25.01.2007

Uwe Kamps im Interview

„Keine Luft mehr gekriegt“

DFB-Pokalhalbfinale 1992, Gladbach – Leverkusen, Elfmeterschießen, vier Schützen, ein Keeper, kein Tor. So wie unlängst Daniel Klewer (FCN) hielt Uwe Kamps alle vier Schüsse. Wie ihm das gelang, verrät er im Gespräch mit 11freunde.de.

Interview: Andre Tucic Bild: Imago
Herr Kamps, Sie haben fast 400 Bundesliga-Einsätze und zahlreiche DFB-Pokalspiele auf dem Buckel. Das ist eine Menge Holz. War das Halbfinale gegen Leverkusen denn ihr größtes Spiel?

Dieses Spiel ist schon schwer zu toppen. Das bleibt natürlich ein Leben lang in Erinnerung.

Vier Elfmeter, vier Glanzparaden – haben Sie das zuvor für möglich gehalten?

Eigentlich nicht. Natürlich versucht man immer sein Bestes. Aber das so etwas dabei herausspringt, das hält man im Vorfeld nicht für möglich.

Waren Sie traurig, dass es zu keinem fünften Elfmeter gekommen ist? Den hätten Sie doch bestimmt ebenfalls gehalten.

(lacht): Ich denke, dass war solch ein Tag, an dem mir das auch noch gelungen wäre. Vielleicht hätte ich einfach den letzten Elfer selbst schießen sollen.

Vor Ihnen hat schon jemand das gleiche geschafft. Aber fünf von fünf Elfmetern zu halten, das ist noch niemandem gelungen. Dann hätten Sie alleinig im Guiness Buch der Rekorde gestanden.

Helmuth Duckadam hat als Torwart von Steua Bukarest 1986 im Finale des Europapokals der Landesmeister gegen Barcelona ebenfalls vier Dinger gehalten. So mussten wir uns den Ruhm teilen. Aber es gibt schlimmeres.



Wie vollbringt man eine solche Leistung? Haben Sie in die psychologische Trickkiste gegriffen, um die Schützen zu verunsichern?

Ich bin halt lange stehen geblieben und habe somit versucht, die Schützen zu irritieren. Aber mehr auch nicht. Das war halt ein Tag, an dem vom Timing und der Intuition alles super gepasst hat.

Also eine Eintagsfliege.

Absolut. Etwas anderes zu behaupten wäre vermessen.

Werden Sie heutzutage noch auf dieses Spiel angesprochen?

Ständig. Das ist ja auch ein Erlebnis, das haften bleibt.

Sie haben die Elfmeter-Vorlieben der potenziellen Leverkusener-Schützen sicher gekannt. Konnten Sie auf Statistiken zurückgreifen?

Nein, da war lediglich ein Hinweis von Jürgen Gelsdorf. Er hat zuvor in Leverkusen gearbeitet und konnte mir einen entscheidenden Tipp geben: Er wusste ganz genau, wohin Jorginho schießen wird. Er sagte, der schießt immer gleich – so wird er es auch diesmal machen. Das war ein super Einstieg, der mir Sicherheit gegeben hat.

Und wie hat er denn geschossen, der Jorginho?

Ein schwacher Schuss. Von mir aus gesehen, halbhoch auf die linke Ecke. Aber dank Gelsdorf war das ja keine Überraschung für mich.

Und der zweite von Heiko Herrlich?

Heiko hat die gleiche Ecke anvisiert, ebenfalls halbhoch. Allerdings war der Elfer ein wenig besser geschossen – letztlich musste ich mit der rechten Hand übergreifen, um den Ball noch zu erreichen. Gar nicht so leicht.

Wie war es bei Ioan Lupescu?

Der Ball kam mittig und recht hoch. Den Schuss habe ich gerade so erwischt, dass er als Bogenlampe gleich wieder in meine Arme fiel. Bei dem Elfmeter hatte ich sicherlich ein wenig Glück.

Und zu guter Letzt Martin Kree – der Mann mit dem gefürchteten Bums.

Martin Kree war immer gefürchtet. Glücklicherweise hat er diesen Ball aber lediglich mit dem linken Fuß in die rechte Torwartecke geschoben, anstatt mit Vollspann abzuziehen. Bei ihm hätte ich möglicherweise alt ausgesehen. Aber dass er die Elfer manchmal auf diese Weise macht, hatte ich zuvor einige Male gesehen.

Waren die Schützen so schlecht oder Sie schlicht und ergreifend unbezwingbar?

Kree und Jorginho haben wirklich nicht gut geschossen. Aber die Dinger von Herrlich und Lupescu waren nicht leicht zu halten.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden