22.04.2011

Uwe Bindewald im Interview

»Du musst Opfer bringen«

Künstler kamen und gingen, ein Fußball-Malocher bleibt für immer in den Herzen der Eintracht-Fans: Uwe Bindewald. Heute trainiert der Mann, der sich alles erarbeiten musste, die Frankfurter U19. Was kann er den Jungspunden beibringen?

Interview: Alex Raack Bild: imago

Uwe Bindewald, woran erkennt man ein Fußball-Talent?

Gute Talente besitzen bereits eine ausgeprägte Technik und die nötige Grundschnelligkeit. Das sind schon mal die Grundvoraussetzungen. Um ins Profigeschäft einzusteigen, gehört aber noch mehr dazu, zum Beispiel die Einstellung und die Einsatzbereitschaft, immer alles zu geben. Natürlich gehört auch ein bisschen Glück dazu. Bei den U-19-Spielern in Frankfurt hat eigentlich jeder das Zeug dazu mal bei den Profis anzuklopfen.



Hat denn jeder junge Spieler auf diesem Niveau die Bundesliga vor Augen?

Nein, prinzipiell will natürlich jeder nach ganz oben. Vielleicht gehen einige etwas lockerer an die Sache. Die brauchen die Bundesliga nicht, um zu überleben. Aber jeder will dahin. Wir müssen die Jungs auf dem Teppich halten, es gehört schon mehr dazu, um Fußballprofi zu werden, als den Ball dreimal auf der Hacke tanzen zu lassen.

Wann haben Sie selber gemerkt: »Ich werde Bundesligaspieler«?

Bei mir war das etwas anders: Ich wollte zwar schon gerne Profi werden, aber ich war nie so versessen darauf. Mein Vorteil war, dass ich immer versucht habe, alles zu geben, immer 100 Prozent abzurufen. In jedem Spiel, in jedem Training. Das war mein Plus. Ich hatte nicht das Talent, das die Jungs heute in der U19 haben. Wenn ich das noch gehabt hätte, wäre ich wahrscheinlich ein Weltklassespieler geworden. So hat es halt nur zu 15 Jahren Bundesliga gereicht. (lacht)

Das heißt: Besessen muss man nicht sein, nur die Spur mehr Ehrgeiz haben.

Genau. Ab einem gewissen Alter musst du auch auf einige Dinge verzichten, zum Beispiel mit den Kumpels in die Disco gehen. So mit 16, 17, 18, da trennt sich die Spreu vom Weizen. Du musst für die Sache leben, musst Opfer bringen.

Wie kann man 18-jährige Jungs motivieren, auf Mädchen, Discos und Partys zu verzichten, um stattdessen fünfmal in der Woche auf dem Trainingsplatz zu schwitzen?


Das geht schon. Fußballprofi zu sein, das kann man sich nicht erkaufen! Unten auf dem Rasen vor 50.000 Leuten zu spielen, mit einer Gänsehaut in ein volles Stadion einzulaufen: Das ist unbezahlbar! Dafür muss man arbeiten.

Ist das das beste Gefühl, was man sich vorstellen kann?

Ich habe ja zum Ende meiner Karriere hin bei den Frankfurter Fans schon einen gewissen Status gehabt…

Sie sind gut: Die Fans haben ein eigenes Lied für Sie gesungen: »Uuuweee Bindewald, schalalalala…« Es wird noch heute im Waldstadion angestimmt, wenn die Fans von ihrer Mannschaft mehr Einsatz fordern.

Und das ist es auch, was ich vermisse. Diese Atmosphäre, die Fans, die für dich singen. Fußball spielen muss ich gar nicht unbedingt mehr, die paar Male bei den Senioren reichen aus. Aber unten auf dem Rasen zu stehen, wenn die Zuschauer deinen Namen rufen, dass ist schon ein ganz, ganz tolles Gefühl. Das bekommst du für kein Geld der Welt!

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