das wird nicht funktionieren. Als Journalist hätte man eine Akkreditierung vor Ort beantragen müssen. Nein, wir wissen, dass es direkt neben dem Stadion ein Bürogebäude gibt, von dem aus man das Spielfeld sehen kann. Wir könnten das Zimmer mit dem besten Blick für einige tausend Euro mieten.
 
Ganz schön teurer Trip, dabei war schon in der Auslosungsphase abzusehen, dass ZSKA von der Uefa eine Platzsperre erhält.
Wir haben uns damals nicht mit solchen Eventualitäten beschäftigt – und ganz ehrlich: Ich hätte mir auch dann einen Flug gebucht, wenn ich damals schon zu hundert Prozent gewusst hätte, dass ZSKA eine Platzsperre erhält.
 
Weil Sie einer von denen sind, bei denen eine Serie auf dem Spiel steht?
Ich habe seit acht Jahren kein Bayern-Pflichtspiel verpasst. Aber was ist das schon? In Moskau werden auch Fans sein, die Serien von 20 oder 25 Jahren haben – und zwar nicht nur in puncto Pflichtspiele. Für die ist es wirklich sehr ärgerlich. Das sagte ja schon Karl-Heinz Rummenigge.
 
Der »Fanclub Nr. 12« bat die Uefa zum Gespräch. Die Fans forderten den Verband auf, die Strafe zurückzunehmen.
Ich finde es auch sehr traurig, wie wenig die Funktionäre die Anhänger in diesem Fall verstehen. Da werden kurzerhand Entscheidungen am Schreibtisch getroffen, ohne dass jemand über die Tragweite nachdenkt.
 
Die ausgesperrten ZSKA-Fans werden vermutlich ebenfalls um das Stadion tigern. Keine Sorge, dass es Ärger geben könnte?
Ach, nein. Ich hoffe nämlich, dass meine andere Serie hält: Ich habe bei einem Bayern-Spiel am Stadion noch nie aufs Maul bekommen.

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