Vahid Hashemian über die WM-Chancen des Iran

»Jünger und mutiger als 2006«

Irans Nationalmannschaft hat viermal an einer WM teilgenommen, allerdings noch nie die Vorrunde überstanden. Warum wird dieses Mal die Sensation gelingen? Wir sprachen vor Turnierstart mit Vahid Hashemian über Wunder, Kämperherzen und Lionel Messi.

Vahid Hashemian, wer ist der neue iranische Hubschrauber?
Ich muss Sie enttäuschen, die Zeiten, in denen wir hoch in den Strafraum geflankt haben, sind vorbei. Das heißt aber nicht, dass unsere Offensive schlecht besetzt ist. Mit Reza Ghoochannejhad von Charlton Athletic haben wir einen international erfahrenen Stürmer. Dahinter spielt Javad Nekounam, unser Kapitän, der uns durch sein Tor gegen Südkorea die WM-Teilnahme gesichert hat. Und dann gibt es ja noch Spieler wie Daniel Davari von Eintracht Braunschweig oder Ashkan Dejagah, den Sie ja sicher auch noch aus der Bundesliga kennen.
 
Ashkan Dejagah hat früher für zahlreiche deutsche U-Nationalmannschaften gespielt und sich erst recht spät für den Iran entschieden. Welche Rolle spielt er in der Mannschaft?
Auch wenn er erst zwölf Spiele gemacht hat, ist er bereits ein Führungsspieler. Was auch daran liegt, dass er persisch spricht und spielerisch sowieso über jeden Zweifel erhaben ist: Er ist technisch stark und hat ein großes Kämpferherz.
 
Sie verbindet eine ähnliche Geschichte.
Sie meinen, weil Ashkan Dejagah einst eine Länderspielreise (der deutschen U21, d. Red.) nach Israel abgesagt hat? Bei mir waren es andere Gründe. Als ich mit Bayern München 2004/05 ebenfalls nach Israel reisen sollte, war ich verletzt.
 
Sie wären der erste muslimische Iraner gewesen, der seit der islamischen Revolution von 1979 nach Israel gereist wäre. Waren Sie wirklich verletzt?
Ganz sicher! Ich habe mich meine ganze Karriere mit Rückenproblemen herumgeplagt. Schon 2002 hatte mir ein Arzt gesagt, dass ich besser aufhören sollte Fußball zu spielen. Ich war so häufig beim Arzt, lief so oft mit Spritzen auf. Ich wollte ja nach meiner Zeit in Deutschland eigentlich auch noch zwei Jahre bei Persepolis spielen, aber die Rückenschmerzen kamen zurück – also beendete ich meine Karriere.
 
Ist das aktuelle iranische Nationalteam besser als 2006?
In der Breite ist es unerfahrener als 2006, weil die Spieler jünger sind. Vielleicht sind sie deswegen aber auch mutiger.
 
Und konditionsstärker?
Hoffentlich. 2006 hatten wir eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern im Kader, darunter Topleute wie Ali Daei, Ali Karimi oder Mehdi Mahdavikia. Gegen Portugal, Mexiko und Angola haben wir auch gut mitgehalten, doch oft sind wir nach 60 Minuten eingebrochen. Wir hatten schlichtweg Konditionsprobleme. Vielleicht war die Vorbereitung nicht so gut – und natürlich war die Gruppe auch sehr hart.
 
Nun sitzt eine Trainerlegende auf der Bank. Ist die Mannschaft besser vorbereitet?
Carlos Queiroz hat eine imposante Vita. Mit Portugals U-20-Nationalelf wurde er Weltmeister, dann trainierte er Sporting Lissabon und Real Madrid, er war Co-Trainer von Alex Ferguson bei Manchester United sowie Coach der A-Nationalteams von Südafrika und Portugal. Er hat es geschafft, der Mannschaft zu erklären, wie wichtig Disziplin ist.
 
Was sollte Queiroz den iranischen Spielern vor dem Spiel gegen Nigeria außerdem dringend raten?
Das müssen Sie ihn fragen. Ich fände es respektlos, wenn ich mich dazu äußerte.
 
Sie sind der höfliche Vahid Hashemian geblieben.
Es ist ja kein Geheimnis, dass die iranische Mannschaft stets von einem schnellen Umschaltspiel und von viel Laufbereitschaft gelebt hat.
 
Das heißt gegen Argentinien, Bosnien-Herzegowina und Nigeria müssen die Spieler wieder rennen bis zur Erschöpfung?
Man kann natürlich durch einen sehr hohen Einsatz, gewisse Spieler neutralisieren und vielleicht Punkte gegen Nigeria oder Bosnien-Herzegowina holen, die allerdings auch sehr stark sind. Allerdings wirst du einen Lionel Messi auch nicht über den Kampf stoppen können.

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