09.12.2012

Uwe Rösler über Manchester City

»Ich habe noch nie so viele Menschen heulen sehen«

Am heutigen Sonntag steigt das Manchester-Derby. Wir sprachen mit Manchester City-Legende Uwe Rösler über Citys Scheich-Millionen, Fußball-Romantik in der Dritten Liga und Warm-Up in der Sauna.

Interview: Stephan Reich Bild: Imago

Uwe Rösler, Sie sind eine Legende bei Manchester City und Mitglied der vereinseigenen Hall of Fame. Ist das noch Ihr Verein?
Selbstverständlich. Warum sollte er das nicht mehr sein?

Durch die Scheich-Millionen hat sich in sehr kurzer Zeit sehr viel verändert.
Was heißt schon Millionen? Bayern München hat auch viele Millionen. Manchester City ist ein Verein, der sich Jahrzehnte im Mittelmaß der Premier League bewegt hat - wenn überhaupt. Durch die Strukturen in England ist eine Übernahme wie die durch Scheich Mansur möglich. Und den Abstand zu den Top-Teams zu überwinden, war nur durch erhebliche finanzielle Mittel machbar. Das hat ManCity geschafft. Dass es nicht ewig so weitergeht, ist allen klar. Deshalb investiert man in Manchester unheimlich viel in die Nachwuchsarbeit. Ich denke, in den nächsten Jahren werden nur noch punktuell Stars eingekauft. Der Großteil wird aus der Jugendakademie kommen.

Eine Reaktion auf das Financial Fairplay?
Natürlich. Die Investoren haben den Verein nach oben gebracht und die Meisterschaft ermöglicht. Jetzt soll der Verein oben bleiben und irgendwann auch auf europäischer Ebene erfolgreich sein. Die Basis dafür ist gelegt.

Wie haben Sie denn die Meisterschaft in diesem Jahr erlebt?
Der FA-Cup im Vorjahr war für mich fast noch emotionaler. Den ersten Titel seit Ewigkeiten live im Wembley-Stadion mitzuerleben, war einfach phantastisch. Aber auch die Meisterschaft war unglaublich. Die Art und Weise, wie der Titel gewonnen wurde, mit den zwei benötigten Toren in der Nachspielzeit, war an Dramatik nicht zu überbieten. Ich glaube, es ist Schicksal, dass dieser Verein jetzt das Glück auf seiner Seite hat, nachdem er so lange am Boden lag. Aber auch typisch für den Club: City geht immer den Weg, auf dem die Fans die meisten Nerven verlieren.

Waren Sie im Stadion?
Ja. Einige Fans sind aus Enttäuschung schon vorzeitig gegangen, unglaublich, wie die sich später geärgert haben müssen. Diese Nachspielzeit werde ich nie vergessen. Ich habe noch nie so viele Menschen heulen sehen. Und die Feier danach auf dem Platz und in den VIP-Räumen war phantastisch.

Zu Ihrer aktiven Zeit war Manchester City nicht gerade ein Spitzenklub. Waren die jüngsten Erfolge auch das Emotionalste, was Sie persönlich jemals mit dem Verein erlebt haben?
Das kann man nicht vergleichen. Ich hatte als Aktiver auch unglaublich schöne, aber auch sehr dramatische Momente. Ich erinnere mich noch, dass ich sehr geweint habe, als wir mit City aus der Premier League abgestiegen sind. Das war einer der bittersten Momente meiner Karriere überhaupt. Trotzdem hatte ich eine wunderschöne Zeit in Manchester. Ich konnte nach der Wende meinen Traum erfüllen und in England Fußball spielen und ich bin dem Verein immer noch sehr verbunden. Ich fühle mich auch immer noch als Repräsentant von Manchester City.

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