Vor dem Spiel FC Bayern gegen Borussia Dortmund

Teddy de Beer: »Man will uns nervös machen«

Es ist DER Klassiker der jüngeren Bundesligageschichte: Am Samstag um 18:30 Uhr empfangen die Bayern Borussia Dortmund. BVB-Torwarttrainer Wolfgang »Teddy« de Beer weiß, wie man Meister wird. Uns verrät er das Geheimnis. Vor dem Spiel FC Bayern gegen Borussia Dortmund

Teddy de Beer, herzlichen Glückwunsch zur Deutschen Meisterschaft.

Teddy de Beer: Nein, nein, das ist zu früh. Wir haben noch elf Spieltage vor uns.

Sagen Sie jetzt bitte nicht, dass der BVB von Spiel zu Spiel denken muss.

Wolfgang de Beer: Was denn sonst? Wenn wir jetzt schon über die Meisterfeier nachdenken, besteht die Gefahr, dass der Blick auf das Hier und Jetzt nicht konzentriert genug ist.

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Stört es Sie, dass der BVB schon als sicherer Meister ausgerufen wird?

Teddy de Beer: Die Konkurrenz, speziell der FC Bayern, möchte uns durch solche Aussagen in Sicherheit wiegen. Es ist normal, dass man uns jetzt nervös machen will. So ist das Geschäft.

Und, gibt es Unruhe?

Teddy de Beer: Intern herrscht Ruhe. Warum sollte man auch bei diesem Vorsprung nervös werden? Aufregung kommt nur von Außen. Wir haben vor dem Spiel gegen den FC St. Pauli zweimal unentschieden gespielt. Schon konnte man von einer Krise beim BVB lesen. Vielleicht ist das ein Versuch, die Meisterschaft spannend zu schreiben.

Am Samstag steht das Spitzenspiel gegen den FC Bayern München an. Ist diese Partie der Schlüssel zur Meisterschaft?

Teddy de Beer: Sollten wir das Spiel verlieren, haben wir immer noch sieben Punkte Vorsprung auf Leverkusen und zehn auf die Bayern. Spiele gegen die direkten Konkurrenten sind nie entscheidend für die Meisterschaft.

Sondern?

Teddy de Beer: Wichtig sind die Dreier gegen Vereine wie St. Pauli. Diese Punkte machen ein Team zum Meister. Das ist auch das Problem des FC Bayern. Wer nach einer 2:0-Führung in Köln noch verliert, hat es am Ende schwer ganz oben zu stehen.

Eine Partie gegen die Bayern ist aber doch trotzdem immer ein wichtiges Spiel, oder?

Teddy de Beer: Sicher. Das ist ein Spitzenkampf, der europaweit Aufmerksamkeit erregt.

Ist es ein besonderes Vergnügen für Sie, dass der BVB mit vor der Saison unbekannten Spielern wie Mario Götze oder Shinji Kagawa so erfolgreich ist und vor dem namhaft besetzten FC Bayern steht?

Teddy de Beer: Die gewonnenen Punkte am Samstag würden mir mehr Vergnügen bereiten. Außerdem können unsere Jungs nichts dafür, dass niemand so viel Geld für sie ausgeben möchte wie für einen Arjen Robben, Franck Ribéry oder Mario Gomez. Sportlich sind sie gleichwertig.



Seit der Winterpause steht mit Thomas Kraft ein junger Torhüter im Kasten. Auch Hannover und Köln haben Ihre Torleute gewechselt. Muss sich Roman Weidenfeller Sorgen machen?

Teddy de Beer: Mit Sicherheit nicht.

Roman Weidenfeller sagte einmal, dass er von seinem Entdecker Gerry Ehrmann das Grobe erlernt und von Ihnen den Feinschliff erhalten hat.

Teddy de Beer: Das Krafttraining, für das Gerry Ehrmann berühmt ist, machen auch andere Torwarttrainer. Das Torwartspiel ist aber komplexer: Power is nothing without control. Wenn ein Torhüter die Kraft hat, das Ganze aber nicht auf die Straße bringen kann, nutzt es leider nichts. Ich lege sehr viel wert auf koordinative Arbeit. Die Kraft soll in fließende Bewegungen, sicheres Fangen und gute Paraden umgewandelt werden. Ich schärfe unseren Torhütern immer ein, dass sie sich kontrolliert bewegen sollen.

Das klingt sehr sachlich. Stimmt das Bild vom verrückten Torhüter?

Teddy de Beer: Da ist auch etwas dran. Ein Torhüter muss ein spezielles Gen haben. Du hältst deinen Kopf dort hin, wo andere mit dem Stollen hintreten. Ganz normal ist das nicht.

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Im Gegensatz zu früheren Zeiten kommt der BVB ohne teure Stars aus. Wird Dortmund diesen Pfad auch wieder verlassen?

Teddy de Beer: Unsere finanziellen Möglichkeiten sind begrenzt. Wir spielen nicht ohne Grund mit einer so jungen Mannschaft. Wenn aber klar ist, dass der BVB wieder regelmäßig in der Champions League antritt, könnte es durchaus passieren, dass wir Spieler kaufen, die auch ein paar Euro kosten.

Das heißt, in der nächsten Saison werden teure Stars verpflichtet?

Teddy de Beer: Das nicht. Wenn wir es aber schaffen in den nächsten ein oder zwei Jahren im Europa-Pokal zu spielen, ist es nur logisch, dass wir uns verstärken. Nur mit 18-Jährigen wird es schwer. Es wird allerdings keine Kaufwut geben. Die jungen Kerle, die jetzt bei uns spielen, sind langfristig an den Verein gebunden. Das heißt, dass das Korsett für die Zukunft steht.

Teddy de Beer, Hand aufs Herz: Wird es beim BVB wieder Verhältnisse wie Ende der Neunziger geben, wo der Verein über seinen Verhältnissen gelebt hat?

Teddy de Beer: Man darf nicht vergessen, dass wir damals einige Titel gewannen. Allerding fußte der Erfolg auf einem viel zu hohen Preis. Das wird beim BVB niemand mehr zulassen. Bei Borussia Dortmund arbeiten mit Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc zwei Personen, die die damalige Zeit miterlebt haben. Das schützt uns.

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