Viktoria Köln hat eine neue Vereinshymne

»Musikalisch anders aufgezäumt«

Viktoria Köln spielte mal in der 2. Liga. Im Sommer letzten Jahres kam es zu Insolvenz und Neugründung des Vereins. Die kölsche Band Hanak hat eine Rock-Hymne eingespielt, die diesen Wandel erfassen soll. Wir sprachen mit Frontmann Michael Hirsch. Viktoria Köln hat eine neue VereinshymnePromo

Michael Hirsch, die neue Hymne für den FC Viktoria Köln startet mit einem Gitarrensolo. Sie ist schnell, hart und laut. Eigentlich setzen Vereinslieder auf getragenen Pathos.

Michael Hirsch: Wir wollten einen Kontrapunkt zu den anderen Hymnen setzen, auch weil Viktoria Köln ein besonderer Fleck ist auf der Fußballlandkarte. Bei uns in Köln gibt es zwei Seiten des Rheins, und auf der Schäl Sick herrscht eher eine gröbere und härtere Arbeitermentalität vor. Die wollen wir in dem Lied ausdrücken. Viktoria Köln ist der etwas andere Verein.

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Das sagen ziemlich viele Fans verklärend von ihrem Herzensklub.

Michael Hirsch: Diese Meinung macht sich aber ganz konkret an der Vereinshistorie fest. Viktoria Köln war der erste Amateurverein, der im DFB-Pokal gegen einen Bundesligisten gewinnen konnte (1975 in der 3. Hauptrunde mit 2:1 über Eintracht Braunschweig, d. Red.). Es ist ein kämpferischer Verein, davon zeugen auch die Farben: Rot steht für unsere Liebe, singen wir, Schwarz für Kampf und Wille.

Sie kölschen auch am Anfang »Mir sin widder do«. Weil Viktoria Köln etlichen Fusionen, sportlichem Niedergang und dem Konkurs 2010 zum Trotz noch immer existiert?


Michael Hirsch: Genau. »Uns kriste nit kapott och nit em nächste Johr«, so geht das Lied ja weiter. Viktoria gibt es nach wie vor, und mehr noch, jetzt fühlt sich vieles nach Neustart, Aufbruch und Vorwärtsdrang an. Das Lied zeigt, wo der Verein herkommt – und wo er hin will.

Wo will er denn hin? Die NRW-Liga, in die Viktoria Köln im Sommer aufstieg, kann das höchste der Gefühle noch nicht sein.


Michael Hirsch: Ich kann natürlich nicht für den Vorstand sprechen ... aber Viktoria hat schon mal zweite Liga gespielt zwischen 1978 und 1981! Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, irgendwann wieder auf diesem Level zu spielen (lacht). Wenn alle im Verein weiter mit so viel Herzblut arbeiten, dürfte es auf jeden Fall zeitnah noch ein bis zwei Ligen höher gehen.

Im Making-Of zum neuen Lied sieht man auch Vereinspräsident Tobias Kollmann ins Mikrofon gröhlen.


Michael Hirsch: Tobias Kollmann lebt Viktoria, also hatte ich die Idee, ihn im Lied zu verewigen. Es wäre anders gar nicht gegangen! Im Refrain, wo ganz viele Stimmen gebraucht werden, ist er dabei. Außerdem sorgt ein singender Präsident natürlich für zusätzliche Identifikation. 

Besagter Refrain mündet am Ende in einem »Na-na-na-na«. Sind Ihnen da die Textideen ausgegangen?


Michael Hirsch: Daran lag es nicht (lacht). Ich finde, die Mischung muss einfach stimmen. Das Lied soll rockig sein, aber auch im Stadion funktionieren. Man muss mitsingen können. Wir haben »Hey, Viktoria« musikalisch von der anderen Seite aufgezäumt, textlich aber bestimmte Regeln beachtet, die für Hymnen gelten. Ich selbst spiele seit vielen Jahren Fußball und weiß, wie Musik Aggressivität verleihen kann, die es dann auf den Rasen zu bringen gilt.

Warum begeistern Sie sich überhaupt derart für Viktoria Köln und haben der ganzen Idee zugestimmt? Ihre Band Hanak wird fortan immer mit dem Verein assoziiert werden.


Michael Hirsch: Ich war dem Verein schon immer sehr familiär verbunden. Wie er stamme ich auch von der Schäl Sick und teile die Mentalität, das Credo ehrlicher Arbeit. Und mein Vater hat viele Jahre für Viktoria Köln gespielt. Jetzt ist er noch in der alten Herren aktiv. Beziehungen gab es also genug.

Wie hat denn der Vater reagiert, als Ihre Band als Schöpfer der neuen Vereinshymne präsentiert wurde?


Michael Hirsch: Er hat erstmal nur geschluckt und »Oh« gesagt. Ich glaube, der konnte das zu dem Zeitpunkt gar nicht richtig verarbeiten. Als er die Hymne dann vor einigen Tagen gehört hat, war die ganze Sache einfach nicht mehr wegzudiskutieren. Immerhin, sie gefällt ihm und wurde vom Sohn geschrieben – das ist natürlich Zückerchen.

Letzte Frage: Muss man als Kölschrocker eigentlich lange Haare tragen?

Michael Hirsch: Gar nicht (lacht). Ich habe keine Ahnung, wo dieses Klischee begründet liegt. Klar, Leute, die was mit Rock'n'Roll zu tun haben, tragen manchmal eine üppige Mähne. Das sieht man ja auch auf dem Wacken-Festival. Aber es ist nicht Pflicht. Sollten uns die langen Haare irgendwann mal ausfallen, werden wir deshalb nicht unsere Musikrichtung ändern (lacht).

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