Uwe Seeler über sein letztes Länderspiel

»Lieber ein Jahr zu früh«

Uwe Seeler hat für die Nationalmannschaft viel geleistet: Er war Kapitän, schoss 43 Tore in über 70 Spielen und stand vier Mal in der Torschützenliste der WM. Heute vor 28 Jahren trug er zum letzten Mal das deutsche Trikot. Uwe Seeler über sein letztes LänderspielImago

Uwe Seeler, erinnern Sie sich noch an ihr letztes Spiel mit der Nationalmannschaft?

Ja, das war 1970 in Nürnberg und ein wunderschöner Abschluss. Das Stadion war voll und alle haben gejubelt. Da war schon Wehmut mit dabei, aber ich bin immer Realist gewesen. Ich wusste ja, dass es mein letztes Spiel mit der Nationalmannschaft war und ich dachte, es sei das Beste. Ich sage immer: »Lieber ein Jahr zu früh mit dem Leistungssport aufhören als eins zu spät«.

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Also ging es um Ihre Gesundheit?

Auch. Ich war schließlich schon 35 Jahre alt, aber da war ja auch noch mein Beruf.

Sie waren bei adidas beschäftigt.


Genau. Nicht der Fußball brachte Geld ins Haus, sondern mein Beruf und um den wollte ich mich verstärkt kümmern. Aber bis 1972 habe ich ja auch noch für den HSV gespielt.

War Ihr Beruf auch der Grund aus dem sie 1968 schon einmal vom internationalen Fußball zurückgetreten sind?

Teilweise. Aber ich hatte damals auch eine Rückenverletzung und wollte mich entlasten.

Und dann waren Sie ein Jahr später plötzlich wieder da, ein Rücktritt vom Rücktritt.

So kann man das sagen. Ich hatte eine Kur gemacht, danach ging es mir besser. Und eines Tages klingelte dann das Telefon, und Sepp Herberger war dran: »Willste nicht nochmal spielen, mit Gerd bei der WM in Mexiko?«, hat er gefragt und ich habe »ja« gesagt, unter der Bedingung, dass dann wirklich Schluss ist. So war es dann auch.

Wie war es denn für Sie ihr letztes Spiel gegen Ungarn zu spielen? Schließlich war das 1954 der Gegner der Deutschen im WM-Finale von Bern.

Wir wussten ja, das Ungarn lange nicht mehr den Stellenwert hatte, den es bei der WM ’54 gehabt hat.

Also hätten sie lieber gegen eine andere, anspruchsvollere Mannschaft gespielt?

Nein, das nicht. Ungarn ist eine Traditionsmannschaft, und es war schon gut, so wie es war. Vielleicht was das für ein Abschiedsspiel sogar das Beste.

Und dann gab es da ja auch noch zwei Ehrungen, die Ihnen bei dem Spiel zu Teil wurden. Sie bekamen als erster Sportler das Bundesverdienstkreuz verliehen und wurden vom DFB zum Ehrenspielführer der Nationalmannschaft ernannt.

Das mit dem Verdienstkreuz war schon ein erhebender Moment. Vorher hatte die Stadt Hamburg noch bei mir angerufen: »Das nehmen Sie aber an, Herr Seeler«, haben sie gesagt. Denn eigentlich lehnte man so was früher ab. Und die Ernennung zum Ehrenspielführer hat mich natürlich auch sehr gefreut, davon gibt es schließlich nicht so viele.

In der Nationalmannschaft waren Sie auch als Torjäger bekannt. Sie haben 43 Tore geschossen und sind vier Mal hintereinander in der Torschützen-Liste der WM aufgetaucht. Das hat neben Ihnen nur Pelé geschafft. Waren Sie nicht enttäuscht, dass Sie in Ihrem letzten Spiel kein Tor geschossen haben?

Nein, gar nicht. Das war mir nicht so wichtig, ich hatte ja, wie Sie selber schon gesagt haben, vorher genug Tore geschossen.

Vergleichen Sie doch mal ihr letztes Länderspiel mit dem ersten.

Das kann man nicht vergleichen. Beim ersten Spiel war ich weitaus aufgeregter, denn ich durfte mit den ganzen WM-Helden spielen: Fritz Walter, Horst Eckel, Helmut Rahn. Beim Abschiedsspiel war ich ganz ruhig, da war ich schließlich der Alte.

Dem HSV sind Sie ja nach ihrem Abschied von der Nationalelf noch zwei Jahre treu geblieben. Warum haben Sie den Verein eigentlich nie gewechselt? Angebote gab es schließlich genug und Inter Mailand hat Ihnen doch auch ein saftiges Angebot gemacht. Hat das Geld Sie nicht gelockt?

Das war eine Bauchentscheidung. Mit Inter habe ich ja auch drei Tage verhandelt, aber ich habe die Sicherheit gewählt. Bei der Adidas Generalvertretung hatte ich meinen Beruf, der mir Spaß gemacht hat. Außerdem war Europa damals noch nicht so zusammengewachsen wie heute und ich bin in Hamburg groß geworden. Das Geld konnte mich nicht bewegen, denn in Hamburg war ich zufrieden und ich bereue diese Entscheidung auch bis heute nicht.

Mit dem HSV konnten Sie ja auch einige Erfolge feiern und sie halten mit 137 Toren noch immer den Torschützenrekord des Vereins.

Dann wird es Zeit, dass mal jemand kommt der ordentlich Tore schießt und das überbietet, damit der HSV Meister wird.

Sehen Sie denn zur Zeit jemanden der das Talent dazu hat?


Nein, Torjäger sind rar, aber eines Tages wird einer kommen, da bin ich sicher.

1972 haben Sie sich ja dann ganz vom aktiven Fußball verabschiedet, aber dann gab es 1979 noch dieses eine Spiel in der irischen Liga.


Ja, das war geschäftlich mit adidas. Die hatten gefragt, ob ich nicht als Gastspieler ein Spiel für den Cork Celtic FC gegen Shamrock Rovers machen könnte. Das war die dritte Liga und ich dachte, das sei ein Freundschaftsspiel. Dass es eigentlich um Punkte ging, habe ich erst später erfahren.

Geschadet hat es ja nicht, Sie haben das Spiel schließlich gewonnen.


Stimmt, ich habe zwei Tore geschossen und das Spiel ging mit 6:2 zu Ende. 


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