Unions Patrick Kohlmann über Uwe Neuhaus

»Er ist ein Malocher«

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Heft#105 Sonderheft 2010/11
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Patrick Kohlmann, Ihr Trainer Uwe Neuhaus geht bei Union Berlin in seine vierte Saison. In der heutigen Zeit beinahe eine kleine Ära. Hat sich durch die lange Zeit das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer gewandelt?

Wenn Sie glauben, dass sich irgendwann ein Kumpelverhältnis einstellt, muss ich Sie enttäuschen. Wir siezen ihn nach wie vor und sprechen ihn mit »Herr Neuhaus« oder »Trainer« an. Nichtsdestotrotz lernt man sich mit der Zeit besser kennen und auch schätzen. Ich habe jedenfalls ein sehr gutes Verhältnis zum Trainer.

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Verbindet Sie Ihre Herkunft?

Vielleicht. Wir kommen beide aus dem Pott, Uwe Neuhaus aus Hattingen, ich aus Dortmund. Er hat diese Malochermentalität und eine sehr ehrliche Art, die ich sehr schätze. Außerdem kenne ich ihn nun schon seit acht Jahren, zwischen 2002 und 2004 war er mein Trainer bei der 2. Mannschaft des BVB. Und vermutlich würde ich heute ohne Uwe Neuhaus gar nicht bei Union Berlin spielen. Noch 2007/08 stand ich bei Rot-Weiss Erfurt unter Vertrag, es lief für mich sportlich aber nicht besonders gut. Da erinnerte sich Uwe Neuhaus an mich und fragte, ob ich mir einen Wechsel vorstellen könnte. Ich sagte zu.

Apropos Malochermentalität: Der Verein Union Berlin ist hervorgegangen aus Schlosserjungs aus Oberschöneweide, man nennt sich »die Eisernen« und die Fans haben eigenhändig das Stadion saniert. Inwiefern kam Ihnen diese Einstellung zum Fußball zugute?

Es passte sportlich, aber auch weil der Klub ähnliche Charakterzüge wie viele Ruhrpottklubs hat. Man ist bei Union stolz auf die Arbeitertradition. Und es ist tatsächlich so, dass einem Spieler auch mal eine schlechte Leistung verziehen wird, so lange die Mannschaft kämpft. Die Fans sehen das große Ganze – sie achten auf die Zwischentöne. Und auch der Vorstand bleibt ruhig, wenn ein paar Spiele in Folge nicht gewonnen werden.

So wie letzte Saison?

Genau. Nach einem großartigen Start lief es einige Zeit nicht so gut. Doch der Verein, die Fans, die Spieler – alle waren geduldig. Und das zahlte sich aus, am Ende kamen wir wieder auf Spur.

Was unterscheidet Uwe Neuhaus denn von anderen Trainern?

Zuerst einmal die angenehme Mischung aus Nähe und Distanz. Er ist für alle Spieler eine Autoritätsperson und tritt auch so auf. Und dennoch sucht er das Vier-Augen-Gespräch zu Spielern, bei denen es nicht so gut läuft oder die Probleme haben. Er vergisst also in diesem riesigen Profiapparat nie das Menschliche. Darüber hinaus ist er ein wahnsinnig akribischer Arbeiter.

Wie äußert sich das?

In einem Fußballspiel geschehen unglaublich viele Dinge, die der Zuschauer und oft auch der Spieler gar nicht wahrnimmt. Da fragt man sich bei Videoaufzeichnungen etwa, warum der Stürmer 20 Mal ins Leere läuft – immer und immer wieder. Man könnte denken: Nun lass es gut sein, Junge. Doch Uwe Neuhaus sagt: »Lauf weiter. Beim 21. Mal stehst du richtig.« Ihm sind also die vermeintlich nebensächlichen Aspekte eines Spiels wichtig. Dazu gehören auch Einwürfe oder Standards im Mittelkreis. Gerade in der zweiten Liga hast du oft Mannschaften, die sich spielerisch kaum was nehmen, sogenannte 50/50-Spiele. Wenn du in diesen Spielen auf Kleinigkeiten achtest, in gewissen Spielzügen oder bei Standards ein bisschen besser als der Gegner agierst, hast du sofort den Vorteil auf deiner Seite.

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