28.03.2007

Uwe Rapolder im Interview

»Köln lebt in der Vergangenheit«

Im neuen 11FREUNDE-Heft analysieren wir den schönsten, schlimmsten Job der Welt – den Trainerjob. Hier erzählt Uwe Rapoler vom Wohl und Wehe seines Berufs und blickt dabei zurück auf die unheilvolle Zeit beim 1. FC Köln.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago
Udo Lattek hat sich in seiner aktiven Zeit gerne mit Boulevardjournalisten zum Stammtisch verabredet, um gut Wetter bei den Medien zu machen. Wie handhaben Sie den Kontakt mit der Presse?

Ich hatte nie wahnsinnig viel Kontakt zum Boulevard, wurde nie von denen gestützt. Das ist sicherlich auch ein beruflicher Fehler von mir, aber kein menschlicher. Ich bin seit 14 Monaten arbeitslos. In dieser Zeit habe ich zwei, drei Mal mit Journalisten telefoniert, die ich länger kenne. Peter Neururer etwa kennt fast alle. Aber wenn ich an die Kölner Zeit zurückdenke, wo häufig nachgetreten wurde, auch in jüngster Zeit, muss ich sagen: Mit diesen Leuten will ich höchstens beruflich verkehren.

Lesen Sie als Trainer regelmäßig die Zeitung?

Nein, das ist ungesund. Ich lasse mir lediglich von meinem Co-Trainer die Zeitungsauszüge geben, in denen Abmachungen zwischen mir und dem Team gebrochen werden oder in denen ich falsch zitiert werde. Alles andere will ich nicht an mich heranlassen.

Wie wichtig ist für Sie der Pressesprecher eines Vereins?

Schon wichtig, weil er Informationen bündeln muss. Pressesprecher müssen feststellen, was gerade Thema bei den Journalisten ist. Er kann eingreifen, wenn es in ungewollte Stoßrichtungen geht. Ich versuche immer, guten Kontakt zu den Sprechern zu halten.

Wie müssen wir uns Ihren ersten Arbeitstag als Trainer an einer neuen Station vorstellen?

Wenn ich mitten in der Saison zu einem Klub komme, ist das allerwichtigste die erste Mannschaftsansprache. Mit Emotionalität kriegt man am die Spieler am ehesten. Nach dem Training kommen die zentralen Einzelgespräche. Außerdem versuche ich schnell ein viertägiges Trainingslager einzuberufen, damit man abgesondert mit der Mannschaft arbeiten kann.

Udo Lattek soll sein Team auch immer wieder mal zum Umtrunk geladen haben, um den Mannschaftsgeist zu stärken.

Es kann nicht schaden, wenn man mal einen geselligen Abend mit den Spielern macht. Aber nicht direkt zu Beginn, da muss man erstmal drei, vier Monate da sein. Auch da habe ich unterschiedliche Erfahrungen gemacht. In Bielefeld ging das hervorragend, weil die Jungs eine Gemeinschaft waren. In Köln war das viel schwieriger. Die Mannschaft hatte wenig Interesse daran. Die waren froh, wenn sie nach Hause gehen konnten, was natürlich auch immer von der Altersstruktur abhängt.

Es gibt zwei Extreme als Trainer: entweder man ist der Buhmann oder man wird gefeiert. Wie geht man im Erfolgsfalle mit der Trainersituation um?

Jeder Trainer muss darauf achten, dass er ein Umfeld hat, das ihn erdet. Man bekommt jeden Tag 50 Anrufe, ist begehrt. Dann ist die Tendenz da, abzuheben. Die Gefahr ist bei jedem Menschen und in jedem Beruf gegeben. Deshalb sollte man stets versuchen, authentisch zu bleiben.

Wie ist die Situation, wenn der Erfolg ausbleibt? Merken Sie, wenn es brenzlig wird?

Natürlich spürt ein Trainer, wenn sich die Spieler und das Präsidium allmählich von ihm entfernen. Abers oft will er es einfach nicht wahrhaben, dass es zum letzten Schritt, zur Entlassung, wirklich kommt. Die Ahnung und der letztendliche Vollzug sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Wenn es soweit ist, muss man das erstmal verarbeiten.

Wie verhält man sich in dem konkreten Moment der Entlassung?


Die Entlassungen gehören in diesem Geschäft einfach dazu, aber man muss auch psychologisch aufgefangen werden. Und da sind Freunde und Familie einfach das beste Rezept. Ohne ein gesundes Umfeld ist ein Trainer in ernster Gefahr.

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