28.03.2007

Uwe Rapolder im Interview

»Köln lebt in der Vergangenheit«

Im neuen 11FREUNDE-Heft analysieren wir den schönsten, schlimmsten Job der Welt – den Trainerjob. Hier erzählt Uwe Rapoler vom Wohl und Wehe seines Berufs und blickt dabei zurück auf die unheilvolle Zeit beim 1. FC Köln.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago
Uwe Rapolder, warum sind Sie Fußballtrainer geworden?

Parallel zum Fußball habe ich Wirtschaft studiert und danach in der Bank gearbeitet. Irgendwann musste ich mich entscheiden. Manchmal bin ich mir nicht mehr sicher, ob es wirklich die richtige Entscheidung war. Denn der Trainerjob fehlt verglichen mit dem Job in der Bank jegliche Regelmäßigkeit und dazu ist er auch emotional enorm aufwühlend. Andererseits ist es natürlich toll, wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann.

Auch für die Familie ist Ihr Beruf mitunter sehr belastend?

Ich habe 17 Jahre im Ausland gearbeitet – meine Frau und meine Kinder waren immer dabei. Ohne sie wäre es nicht gegangen. Meine Frau hat sich um Wohnung und Schulanbindung für die Kinder gekümmert. Die Kinder hatten unter den häufigen Umzügen zu leiden. Andererseits ist es für sie natürlich ein Vorteil, einen bekannten Vater zu haben, der ihnen einen guten Lebensstandard ermöglichen kann.



Vorzeitige Trainerentlassungen resultieren oft auch daraus, dass ein Coach nicht zu einem Verein und seinem Umfeld passt. Lässt sich so was vorab nicht kalkulieren – auch vom Klub selbst?

Ich war bislang nur in Bielefeld in der Situation, dass mir verschiedene Angebote vorlagen – und wie Sie sehen, habe ich mit dem 1. FC Köln zumindest keinen Volltreffer gelandet.

Wie erklären Sie sich das?

Ich habe mich vorab nicht ausreichend schlau gemacht. Ich habe vor Bielefeld in Ahlen gewohnt – da war die Lebensqualität nicht die höchste. Also dachte ich, mit Köln kann ich auch meiner Frau und meinen Kindern etwas bieten. Das finanzielle Angebot stimmte, Wolfgang Overath wollte mich unbedingt, da habe ich nicht genau genug hingesehen, was sonst noch auf mich zukommt – weder bei der Qualität der Mannschaft, noch was die Strukturen im Verein anbetrifft.

Was haben Sie aus dieser Fehlentscheidung gelernt? Worauf sollte ein Trainer achten, bevor er einen Job annimmt?

Der Trainer muss nicht nur zum Verein passen – sprich mit den Gremien, dem Aufsichtsrat und dem Manager auskommen –, sondern zur ganzen Stadt, also zu den Zuschauern, Sponsoren und insbesondere zu den Medien. Besonders wichtig ist der Manager, die konzeptionelle Schnittstelle zum Trainer. Mit dem Manager erörtere ich alle wichtigen Fragen ums Team: Trainingslager, logistische Fragen und natürlich die Kaderzusammenstellung. Ich als Trainer bin für die Fußballphilosophie, das Spielsystem und die Anregung der Neuverpflichtungen zuständig. Das Konzept muss vor Vertragsabschluss klar sein: wie funktioniert die Kaderzusammenstellung und wie viel Geld steht zur Verfügung. Erst wenn das geklärt ist, beginnt die tägliche Trainerarbeit.

Und zu Köln passen Sie demnach nicht.

Zur Stadt Köln passe ich. Bis heute werde ich dort freundlich begrüßt. In Köln habe ich einfach nicht zum Verein gepasst, weil der Klub noch extrem in der Vergangenheit lebt. Und ich bin ein sehr zeitgemäß arbeitender Mensch, der darüber hinaus diese große Vergangenheit nicht teilt.

Wie äußert sich diese Rückwärtsgewandtheit beim FC?

Das fängt bei den Leuten an, die beim Training zuschauen und geht bis zum Präsidenten, der diese Glanzzeiten selbst verkörpert. Aber am schlimmsten ist der Aufsichtsrat, denn dort klaffen Anspruch und Wirklichkeit am weitesten auseinander. Die gehen immer noch davon aus, dass der FC zur Elite der Bundesliga gehört – dabei ist die Realität längst ganz anders. Und wenn noch ein Großverleger im Aufsichtsrat sitzt oder diesem sehr nahe steht, müssen Verquickungen von Medien und Vereinsgremien in Köln kritisch beleuchtet werden, auch in Zusammenhang auf die Trainerfluktuation.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden