23.07.2011

Uruguays Sebastián Abreu über das Copa-Finale

»Ich habe alles auf Lager«

Sebastián Abreu ist zwar kein Stammspieler Uruguays, als DJ der Nationalelf allerdings unverzichtbar. Vor dem Copa-Finale trafen wir uns mit ihm im »Intercontinental« in Buenos Aires und sprachen über Cumbia und ein Wintermärchen in Argentinien.

Interview: Kai Behrmann Bild: Imago
Sebastián Abreu, ohne Ihre tragbare Anlage sieht man Sie selten.

Sebastián Abreu: Musik ist ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung. Damit motivieren wir uns und bauen Spannung auf. Wenn wir mit dem Bus im Stadion angekommen und in die Kabine gehen, spiele ich immer die Nationalhymne, Das ist ein festes Ritual. Damit signalisieren wir dem Gegner: Achtung, Uruguay ist da!



Was gehört sonst noch zu ihrem Repertoire?

Sebastian Abreu: Cumbia, Candombe oder Samba. Ich habe alles auf Lager. Immerhin war ich als Spieler in sieben verschiedenen Ländern aktiv. Da kommt einiges an Stilrichtungen zusammen. Ein Diktator am Mischpult bin ich aber nicht. Jeder darf seine Wünsche äußern. Ob ich das auch tatsächlich spiele, ist eine andere Frage. (lacht)

Dann unterbricht der 34 Jahre alte Oldie in Uruguays Team kurz das Gespräch, greift zur Thermoskanne neben sich und füllt dampfendes Wasser in eine Kalebasse. In dem Trinkgefäß befinden sich getrocknete, kleingeschnittene Blätter. Durch einen silberfarbenen Trinkhalm nimmt Abreu vorsichtig nippend den heißen Sud auf.

Können Sie bitte erklären, was Sie da gerade trinken?

Sebastian Abreu: Das ist Mate. Ein alter Brauch, der von Generation zu Generation weitergegeben wird. So etwas wie die Teatime in England. Getrunken wird Mate meist in der Familie oder mit Freunden. Der Aufgussbecher wandert dann reihum. Für uns ist das immer eine gute Ausrede, um uns zusammenzusetzen. Außerdem ist Mate sehr gesund.

Ist das gute Mannschaftsklima ein Grund dafür, warum Uruguay nach Platz vier bei der WM in Südafrika nun im Finale der Copa América steht?

Sebastian Abreu: Auf jeden Fall. Wir verfügen mit Diego Forlán oder Luis Suárez zwar auch über herausragende Einzelspieler, aber am wichtigsten ist das starke Kollektiv. Wir sind eine in sich sehr gefestigte Gruppe von Freunden. Das spiegelt sich auf dem Platz wider.

Was erwarten Sie für das Duell am Sonntag mit Paraguay?

Sebastian Abreu: Wir stehen im Finale. Also gibt es kein anderes Ziel, als den Titel zu holen. Wir wollen Geschichte schreiben. Aber der Gegner verdient größten Respekt.

Viele behaupten jedoch, dass Paraguay nur aufgrund von unglaublich viel Glück so weit gekommen ist.

Sebastian Abreu: Das ist doch Quatsch. Auch wenn viele kritisieren, dass Paraguay kein einziges Spiel bei dieser Copa gewonnen, so haben sie sich den Erfolg dennoch redlich verdient. Wenn Du am Ende als Sieger dastehst, fragt doch hinterher kein Mensch mehr danach, wie du dich fürs Finale qualifiziert hast.

Ein Sieg und Uruguay würde mit 15 Titeln vor dem großen Nachbarn Argentinien als alleiniger Rekordsieger der Copa América dastehen. Eine zusätzliche Motivation?

Sebastian Abreu: Das ist ein Plus, wenn wir den Pokal am Ende tatsächlich in den Händen halten sollten. Dann können wir stolz auf diese Statistik sein. Vorher spielt das allerdings keine besondere Rolle in unseren Köpfen. Weder im positiven Sinne, noch als zusätzlicher Druck.

Paraguay hat in den beiden Elfmeterschießen gegen Brasilien und Venezuela jeweils starke Nerven bewiesen. Sind Sie auf eine eventuelle erneute Entscheidung vom Punkt vorbereitet.

Sebastian Abreu: Ja, natürlich. Unser Trainer Oscar Tabárez ist absolut detailversessen, Er überlässt nichts dem Zufall. Die Möglichkeit eines Elfmeterschießens ist immer Teil seiner Vorbereitung. Wir üben das entsprechend im Training. Trotzdem werden wir alles daran setzen, die Entscheidung während der 90 Minuten herbeizuführen.

Mit Elfmetern kennen Sie sich zur Not ja aber auch persönlich bestens aus.

Sebastian Abreu: Sie meinen das Viertelfinale bei der WM in Südafrika vor einem Jahr?

Genau. Als Sie den entscheidenden Strafstoß in bester Zidane-Manier mit der linken Fußspitze in die Tormitte gelupft haben.

Sebastian Abreu: Ganz schön leichtsinnig, was? (lacht) Nein, aber ernsthaft. Ich war mir meiner Verantwortung schon voll bewusst. Die große Chance aufs Halbfinale durfte ich meinen Kameraden nicht vermasseln.

Wussten Sie auf dem Weg zum Punkt schon, wie sie schießen würden?

Sebastian Abreu: Natürlich. Der Entschluss stand schon vorher fest. Ich hatte mir Ghanas Torwart genau angeschaut und seine Bewegungsabläufe studiert. Im Nachhinein hat sich die Entscheidung als goldrichtig erwiesen.

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