31.03.2011

Vom BVB in die 6. Liga – Kosi Saka im Interview

»Nuri Sahin war mit 16 viel weiter als ich«

Kosi Saka floh mit seiner Familie einst aus dem Kongo und lebte im Asyl in Bielefeld. Er begann Fußball zu spielen: Bei Arminia, beim BVB und beim Hamburger SV. Warum es mit der großen Karriere nicht klappte, erzählt er hier.

Interview: Daniel Blömers Bild: Imago
Kosi Saka, Sie begannen Ihre Karriere als Neunjähriger beim SV Gadderbaum Bielefeld. Eigentlich recht spät, um mit dem Fußball anzufangen.

Kosi Saka: Das stimmt. Ich hatte allerdings schon oft in der Schule oder auf dem Bolzplatz mit Freunden gekickt. Eines Tages stand dann ein Jugendtrainer vom SV Gadderbaum am Rand und sagte mir, dass er mich gerne in seiner Mannschaft aufnehmen möchte.



Kurze Zeit später wurden Sie Jugendspieler von Arminia Bielefeld, am Horizont glänzte der glamoröse Bundesligafußballs. Ihre Familie lebte allerdings noch auf Asyl in Bielefeld. Eine paradoxe Situation.

Kosi Saka: Meine Familie hatte damals noch keine Aufenthaltsgenehmigung, das stimmt. Wir hatten also die große Befürchtung, dass wir heute oder morgen nach Afrika abgeschoben werden. Allerdings hat uns Arminia in dieser Zeit sehr unterstützt. Man  half meinen Eltern bei der Arbeitssuche, kümmerte sich um das Asyl. Dafür bin ich dem Verein heute noch sehr dankbar.

Im Jahr 2000, Sie waren 14, sind Sie in die Jugendabteilung von Borussia Dortmund gewechselt. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Kosi Saka: Ich habe dort sehr viel gelernt und meine ersten Erfahrungen gemacht. Mit vielen meiner früheren Mitspielern aus Jugendzeiten stehe ich heute noch Kontakt. Marc-Andre Kruska, heurte Kapitän von Energie Cottbus, Mehmet Akgün und auch Uwe Hünemeier. Es macht mir Spaß zu sehen, wie sich die Jungs weiter entwickeln. Viele packen es, viele packen es nicht. Vor drei Jahren sah es so aus, als hätte ich es geschafft – und heute? Heute sieht es ganz anders aus.

2003 debütierten Sie bei den BVB-Amateuren, und am 19. November 2005 machten Sie gegen Hertha BSC Ihr erstes Bundesligaspiel. Was war das für ein Gefühl, mit 19 in der Bundesliga zu spielen?

Kosi Saka: Ganz ehrlich: Ich hatte gedacht, ich würde es mit 18 packen. (lacht) Einige Tage vor jenem 13. Spieltag der Saison 2005/06 rief mich der BVB-Jugendkoordinator Eddy Boekamp an und sagte, dass ich bei den Profis trainieren sollte. Im Trainingsspiel A- gegen B-Elf gewannen wir mit der B- Mannschaft 4:0 – und ich schoss alle vier Tore. Gegen Hertha BSC wurde ich dann beim Stand von 2:0 eingewechselt. Viel konnte ich also nicht mehr falsch machen. (lacht)

Über 70.000 im Westfalenstadion, der große Bundesliga-Zirkus, die Lichter der Kameras: Schlotterten Ihnen nicht die Knie?

Kosi Saka: Man nimmt das nicht wahr. Ich stand jedenfalls an der Seitenlinie und hörte nichts. Kurz vor meiner Einwechslung bekam ich trotzdem zittrige Hände, ein seltsames Bauchgefühl. Dann fühlte sich der Ball auf einmal schwerer an, und ja, auch die Beine schlotterten. Und dennoch: Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Wenn ich an diese Einwechslung zurückdenke, bekomme ich noch heute eine Gänsehaut.

Wie haben Sie die Zeit unter Bert van Marwijk erlebt?

Kosi Saka: Ich bin froh, dass Bert van Marwijk mein erster Profitrainer war. Er hat seine ganz eigene, spezielle Philosophie vom Fußball. So legt er viel Wert auf Kurzpassspiel und achtet auf Kleinigkeiten. Ein Trainer der absoluten Spitzenklasse, was er momentan auch bei der niederländischen Nationalmannschaft unter Beweis stellt.

Was verbindet Sie heute mit dem BVB und der Stadt Dortmund?

Kosi Saka: Ich bin mit 14 Jahren nach Dortmund gezogen und habe erst hier meine ersten richtigen Freunde kennengelernt, mit denen ich heute noch befreundet bin. Mit der Stadt bin ich mittlerweile tief verwurzelt, Dortmund ist meine Heimat geworden. Ich möchte hier nicht mehr weg.

Wie kam es dann zum Wechsel zum Hamburger SV?

Kosi Saka: Durch meine regelmäßigen Einsatzzeiten bei den BVB-Profis und konstant guten Leistungen, sind einige Vereine auf mich aufmerksam geworden. Neben dem HSV auch die TSG Hoffenheim, Hannover 96 und Arminia Bielefeld. In jener Zeit hatte ich Differenzen mit dem neuen BVB-Trainer Thomas Doll. Für mich war er kein ehrlicher Mensch. Sagte er zu Beginn der Woche, wie gut ich im Training sei, und dass er mich nominieren würde, sah ich meinen Namen donnerstags nie auf der Kaderliste. Ich wollte nur weg von ihm. Zu der Zeit hat sich der Hamburger SV – in Person von Dietmar Beiersdorfer – sehr intensiv um mich bemüht. Der Klub bot mir einen langfristigen Vertrag und eine gute sportliche Perspektive. So entschied ich mich für einen Wechsel.

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