14.02.2008

Valérien Ismaël im Interview

»Ich hatte keinen Spaß mehr«

Bei Bayern drückte Valérien Ismaël die Bank. Nun sucht der Franzose bei Hannover 96 nach neuen Herausforderungen. Hier spricht er über sein gestörtes Verhältnis zu Hitzfeld, seine schwere Verletzung – und den Tag der Abrechnung.

Interview: Dirk Gieselmann und Tim Jürgens Bild: Imago
Kann das Jürgen Klinsmann besser als Ottmar Hitzfeld?

Seine Verpflichtung ist eine sinnvolle und mutige Entscheidung der Vereinsführung. Klinsmann ist ein Mann mit Power, der im Klub definitiv neue Impulse lostreten kann. Er ist ein Motivator, der jedem Spieler individuell das Gefühl geben kann, dass er auf seiner Position der Beste der Welt ist.

Ihr Trainer in Bremen, Thomas Schaaf, gilt in der Öffentlichkeit als knorrig und wortkarg. Trotzdem konnte er Ihnen dieses Gefühl offensichtlich stets vermitteln.

Er war der Grund, warum es bei mir von Anfang an so gut lief und ich in Bremen regelrecht aufblühte. Schaaf hat mir gezeigt, welche Qualitäten ich habe – nicht nur spielerisch, sondern auch charakterlich.

Was bleibt für Sie aus Ihrer Zeit in München?

Ich bin im Frieden weggegangen und freue mich, diese Leute auch in absehbarer Zeit mal wieder zu treffen.

Wissen Sie, was am 16. Februar 2008 ist?


Da spielen wir gegen die Bayern.

Der Tag der Abrechnung?


Überhaupt nicht. Wenn alles glatt läuft, ist es ein Tag der Freude, weil ich wieder Fußball spielen kann – und dann auch noch gegen meine alten Freunde aus München. Ich möchte den Tag einfach nur genießen.

Auf wen freuen Sie sich am meisten?


Besonders auf Lukas, weil wir in München viel zusammen gelacht haben. Auch zu Mark van Bommel und Willy Sagnol hatte ich ein ausgesprochen gutes Verhältnis.

Auf Ottmar Hitzfeld freuen Sie sich aber nicht explizit?


Es ist bekannt, dass wir unterschiedliche Ansichten hatten. Aber auch ihn werde ich höflich begrüßen, denn Sie sehen ja, dass ich seine Entscheidung, mich nicht mehr zu berücksichtigen, akzeptiere, indem ich mich neu orientiert habe.

Fehlen Ihnen Ihre Kumpels Lukas Podolski, Willy Sagnol und Mark van Bommel hier in Hannover?


Es tut immer weh, sich von heute auf morgen von Leuten, die man mag, zu verabschieden. Aber im Fußball sieht man sich immer zweimal. Ich bin sicher, dass wir auch über unser Karriereende hinaus miteinander verbunden bleiben. Schließlich haben wir gemeinsam das Bundesliga-Double geholt.

Freundschaften im Profifußball sind also doch möglich.

Ich bin nicht mit allen Spielern so eng verbunden, aber ich bin der Ansicht, dass man versuchen muss, Beziehungen zu pflegen. Das Geschäft ist so überschaubar, gut möglich, dass wir uns später in anderer Funktion noch einmal über den Weg laufen.

Würden Sie auch Lukas Podolski raten, München zu verlassen?

Er kann jetzt abwarten, wie Klinsmann mit ihm plant. Schließlich hatte Lukas viel Spaß bei der WM, warum sollte die gute Laune also mit Klinsmann nicht in absehbarer Zeit zurückkommen?

Aber mal im Ernst: Passt ein lebensfroher Franzose wie Sie nicht viel besser ins bunte München als ins windige Bremen oder das raue Hannover?

Fußballprofi ist ein Beruf. Wenn man sich für eine Station entscheidet, geht es also nicht darum, in einer schicken Stadt zu leben, sondern um den Job. Wenn es nach dem Drumherum ginge, wäre ich natürlich in München geblieben. Aber ich wollte wieder Fußball spielen, deswegen habe ich den Weg nach Hannover eingeschlagen. Ich kann ja nach der Karriere immer noch zurück nach München ziehen.

Sie planen, auch nach der Karriere in Deutschland zu bleiben?

Meiner Verlobten und mir hat es in Bayern sehr gut gefallen. Wir haben dort auch Freunde, die nichts mit Fußball zu tun haben. München ist auf jeden Fall eine Option für später.

Sie mögen Deutschland wirklich.


Auf jeden Fall. Ich hatte vor meinem Wechsel an die Leine mehr Anfragen aus dem Ausland als aus der Bundesliga. Aber ich wollte hier bleiben.

Sie sollen sogar mit dem Gedanken gespielt haben, sich vor der WM 2006 einbürgern zu lassen und für Deutschland zu spielen.

Das stimmt. Ich hatte mit Jürgen Klinsmann sogar telefoniert und ihm gesagt, dass ich auch nach der Karriere hier bleiben wolle. Aber letztendlich hat sich Klinsmann gegen eine Einbürgerung ausgesprochen.

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