Kurioserweise waren Sie es, der als Einziger den Schritt ins Profi-Team schaffte. Für mich kam das völlig überraschend. Bei unserer ersten Mannschaft lief es in der Saison 2007/08 alles andere als rund. Der damalige Trainer Benno Möhlmann suchte nach Alternativen. Nachdem er unser Oberligaspiel bei Hannover 96 II beobachtet hatte, lud er ausgerechnet mich zum Training ein. Ich war immerhin schon 23 Jahre alt. Aber es hat gepasst. Als Profi habe ich mich damals übrigens noch nicht gefühlt.
Wieso? Es war die letzte Saison vor der Einführung der Dritten Liga, eine ganz harte Zeit. Wir standen kurz vor dem Abstieg in die vierte Liga. Wäre es soweit gekommen, hätte alles keinen Sinn mehr gehabt. Dann hätte ich endgültig mit dem Profifußball abgeschlossen und wäre ich wieder »normal« arbeiten gegangen. Gott sei Dank kam alles anders. Unter der Regie unseres neuen Trainers Torsten Lieberknecht schafften wir am letzten Spieltag den Sprung auf die Qualifikationsplätze. Was in den folgenden Jahren passierte, ist einfach unglaublich.
Wie gelang es Ihrem Trainer, innerhalb weniger Jahre aus einem Fast-Viertligisten einen Herbstmeister der 2. Bundesliga zu formen?Der Kern des Kaders ist in all den Jahren zusammengeblieben. Unserem Trainer ist es gelungen, die Spieler jedes Jahr besser zu machen. Demzufolge sind wir natürlich eingespielt. Das ist unser großes Plus.
Und Sie sind mit dabei. Ich spekulierte in den zwei Jahren als Oberligaspieler zwar immer auf eine Chance in der ersten Mannschaft, aber gerechnet habe ich damit nicht. Dennoch gelang es mir erneut, mich schnell an das neue Niveau zu gewöhnen. Erst in der Regionalliga, dann in der 3. Liga und jetzt in der 2. Bundesliga. Jedes Mal habe ich gemerkt, dass ich als Spätzünder mithalten kann.
Sollte Ihr Durchmarsch von der Kreis- in die Bundesliga gelingen, hätten Sie sogar Andreas »Lumpi« Lambertz abgehängt. Der wurde bekanntlich dadurch berühmt, dass er als Viertligaspieler startete und jetzt in der Bundesliga kickt. Natürlich kenne ich seine faszinierende Geschichte, eine absolute Ausnahme im Profifußball. Neben Lambertz fällt mir nur noch Miroslav Klose ein, der einen ähnlichen Werdegang vorzuweisen hat.
(Klose startete einst seine Karriere als Herrenspieler in der Bezirksliga, d. Red.) Als gebürtiger Braunschweiger die Eintracht nach 28-jähriger Abstinenz in die Bundesliga zu führen – das wäre zu schön, um wahr zu sein. Wenn das klappen sollte, freue ich mich besonders auf das große Derby…
Meinen Sie nicht »die großen Derbys«? Immerhin spielen mit Hannover 96 und dem VfL Wolfsburg zwei direkte Lokalrivalen in der Bundesliga. Nein. Wolfsburg zählt nicht. Für uns Braunschweiger gibt es nur ein echtes Derby: und das ist das Spiel gegen Hannover 96!