Vor »El Clasico«: Die Trainer im Vergleich

»Mourinho ist gefährlich«

Real Madrid gegen den FC Barcelona – »El Clasico« wirft seine Schatten voraus. Vor dem Spitzenspiel in Spaniens Premiera Division sprachen wir mit Buchautor Miguel Angel Violán über Pep Guardiola und José Mourinho. Vor »El Clasico«: Die Trainer im Vergleich

Miguel Ángel Violán ist Kommunikationsberater,  Buchautor und Privatdozent an mehreren spanischen Universitäten, unter anderem an der renommierten EAE Business School in Barcelona. Der 51-Jährige lebt in Barcelona, arbeitete aber viele Jahre lang als Pressesprecher der Hotelkette Riu auf Mallorca. Zuletzt erschien sein Buch »El Método Guardiola«. Darin beschreibt Violán den Führungsstil des Trainers. Vor »El Clasico« sprachen Holger Weber von der Mallorca-Zeitung mit ihm.


Miguel Ángel Violán, Guardiola und Mourinho waren lange Zeit gemeinsam beim FC Barcelona. Wie ist Ihr Verhältnis heute?

Man sagt, es sei sehr gut gewesen. Damals. Heute ist es Guardiola ein wenig leid, ständig zu den Äußerungen Mourinhos Stellung zu nehmen. Er tut es zuweilen, weil er dem anderen Recht geben würde, wenn er nichts sagen würde. Außerdem glaube ich, dass der Stil Guardiolas so anders ist, dass ihm die Art Mourinhos gar nicht gefallen kann.

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Wer kann sich seines Jobs sicherer sein?

Mourinho spielt mit dem Feuer. Denn es gibt in Madrid Leute, denen sein Stil missfällt. Sie halten sich in der Öffentlichkeit zurück, solange die Ergebnisse für ihn sprechen. Madrid braucht nach der langen Durststrecke so dringend Titel, dass man sein Auftreten duldet. Das Klima könnte jedoch schon nach dem Klassiker umschlagen. Guardiola hingegen geben seine Titel und seine elegante Art einen gewissen Kredit. Zudem spielt sein Team fürs Auge.

Guardiola nimmt im Vergleich der beiden die Rolle des Gentleman ein: gut erzogen, smart. Ist er wirklich so?

Er ist der Prototyp eines Katalanen vom Land:  fleißig, pünktlich, gewissenhaft in dem, was er tut. Er kommt aus einer mittelständischen Familie. In einer Zeit, in der große Teile der Gesellschaft auf das schnelle Geld aus sind, steht Guardiola für die alten Werte. Mit denen hat er auch Erfolg. Privat ist er sehr umgänglich, sogar lustig. Nach außen hin gibt er sich lieber beherrscht – sowohl in der Niederlage als auch im Triumph, weil er weiß, dass sich das Blatt immer wenden kann. Auch diese Vorsicht ist typisch katalanisch.

Mourinho dagegen scheint der harte Typ, der »Prolet«.

Nach außen hin ist er provokant, aggressiv. Er ist der Ansicht, dass man ein Fußballspiel nicht nur auf dem Rasen, sondern auch auf dem Feld der Psychologie gewinnt. Es gibt Leute, die behaupten, dass er diesen Druck erzeugt und auf sich zieht, um gleichzeitig seine Spieler davon zu befreien. Aber ich glaube, dies ist nur bis zu einem gewissen Punkt intelligent. Denn der Druck geht auch auf seine Spieler über. Denn alle Welt will ihn  und somit auch seine Mannschaft besiegen. Der mühsam erkämpfte Sieg gegen Gijón (1:0, d. Red.) ist das beste Beispiel.

Haben die Spieler Angst vor ihm?

Nein, er genießt bei den Spielern ein hohes Ansehen. Auch weil er sich in ihrem Kreis  ganz anders benimmt, als er sich nach außen gibt. Ich persönlich glaube, dass seine nach außen hin vorlaute Art gefährlich sein kann. Sie kann zu Gewalt animieren.

Leidet Mourinho darunter, dass  er im Gegensatz zu Guardiola als Spieler unbedeutend war?

Möglich. Vielleicht hat er dadurch einen gewissen Nachholbedarf an Protagonismus.

In Mailand hatte Mourinho jedoch das Enfant terrible Samuel Etoo besser unter Kontrolle als Pep Guardiola beim FC Barcelona.

Augenscheinlich ja. Aber Mourinho und Etoo haben auch nur ein Jahr zusammengearbeitet. Nach zwei, drei Jahren sähe das ganz anders aus. Im Fall von Etoo hat Guardiola  den Spieler für die mannschaftliche Geschlossenheit geopfert. Dass das Team harmoniert, hat für ihn oberste Priorität. Der FC Barcelona ist stark an Lionel Messi ausgerichtet. Was gut ist für Messi, ist gut für Barça. Was schlecht ist für Messi, ist schlecht für das Team. Weil Etoo, der sehr ehrgeizig ist, versuchte, mit Messi zu rivalisieren, musste er gehen. Das gleiche passierte mit Ibrahimovic.

Der schießt immer noch gegen den Trainer. Zuletzt behauptete er, Guardiola führe sich auf wie Gandhi.

Ibrahimovic ist ein Straßenfußaller. Leider ohne Bildung. Er weiß gar nicht, wer Gandhi war.

Würde Guardiola einen Schiedsrichter zum Teufel schicken, wie es Mourinho unlängst getan hat?

In einer bestimmten, aufgeheizten Situation vielleicht, weil er sehr leidenschaftlich ist. Doch er würde es mit mehr Eleganz tun.

Wenn Sie die Wahl hätten: Mit wem von den beiden würden Sie ein Bier trinken gehen?

Möglicherweise mit Mourinho. weil ich ihn nicht so intensiv kenne. Ich könnte Neues über ihn dazu lernen. Ich glaube, Guardiola ist eine schlechte Begleitung bei einer Kneipentour. Mit ihm ginge ich lieber in die Buchhandlung oder ins Kino.

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