16.10.2009

VfL-Trainer Frank Heinemann im Interview

»Bochum ist einzigartig«

Er ist auf dem Weg der beliebteste Interimstrainer in der Geschichte der Fußball-Bundesliga zu werden. Bochum-Coach Frank Heinemann über seine Stimme, Flutlicht-Derbys im Dortmunder Westfalen-Stadion und Ata Lameck.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Frank Heinemann, Sie klingen immer so heiser. Sind Sie möglicherweise der größte Schreihals, der je Chef-Trainer beim VfL Bochum war?

Das ist meine normale Stimme!

Ach so. Verzeihung. Andere Frage: die Bochumer Mannschaft, so scheint es, vermisst Sie ja jetzt schon, obwohl Sie noch gar nicht weg sind. Warum wollen Sie eigentlich nicht dauerhaft Chef-Trainer beim VfL sein?


Das habe ich nie gesagt. Ich habe vor gut drei Wochen das Amt als Interimstrainer übernommen, und das habe ich gerne gemacht. Diesen Job fülle ich so lange aus, wie man mich braucht. Da habe ich keine Probleme mit.



Sie haben sicherlich nichts dagegen, wenn man Sie die »treue Seele vom VfL Bochum« nennt, oder?


Nein, keine Einwände. Ich bin in Bochum geboren und seit 1976 im Verein. 33 Jahre VfL.

Am Sonntagabend spielt Bochum in Dortmund. Ein Derby unter Flutlicht und Sie als Trainer an der Außenlinie. Kribbelt´s schon?

Na sicher. Wobei das für mich eigentlich kein Unterschied macht, ob ich so ein Spiel als Trainer, Spieler oder Mannschaftsbetreuer erleben darf. Die Derbys gegen Schalke und Dortmund, die sind schon etwas Besonderes. Zumal ich ein Kind des Ruhrgebiets bin, da muss man mir nicht sagen, welche Bedeutung so ein Spiel hat. Bei Spielern aus dem Ausland, oder von anderen Kontinenten ist das was anderes. Doch auch die merken schnell, wie aufgeladen die Stadt vor einem Derby gegen Dortmund ist. Hinzu kommt noch, sie haben es gesagt, Flutlichtspiel und dann vor so einer Zuschauerkulisse. Das ist außergewöhnlich.

Der VfL wirkt im Vergleich mit den beiden »Größen« Schalke und Dortmund immer etwas kleiner, trotzdem scheint die Bochumer Fußball-Kultur besonders ausgeprägt zu sein. Was ist es, das den VfL ausmacht?


Wir arbeiten beispielsweise enger mit unseren Fans zusammen, was auch daran liegt, dass der Kern der Bochumer Anhängerschaft auch tatsächlich direkt aus Bochum kommt und nicht im Sauerland oder Münsterland verstreut ist.

Sie mögen es nicht generell unterschätzt zu werden...

Ganz und gar nicht. In den letzten drei Jahren waren wir in der Bundesligaabschlusstabelle zweimal vor Dortmund. Mit weniger Geld, weniger Zuschauern und einem kleineren Stadion.


Dieses verhasste Gefühl, als Underdog zu gelten, ist das auch eine zusätzliche Motivation für Ihre Spieler?

Ganz ehrlich: Wen ich für ein Derby am Sonntagabend unter Flutlicht vor 80.000 Zuschauern noch motivieren muss, der hat seinen Beruf verfehlt. Ich kann vor so einem Spiel von außen vielleicht noch zwei bis fünf Prozent mehr aus den Spielern rauskitzeln, aber der Rest muss ohnehin vorhanden sein.

»Unter Frank Heinemann«, schreibt der »kicker«, »wurde zuletzt der Eindruck erweckt, das der VfL Bochum mit mehr Leidenschaft zu Werke geht.« Nur ein Klischee, oder stimmt das?


Hier im Ruhrgebiet ist immer hart gearbeitet worden, die Leute haben es immer recht schwer gehabt, wie zuletzt in der Autokrise. Auf gut deutsch: Bei uns muss malocht werden und das müssen wir auch auf dem Platz verkörpern. Wenn die Mannschaft auf dem Rasen ackert, verzeiht der Bochumer Fan vieles. So eine Spielweise gehört im Ruhrgebiet zur professionellen Grundeinstellung.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden