14.06.2011

Vietnams Neu-Nationaltrainer Falko Götz

»Das Wetter ist die Hölle«

Falko Götz ist neuer Nationaltrainer in Vietnam. Der ehemalige Coach von Hertha BSC Berlin soll im fernen Asien eine fußballerische Entwicklung anstoßen. Ein Interview über deutsche Botschafter, hohe Luftfeuchtigkeit, Holstein Kiel – und Berti Vogts.

Interview: Moritz Herrmann Bild: Imago
Falko Götz, Vietnam ist fünf Stunden vor auf der Uhr. Bei Ihnen wird der Abend jetzt zur Nacht. Zappen Sie durch das hoteleigene TV-Programm oder feilen Sie schon an der Taktik für die vietnamesische Nationalmannschaft?

Falko Götz: Ich komme grad vom Essen mit dem deutschen Vizebotschafter. Er und sein vorsitzender Kollege waren involviert in die Vertragsverhandlungen. Die Vietnamesen sind sehr fußballbegeistert, die Nationalmannschaft ihr Aushängeschild, und deshalb liefen auch die politischen Drähte heiß, als es einen neuen Trainer zu finden galt. Im Übrigen bewohne ich kein Hotel, sondern ein kleines Appartement im Herzen von Hanoi.



Wie kam der Kontakt nach Vietnam zustande?

Falko Götz: Der vietnamesische Verband hatte klare Vorstellungen, was für ein Trainer den Job machen soll. Es war früh angedacht, einen Kandidaten mit meinem Profil zu holen. Die erste Kontaktaufnahme lief dann über meinen Berater, Herrn Henner Jansen, später wurde telefoniert und am 3. Juni bin ich höchstpersönlich nach Vietnam geflogen.

Sie machen den Job – auch aus Mangel an Alternativen? Der Kölner Express zitierte Sie mit dem Satz: »Bevor ich gar nichts mache, geh' ich halt nach Vietnam«. Das klingt nicht nach der Erfüllung eines Traumes ...

Falko Götz: Da hatte ein Journalistenkollege von Ihnen wohl Redaktionsschluss und hat deshalb aus einem kurzen Telefongespräch mit mir, das wegen schlechter Verbindung abrupt abbrach, einen Satz aus dem Kontext gebrochen, der so nicht gemeint war. Ich wollte sagen: Bevor ich gar nichts mache, mache ich lieber etwas, das Sinn hat. Etwas, bei dem es Neues aufzubauen gibt. Ich bin sehr gerne hier in Vietnam und ich hatte sehr wohl eine Wahl. Wenn ich sehe, was hier an Herausforderungen auf mich wartet, ist das eine wunderbare Aufgabe.

Wie groß ist die Herausforderung?

Falko Götz: Hier gibt 85 Millionen Einwohner, auch von der Fläche reicht Vietnam an Deutschland heran. Der Großteil der Bevölkerung ist jünger als 30 Jahre. Hier schwirrt unwahrscheinlich viel Talent herum, das erschlossen werden will. Weil es noch keine Möglichkeit gibt, regional zu scouten, müssen wir jetzt erstmal Strukturen aufbauen. Noch teilt sich alles sehr in Nord und Süd. Es gibt keine Stützpunkte, keine Leistungszentren. Doch Vietnam ist ein Wahnsinnmarkt, der explodieren wird – da bin ich mir sicher.

Wie kann man einem so riesigen Land eine Fußballkur verordnen?

Falko Götz: Meine doppelte Verantwortung für Nationalmannschaft und U 23 ist sehr wichtig. Es wird eine starke Beobachtung meiner Trainingsmethoden und taktischen Vorgaben stattfinden. Die sollen auch in den anderen Mannschaften – in den Junior Teams – umgesetzt werden, wo mir bis zu vier Assistenztrainer zuarbeiten. Der Verband wollte explizit, dass an meiner Seite Trainer aus Vietnam stehen und wachsen.

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