04.01.2011

Uwe Leifeld über seine Karriere

»Keiner spricht über Leifeld«

Uwe Leifeld wäre beinah Weltmeister 1990 geworden. Doch dann ging es bergab. Zuletzt brannte auch noch seine Lottoannahmestelle in Münster aus. Wütend ist vor allem auf Ansgar Brinkmann. Was ist geschehen, Herr Leifeld?

Interview: Stadtgeflüster Münster, Klarissa Kunze Bild: imago

Herr Leifeld, Ihr Laden ist vor einigen Monaten ausgebrannt. Wie geht es weiter?

Uwe Leifeld: Im Juni wird die Lottoannahmestelle wieder aufgemacht, und dann wird man sehen, wie viele Stammkunden noch zurückkommen. Es bleibt beim alten Konzept. Tabakwaren, Zeitschriften, Fanartikel und Lotto. Ich mach den Job in dem Laden ja gerne. Aber ich steh da täglich von sieben bis halb sieben. Die Kunden wissen ja gar nicht, wer ich bin. Die wissen nur, ich bin der, der da schon seit 12 Jahren steht und immer weiß, wer was raucht. Dann freuen die sich und sagen: »Mensch, dass sie sich das alles merken können.« Das ist das Kompliment, das man heute so hört.

Zu Ihrer Zeit als Profispieler waren das andere Komplimente...


Uwe Leifeld: Respekt haben die Leute, die mich damals Fußball spielen gesehen haben, immer noch. Ich hab einmal in einer Saison hintereinander 16 Tore gemacht. So jemand verdient heute über 3,5 Millionen Euro. Für die knapp 168 Spiele mit 48 Toren ist das 'ne ganz gute Quote von mir. Ich kann mir da heute aber nichts mehr für kaufen. Da hab ich nie was draus gemacht wie alle anderen Fußballer, die aufgehört haben. Ich werde dieses Jahr 40 und hoffe immer noch, dass ich irgendwann wieder in diesen sportlichen Bereich reinkomme, weil ich sehe, dass das, was ich jetzt mache, nicht meine Lebensaufgabe ist. Ich hoffe, dass einer sagt: »Hast du nicht Lust, was bei uns zu machen?« Deswegen hab ich den Gedanken: Ich würde gerne in irgendeinem Verein als Spielerbetreuer, als Sportdirektor weitermachen. Oder auch im Merchandising-Bereich. Und wenn ich das nicht schaffe, dann hab ich wenigstens noch meinen Laden. Dann wäre ich da, wo ich vor 12 Jahren auch schon war.

Was sind die schönsten Erinnerungen an Ihre aktive Zeit?

Uwe Leifeld: Also, für mich kommen diese Erinnerungen erst, wenn ich zu Hause meine Kartons aufmache mit Fotos oder Zeitungsausschnitten, die meine Mutter gesammelt hat. Dann kommt das wieder hoch. Ich war stolz, Bundesligaprofi zu sein, war stolz, 1988 mit dem Vfl Bochum im Pokalendspiel zu stehen, war stolz, in der Nationalmannschaft vorspielen zu dürfen. Hab auch mit Berti Vogts als Trainer Spiele gemacht. Habe unter einem Präsidenten, der Günter Eichberg hieß, gespielt. Das war 'ne Ehre, das war Kult, das war Religion, Schalke 04 einmal mitzuerleben.

Legendär ist Ihr aberkanntes Tor von 1988.

Uwe Leifeld: Ja, im Pokalendspiel für Bochum. Ich hab' ein Tor gemacht, was eigentlich regulär war, und der Linienrichter hatte die Fahne hoch, und der Schiedsrichter hatte Abseits gegeben. Nachher im Fernsehen kam raus, dass es kein Abseits war. Wir waren die bessere Mannschaft, haben 1:0 verloren, aber da spricht heute keiner mehr drüber. Es spricht keiner mehr über Uwe Leifeld. Ich habe es verpasst, meinen Namen zu nutzen.

Warum haben Sie das nicht gemacht?

Uwe Leifeld: Ja, warum eigentlich nicht? Ich bin hier nach Münster zurückgekommen und hab noch drei Jahre beim Preußen Münster gespielt, mit der Voraussetzung, dass ich danach in diesem Verein irgendwas weiter mache. Ich hab dann ein Jahr die A und B Jugend trainiert und dann kam die Auflage: »Sie müssen einen Trainerschein haben, um das weiterzuführen.« Da ich mit dem Laden aber so unter Druck stand, hab ich keine Zeit gehabt, die Scheine zu machen. Und so ist es halt gekommen, dass man gesagt hat: »Das war’s dann«.

Soweit ich weiß, gab es da einen Versuch, Ihren Namen für eine Geschäftsidee zu nutzen...


Uwe Leifeld: Ja, ich hab mich zwei Jahre bemüht, an der Hammer Straße die große Tennishalle zu bekommen. Wollte 'ne Fußballhalle aufmachen. Die hat jetzt Michael Rummenigge. Ich hatte da zwei Freunde gehabt, die wollten das mit mir machen. Irgendwie wollten wir das über die Bühne bringen. Da war ja schon alles fast unterschriftsreif, wir mussten uns nur noch finanziell unterhalten. Wir drei, wie wir das auf die Beine bringen. Und einen Abend vorher, bevor ich das Gespräch hatte mit den beiden Freunden, kam dann Ansgar Brinkmann und sagte: »Wie viel Geld brauchst du denn?« Und er würde mir das alles besorgen, und ich sollte dann vor Ort die Leifeld-Brinkmann-Fußballhalle machen. Er hat mir so den Kopf verdreht mit seinen Schauermärchen. Und dann hab ich den beiden Freunden das gesagt. Und es tut mir sehr leid, dass ich heute zwei Freunde weniger habe. Die beiden Freunde sind dann natürlich aufgestanden, und wir haben das nicht verwirklicht. Das war jetzt vor eineinhalb Jahren. Seitdem hat er sich auch nie wieder gemeldet. Das war wieder ein Märchen von Ansgar. So kenn ich ihn halt. Und jetzt möchte ich nichts mehr mit ihm zu tun haben. Er hat mich so enttäuscht. Weil er mir so viel versprochen hat und ich wieder auf ihn reingefallen bin.

Wieder?


Uwe Leifeld: Man kennt den Ansgar ja. Ich hab ihn erst dadurch kennen gelernt. Und alle Fußballer, die ich kenne und die Ansgar kennen, haben mir abgeraten. Ich soll dem bloß nichts glauben. Und ich bin so gutmütig gewesen und hab ihm geglaubt. Es wär so ein schönes Ding gewesen. Ansgar – den kennt man aus den Medien. Ich hab mit ihm schon selber gespielt, ich kenn ihn, und ich würd sagen, dass zu 80% alles stimmt, was in den Medien steht.

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