05.11.2011

Uwe Seeler wird 75

»Wir kotzten wie die Reiher«

Whisky mit Schön, Schwarzwälder Kirsch mit dem HSV – bis auf ein paar Schnäpse war Uwe Seeler Deutschlands Vorzeigefußballer Nummer eins. Wir sprachen mit ihm über Partys in London und Dienstfahrten nach Hannoversch-Münden.

Interview: Tim Jürgens und Alex Raack Bild: Imago


Apropos moderne Trainingslehre – wie sehr haben Sie zur aktiven Zeit auf die richtige Ernährung geachtet?

Ich habe wohl gut und angemessen gegessen, aber nach den heutigen Erkenntnissen habe ich trotzdem alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Ich bin eine fleischfressende Pflanze – heute würden die Ernährungsberater tot umfallen, wenn sie sehen könnten, was ich auf meinem Teller hatte.

Sie sind gemeinsam mit Ihrem besten Freund Klaus Stürmer 1954 erstmals zu den HSV-Senioren gestoßen. Wie hat Sie damals empfangen?

Mir großer Herzlichkeit. Wir jungen Kerls waren schnell die Lieblinge der Mannschaft und wir wiederum haben es geliebt mit diesen alten Hasen Fußball spielen zu dürfen. Klaus und ich haben den Kollegen die Taschen getragen – nicht weil wir es mussten, sondern weil wir es wollten. Dafür hat die Mannschaft auf uns aufgepasst. Übrigens auch in Sachen Ernährung.

Klaus Stürmer und Sie waren in Hamburger Kneipen berühmt-berüchtigt für Ihre Bockwurst-Wettessen. Damit war nach Eintritt in den Herrenbereich wohl Schluss, oder?

Im Gegenteil, wir haben sogar einsame Rekorde aufgestellt. Einmal habe ich zehn Stück an einem Abend verdrückt. Heute bin ich froh, wenn ich eine schaffe. Aber ich kann sie beruhigen: Meine Bockwurst-Leidenschaft ist ungebrochen. Die knacken einfach so schön.

Sie und Klaus Stürmer wurden »die Zwillinge« genannt, weil man Sie immer zu zweit antraf. Nach dem Wechsel in die Herrenmannschaft haben die Mitspieler Ihnen allerdings übel mitgespielt. Erinnern Sie sich: Sommertrainingslager 1954 im Schwarzwald...?

Natürlich, das war doch unser Aufnahmeritual! Abends saßen wir in einem Lokal, plötzlich wurde Schnaps ausgeschenkt. Herbert Woitkowiak stand auf und sagte: »Heute Abend wird einer gesoffen. Jeder, der seinen Schwarzwälder Kirsch austrinkt, steht auf!« Die Kollegen legten uns schön rein: Wir mussten mit jedem trinken und dabei aufstehen. Die ganze Reihe rum. Klaus und ich waren so blau, dass man uns aufs Zimmer bringen musste. Und selbst da machten sie mit uns Faxen: Heinz Liese drückte uns Creme in die Handflächen und meinte: »Müsst ihr schön verreiben.« Der Kerl hatte uns schwarze Schuhcreme in die Hände geschmiert! Sie können sich vorstellen, wie das Treppenhaus im Hotel am nächsten Morgen aussah.

Haben Sie den Rausch denn gut überstanden?

Von wegen. Wir haben gekotzt, wie die Reier. Wir fühlten uns todkrank und bekamen dann auch noch einen ordentlichen Anschiss von Günther Mahlmann. Das war der schlimmste Rausch meines Lebens. Bis heute trinke ich kaum Schnaps. Höchstens zur Verdauung.

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