Sie scheinen kein großer Freund der Medien gewesen zu sein.Sagen Sie es keinem weiter, aber das bin ich bis heute nicht.
Warum?Weil eigentlich alles, was ich früher Journalisten erzählt habe, nicht richtig wieder gegeben wurde. Zum Beispiel die Geschichte mit meinem angeblichen Schwänzchen.
Bitte was?Schwänzchen, Haar-Schwänzchen. So etwas habe ich nie getragen! Und plötzlich stand das irgendwann einmal in der Zeitung. Was stimmt: Ich trug damals häufig ein Gummiband, um meine langen dünnen Haare zu bändigen.
Das heißt, Sie sind der modische Vorreiter für all die italienischen und südamerikanischen Langhaarträger auf dem Fußballplatz?Das hatte nichts mit Mode zu tun. Ich brauchte freie Sicht.
Woher hatten Sie das Band? Vom Friseur?Ach was. Aus der Hauswaren-Abteilung. Später habe ich dann eine Mütze getragen.
Warum?Herberger hat das Gummiband ganz und gar nicht gefallen, der mochte solchen Firlefanz einfach nicht. Vermutlich bin ich deshalb irgendwann auf die Mütze umgestiegen.
Und der »Mann mit der Mütze« spielte noch bis 1967 beim VfB Stuttgart in der ersten Mannschaft. 1970 haben Sie Ihr Comeback gegeben – als Torhüter der VfB-Reserve. Hatten Sie keine Lust auf den Ruhestand?Eigentlich schon, aber die Zweite hatte ein personelles Problem: Kurz vor dem Saisonende verließ Torwart Peter Schmidt die Mannschaft, um in den USA zu studieren. Trainer Franz Seibold rief mich an: »Kannst du uns nicht für sechs Spiele aushelfen?« Ich hab Ja gesagt und aus den sechs Spielen wurde ein Jahr.
Und Ihre Bilanz konnte sich durchaus sehen lassen...Absolut. Ich war ja schon 38 Jahre alt, aber mit mir erreichten wir 1971 das Endspiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft!
Wie endete das Spiel?Wir verloren. 0:1 gegen den SC Jülich.
Das muss weh getan haben.Tat es auch. Viel schlimmer wurde es noch, als abends beim Bankett DFB-Präsident Hermann Neuberger zu seiner Rede ansetzte: »Schade, dass das Spiel so enden musste. Neben mir sitzt der ehrliche Sieger« – Er deutete auf uns – »Eine Mannschaft, die nur deshalb nicht gewonnen hat, weil es der Schiedsrichter so wollte.« Und er hatte Recht, gegen Jülich wurden wir gründlich verpfiffen.
Ein Skandal! War der Schiedsrichter auch beim Bankett?Der saß neben uns. Klaus Ohmsen hieß der. Der gute Mann hatte sicherlich keinen schönen Abend.
Haben Sie ihm denn inzwischen verzeihen können?Wenn ich wieder über das Spiel nachdenke, fällt mir das schwer. Immerhin bin ich wegen dem Kerl ohne Titel geblieben!
Aber Sie sind doch 1958 DFB-Pokalsieger geworden!Schon. Aber damals war das ja noch nicht so viel wert. Soll ich Ihnen sagen, was ich nach dem Finale getan habe?
Bitte.Ich bin mit Sepp Herberger zusammen nach Frankfurt gefahren, um mich auf ein Länderspiel vorzubereiten, das drei Tage später stattfand. Wenn wir den Pokal damals schon so gefeiert hätten, wie das heute der Fall ist, hätte ich Herberger sicherlich dankend abgesagt.
----Kleiner Lesetipp: Das 11FREUNDE-Spezial: »Das waren die Sechziger«. Noch mehr Herberger, noch mehr schöne Frauen, noch mehr Fußball. Für alle, die schon immer gerne von den »guten alten Zeiten« geschwärmt haben und natürlich nur für Fußball-Verrückte!