06.07.2011

Uwe Seemann über die Auflösung des FC Sachsen Leipzig

»Da blutet einem das Herz«

Der 30. Juni 2011 war der letzte Tag des FC Sachsen Leipzig. Der Oberliga-Verein muss wegen Insolvenz den Spielbetrieb einstellen. Was ist schiefgelaufen? Was wird jetzt aus den Spielern? Wir sprachen mit dem letzten Vorstandsmitglied Uwe Seemann (auf unserem Bild rechts).

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Die Geschichte der finanziellen Probleme des FC Sachsen Leipzig begann Anfang der neunziger Jahre, da war der Verein noch sehr jung. Das Ende der DDR bedeutete auch das vorläufige Ende der BSG Chemie Leipzig. Durch eine Fusion mit dem SV Chemie Böhlen entstand der FC Sachsen Leipzig. Der war kurzzeitig recht erfolgreich: Von 1993 bis 1995 holte man dreimal hintereinander den Sachsenpokal. In der Folgezeit verschliss der Verein jedoch zahlreiche Trainer, und es wurde offenbar, dass man nicht nur den Stolz der Region, sondern auch finanzielle Nöte geerbt hatte. Zum Ende der Saison 1998/99 sprang der »Kinowelt«-Gründer Michael Kölmel, der auch Inhaber des Leipziger Zentralstadions ist, mit seinem Zahlungsmodell ein. Nicht gerade erfolgreich, wie viele kritisierten. In den folgenden Jahren versiegte aber auch diese Quelle, da Kölmel mit seiner Firma selbst in finanzielle Schwierigkeiten geriet. 2006/2007 verhandelte der FC Sachsen mit dem österreichischen Energydrink-Hersteller Red Bull, die Idee: finanzielle Sanierung und Umbenennung in Red Bull Leipzig. Dagegen sprachen aber zwei Dinge: das DFB-Statut, das Sponsoren im Vereinsnamen verbietet, und die Fans, die eine zu starke Kommerzialisierung fürchteten. Der Einstieg scheiterte. Auf der Vereins-Homepage hieß es damals, der Schritt sei »in wirtschaftlicher Hinsicht bedauerlich, verschafft dem Verein andererseits jedoch Planungssicherheit für die kommende Saison«. Das klingt aus heutiger Sicht reichlich naiv, schließlich agierte der Klub in der Folge immer planloser. Am 26. Februar 2009 stellte das Leipziger Finanzamt einen Insolvenzantrag gegen den FC Sachsen Leipzig, am 4. März meldete der Verein selbst Insolvenz an. Im April 2009 wurde Uwe Seemann der letzte Vorstand des Vereins.



Uwe Seemann, Ihr Verein löste sich vergangenen Donnerstag auf. Wie haben Sie den 30. Juni erlebt?

Uwe Seemann: An dem Tag war ja schon alles erledigt. Wir haben die Entscheidung bereits im April 2009 getroffen. Schwierig waren die letzten zwei Spiele, vor allem das Heimspiel gegen Bautzen und das Auswärtsspiel in Halberstadt. Das waren die emotionalsten Tage. Es war bitter.  

Inwiefern emotional? Waren mehr Fans da als sonst?

Uwe Seemann: Beim FC Sachsen muss man, was die Anzahl der Fans betrifft, zwischen zwei Spielen unterscheiden: die normalen Spiele und die Derbys. Wir hatten bei den Derbys gegen RB Leipzig oder Lokomotive Leipzig immer zwischen 12.000 und 15.000 Zuschauer, bei normalen Spielen haben wir zwischen tausend und zweitausend Zuschauer. Und zum letzten Auswärtsspiel sind eintausend FC Sachsen-Fans nach Halberstadt mitgepilgert. Das war schon ungewöhnlich, weit über dem sonstigen Schnitt.  

Den Insolvenzantrag gab es schon im Februar 2009. Was haben Sie seitdem gemacht?

Uwe Seemann: Der Klub wurde die letzten zwei Jahre nach der Insolvenz durch den neuen Vorstand künstlich am Leben gehalten. Der FC Sachsen war damals schon pleite, wir haben versucht den Verein in ruhiges Fahrwasser zu bringen. Das haben wir auch geschafft: In den zwei Jahren haben wir keinen Euro Schulden gemacht, alle Rechnungen beglichen, allen Spielern Gehälter gezahlt. Wir wurden aber enttäuscht von ein paar Sponsoren, die in den vergangenen zwei Jahren ihre Zusagen in fünf- und sechsstelligen Höhen nicht eingehalten haben. Wir wollten nicht dieselben Fehler machen wie unsere Vorgänger: mit einer Unterdeckelung in die neue Saison gehen und horrende Spielergehälter nur auf Pump zahlen.  

Hatten Sie zu der Zeit auch noch Kontakt zu dem Investor Michael Kölmel, der den Verein schon 1998 gerettet hatte?

Uwe Seemann: Mit Michael Kölmel waren wir ständig in Kontakt. Der FC Sachsen ist in den Sicherheitsspielen, wie gegen RB oder gegen Lok Leipzig, immer in sein Stadion ausgewichen.

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