25.01.2007

Uwe Kamps im Interview

„Keine Luft mehr gekriegt“

DFB-Pokalhalbfinale 1992, Gladbach – Leverkusen, Elfmeterschießen, vier Schützen, ein Keeper, kein Tor. So wie unlängst Daniel Klewer (FCN) hielt Uwe Kamps alle vier Schüsse. Wie ihm das gelang, verrät er im Gespräch mit 11freunde.de.

Interview: Andre Tucic Bild: Imago


Und nach dem Spiel waren Sie sicherlich in einer Art Rauschzustand.

Das war natürlich der absolute Wahnsinn. Ich habe schon eine Zeit gebraucht, um zu realisieren, was an diesem Abend geschehen war. Nach dem letzten Elfmeter bin ich in Richtung Eckfahne gelaufen und lag dann dort. Wenige Sekunden später habe ich ein Paket von zwanzig Leuten auf mir liegen. Kurze Zeit habe ich gedacht, dass mir die Lichter ausgehen (lacht). Ich habe beinahe keine Luft mehr gekriegt. Doch dann hat Frank Schulz die Jungs einem nach dem anderen wegsortiert, so dass ich wieder atmen konnte. Das es Frank Schulz war, habe ich dann später im TV gesehen.

Nach dem Schlusspfiff haben sich auf dem Rasen ausgelassene Szenen abgespielt. Und Rolf Töpperwien ist auf dem Platz seine Brieftasche geklaut worden.

Toppi war immer mittendrin. Irgendwie hat er es ständig geschafft, an die Leute ranzukommen, um Interviews einzufangen. Doch diesmal hat er einen hohen Preis dafür bezahlt (lacht).

Mit Lupescu und Herrlich haben Sie einige Zeit später zusammen in Gladbach gespielt. Wurden Sie von den beiden noch einmal auf diese Pokal-Nacht angesprochen?

Ja, na klar. Das ist bei den beiden schon noch hängen geblieben. Lupescu sagte später, dass dies der einzige wichtige Elfmeter seiner Karriere gewesen, den er verschossen hätte. Und Heiko Herrlich hat nichts mehr dazu gesagt.

Sie sind nach dem Spiel gegen Leverkusen ins Finale gegen den damaligen Zweitligisten Hannover eingezogen. Und erneut kam es zum Elfmeterschießen. In diesem Spiel konnten Sie jedoch nur den Schuss von Oliver Freund halten.

Das Halbfinale war aus meiner Sicht super – da konnte ich mich auszeichnen. Im Finale jedoch dachte ich, dass werden die Jungs auf dem Feld schon schaukeln. Aber Hannover war spielerisch besser und hatte die deutlicheren Chancen. Als es zum Elfmeterschießen kam, war ich ziemlich selbstsicher. Immerhin hatte ich mehr Infos über die Hannoveraner als über die Leverkusener. Doch wie das manchmal so ist: Es hat nichts genützt.

Daniel Klewer, Ersatztorwart von Nürnberg, hat neulich ebenfalls vier Elfmeter im DFB-Pokal gehalten. Er sagte, dass er Kontakt zu seinen Verwandten aufnimmt. Was hören Sie beim Elfmeter?

Ich höre nichts, sondern verlasse mich auf mein Bauchgefühl. Dazu überlege ich: Wer kommt als Schütze, habe ich den schon mal vom Elferpunkt schießen sehen? Ist er Linksfuß oder Rechtsfuß – das sind für mich die entscheidenden Informationen.

Derzeit sind Sie Torwart-Trainer bei der Borussia. Was geben Sie Ihren Keepern bezüglich Elfmeter-Situationen mit auf den Weg?

Wir sammeln viele Informationen über die Schützen. Zum Beispiel, wer welche Ecke bevorzugt. Und wer wann zuletzt wohin geschossen hat. Das sind wertvolle Tipps für die Jungs.

Weiß Kasey Keller eigentlich von der Pokalnacht gegen Leverkusen?

Ja, er weiß es. Schließlich haben wir uns das zusammen angeschaut.

Wie war seine Reaktion?

Er war sehr überrascht. Das hat er mir wohl nicht zugetraut (lacht).

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden