03.06.2014

Vier Cheftrainer, eine Chaos-Saison: HSV-Assistent Roger Stilz

»Crashkurs auf hohem Niveau«

Drei Chef-, ein Interimstrainer. Das schlechteste Abschneiden in 51 Jahren Bundesliga. Die Relegation ohne Sieg. Und das Wunder des Nicht-Abstiegs: Was Roger Stilz als Co-Trainer beim HSV in seiner ersten Profi-Saison erlebte, reicht eigentlich schon für ein ganzes Fußballerleben. Nun verlässt der Deutsch-Schweizer Hamburg auf eigenen Wunsch – und lässt seine Chaos-Saison beim HSV noch einmal Revue passieren.

Interview: Christian Wriedt Bild: Imago

Roger Stilz, Ihr Fazit nach der ersten Saison im Profifußball?
Das war sehr intensiv in jeder Hinsicht. Thorsten Fink hat mir den Einstieg beim HSV ermöglicht. Zum einen assistierte ich ihm in der Bundesliga, zum anderen sollte ich das Bindeglied zwischen Profis, U23 und Jugend sein. Leider wurde Thorsten schon nach dem fünften Spieltag entlassen.

Vor der Saison gab HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow Platz 5 oder 6 als Saisonziel aus, stellte den HSV auf eine Stufe mit Schalke und Wolfsburg. War das nicht völlig unrealistisch?
In der ersten Phase verstand ich meine Rolle als Beobachter, der nach und nach in die aktive Rolle hineinwachsen sollte. Da hatte ich noch keine Meinung zu realistischen oder unrealistischen Zielen.

Und wie lauteten Ihre persönlichen Ziele?
Ich wollte zuerst die strukturierte, zielgerichtete Arbeit auf höchstem Niveau kennenlernen, in einem zweiten Schritt als Tipp- und Feedback-Geber fungieren und zudem die Trainingsarbeit mitgestalten. Mich interessierte die intensive Arbeit mit Nationalspielern, langjährigen Profis und hungrigen Talenten, die sich durchsetzen wollen. Und ich hatte erwartet, dass wir uns als Mannschaft ein Gesicht und eine unverkennbare Spielweise aneignen.

Es kam anders. Sie arbeiteten letztlich mit vier verschiedenen Trainern: Thorsten Fink, Interimslösung Rodolfo Cardoso, Bert van Marwijk und Mirko Slomka. Wie haben Sie es geschafft, all diese Übungsleiter zu überleben?
Das müssen andere beantworten. Was ich getrost sagen kann: Ich bin konstant ich selbst geblieben. Durch äußere Einflüsse oder innere Störungen wollte ich nicht wankelmütig werden. Ich glaube, es ist mir ganz gut gelungen, standhaft zu bleiben. Ich bin nicht mal so und mal anders.

Warum sind Sie unter Bert van Marwijk weiterhin Assistent geblieben? Schließlich galten Sie als Vertrauter von Thorsten Fink.
Sportchef Oliver Kreuzer sagte mir nach dem Weggang von Thorsten, dass ich die nächste Trainingseinheit machen und das Team auf den Platz führen solle. Das war ein Vertrauensbeweis des Vereins. Als Bert anfing, spürte ich, dass er mich beobachtete, was ich an seiner Stelle auch getan hätte. Wir tauschten uns intensiv aus – über Fußball, aber auch über das Leben. Er betrachtete mich als vollwertiges Mitglied des Trainerstabs, und fortan war das eine sehr gute Zusammenarbeit.

Van Marwijk wurde aufs Heftigste kritisiert, vor allem weil er angeblich zu wenig trainieren ließ. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?
Es ist der Job des Co-Trainers, die Philosophie des Trainers mitzutragen. Als Co-Trainer ist Loyalität das oberste Gebot. Es gehört sich einfach, sowohl inhaltliche Schwerpunkte als auch die vom Cheftrainer angeordnete Trainingsintensität umzusetzen. Ich halte es für wichtig, dass man seine Rolle genau kennt. Ich habe versucht, zügig zu erkennen, was meine Cheftrainer brauchen.

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