14.02.2008

Valérien Ismaël im Interview

»Ich hatte keinen Spaß mehr«

Bei Bayern drückte Valérien Ismaël die Bank. Nun sucht der Franzose bei Hannover 96 nach neuen Herausforderungen. Hier spricht er über sein gestörtes Verhältnis zu Hitzfeld, seine schwere Verletzung – und den Tag der Abrechnung.

Interview: Dirk Gieselmann und Tim Jürgens Bild: Imago
Valérien Ismaël, als Ihr Heimatland Frankreich 1984 Europameister wurde, waren Sie neun Jahre alt. Ein guter Grund für ein Kind, Fußballer werden zu wollen.

Nicht für mich. Ich wollte damals Sportlehrer werden. Erst mit 14 reifte auf dem Sport-internat in Straßburg langsam der Plan in mir, es als Profi zu versuchen.

Michel Platini war demnach auch nicht Ihr großes Vorbild.

Die Großen des Geschäfts habe ich erst mit 16, 17 wahrgenommen. Und dann wollte ich sein wie Franco Baresi vom AC Milan.



Was imponierte Ihnen an Baresi?

Sein hervorragendes Stellungsspiel und die Art, wie er ein Team dirigierte. Gar nicht so sehr seine Physis, er war ja relativ klein, sondern eher seine Ausstrahlung als Typ.

Was ist aus dem Sportlehrer geworden, der Sie einst werden wollten?

Ein bisschen davon ist noch vorhanden, denn klare Ansagen und Kommunikation beherzige ich bis heute. Wenn auf dem Platz etwas falsch läuft, ist es meine Aufgabe, die Mitspieler darauf hinzuweisen. Und ich halte es für wichtig, Erfahrungen früh an junge Spieler weiterzugeben, damit sie in den ersten Profi-Jahren keine Zeit verlieren.

Ihre pädagogische Ader konnten Sie auch in Bremen ausleben. Dort sollen Sie quasi der Erziehungsberechtigte für schwierige Typen wie Ailton und Johan Micoud gewesen sein.

Für einen Lehrer sind die beiden viel zu eigenständig. Aber wir haben uns sehr gut verstanden. Gerade das erste Jahr in Bremen war einmalig. Ailton und Micoud sind sehr interessante und sensible Menschen. Nach außen hin wirken sie vielleicht etwas schrullig, aber das ist nur Fassade, ein Schutzmechanismus.

Braucht Ailton trotzdem eine besondere Form der Führung?

Ailton braucht Vertrauen. Man muss ihn nehmen, wie er ist, dann bekommt man alles von ihm. Sobald man aber versucht, ihn zu ändern, macht er zu. Es ist schwer, herauszufinden, wie Ailton wirklich denkt, aber in Bremen ist es uns damals gelungen.

Macht es Sie traurig, wenn Sie auf den weiteren Verlauf seiner Karriere schauen?

Ich wusste, dass es ein Fehler ist, wenn er Bremen verlässt. Dort war er der König. Bei seinen späteren Vereinen musste er sich dem Konzept anpassen, nicht das Konzept ihm. Und das ging schief. Ich glaube, das ist ihm selbst auch schon bald bewusst geworden.

Haben Sie ihn vor seinem Wechsel gewarnt?

Nein, denn er hatte damals seine Entscheidung bereits getroffen. In der Folgezeit ist er einen seltsamen Karriereweg gegangen – und hat nie mehr die Kurve gekriegt. Das macht mich schon sehr traurig.

Haben auch Sie einen Fehler gemacht, als Sie nach München wechselten?

Überhaupt nicht, denn es war immer mein Traum, dort zu spielen. Jeder Spieler muss diese Chance nutzen, wenn sie sich ihm bietet. Erst im Nachhinein kann ich sagen: Die Zeit in Bremen war ohnegleichen. Ich war nie verletzt, war Stammspieler, wir hatten Erfolg. In München war ich zwar auch Stammspieler, aber der Stress war viel größer.

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