12.01.2013

Von der Kreisliga in die Bundesliga: Braunschweigs Marc Pfitzner

»Der Profitraum war ausgeträumt«

Sollte Zweitliga-Herbstmeister Eintracht Braunschweig den Aufstieg in die Bundesliga schaffen, wäre die Karriere von Mittelfeldmann Marc Pfitzner um ein Highlight reicher. Denn seine Laufbahn als Herrenspieler startete der 28-Jährige einst ganz unten – in der Kreisliga.

Interview: Matthias Schultz Bild: Imago

Glückwunsch, Marc Pfitzner: Mit 44 Punkten aus den ersten 19 Spielen hat Eintracht Braunschweig sein primäres Saisonziel Klassenerhalt schon vor Jahresfrist erreicht.
Danke. Dass wir im zweiten Jahr als Aufsteiger so eine gute Rolle spielen, hat uns alle überrascht. Irgendwie kann ich es immer noch nicht so richtig glauben. Es ist wie im Film.

Die Ansprüche der Mannschaft dürften nach dieser Hinrunde sicherlich gestiegen sein.
Jeder will jetzt hören, dass wir so gut wie aufgestiegen sind. Aber das ist quatsch. Dafür reicht ein Blick in die vergangene Saison: Fortuna Düsseldorf dominierte zwar die Hinrunde, rettete sich am Ende aber mit Ach und Krach auf einen Relegationsplatz.

Wie lautet also die Zielsetzung für die Rückrunde?
Wer selbst mal Fußball gespielt hat, weiß, dass es nicht wirklich reizvoll ist, um die gesicherten Mittelfeldränge mitzuspielen. Wir werden unseren Platz an der Sonne nicht freiwillig räumen.

Sollte es tatsächlich zum Aufstieg reichen, hätten Sie persönlich einen ebenso beispiellosen wie fast schon unglaublichen Durchmarsch vollendet – von der Kreisliga bis ins deutsche Fußball-Oberhaus.
Das ist richtig. In meinem ersten Herrenjahr lief ich noch als A-Jugendlicher für den TSV Timmerlah in der Kreisliga Braunschweig auf. Zu dem Zeitpunkt war für mich der Traum des Profifußballs bereits ausgeträumt. Ein Jahr zuvor hatte ich die B2-Jugendmannschaft von Eintracht Braunschweig verlassen, weil mir der Leistungsfußball einfach zu viel geworden war. Allein die Anreise zum Stadion dauerte 45 Minuten, wir wurde das auf Dauer zu anstrengend. Außerdem war ich in einem Alter, in dem man plötzlich andere Interessen hat: Freundin, Freunde, Spaß. Außerdem wollte ich mehr Zeit in die Schule investieren.

Wie ging es weiter?
Nach dem Jahr in der Kreisliga habe ich zwar den Bezirk übersprungen, aber ab der Landes- bis zur 2. Bundesliga in allen Klassen gespielt. Nachdem ich mich zwei Jahre beim SV Broitzem bewährt hatte, folgte in der Spielzeit 2004/05 der Schritt in die Niedersachsenliga zu den Freien Turnern Braunschweig, nach der Eintracht die Nummer Zwei in Braunschweig. Dort lief es so gut, dass sich Uwe Hain, damals Trainer von Eintracht II, bei mir meldete.

Und Sie sagten gleich begeistert zu?
Zunächst war das eine komische Situation. Ich hatte schließlich mit dem Traum vom Profi-Fußball abgeschlossen und längst einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen. Als sich Hain bei mir meldete, befand ich mich im letzten Jahr meiner Ausbildung bei einer Versicherung. Die Entscheidung ist mir lange Zeit sehr schwer gefallen: Sollte ich es noch einmal wagen? Denn für mich war eines klar: Sollte ich zu Eintracht II wechseln, konnte das Ziel nur die erste Mannschaft sein. Glücklicherweise kam mir mein Arbeitgeber entgegen und ermöglichte es mir, an den Trainingseinheiten teilzunehmen. Letztendlich nahm ich die große Herausforderung an. Plötzlich war ich wieder mittendrin. Und um mich herum viele frühere Kollegen, die dem Fußball jahrelang alles unterordnet hatten – während ich mich ja eigentlich schon verabschiedet hatte.

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