26.12.2011

Ulli Potofski über seine Karriere

»Mein Gott, die sind tot«

Ulli Potofski war mal der beliebteste Fußball-Kommentator Deutschlands. Heute moderiert er »Big Brother« und »Bingo! Bingo!«. Seine Leidenschaft für den Job am Mikrophon und den Fußball hat er dennoch nicht verloren. Wir sprachen mit ihm.

Interview: Alex Raack Bild: Imago


Die Musik sollte auch die nächsten Jahre Ihres Lebens bestimmen.

Eine Zeitlang arbeitete ich für »Radio Luxemburg« und tourte als Sänger »Ulli Mario« durch die Gegend.

Ihre größten Hits?

Ulli Potofski: »Ich kann an keinem Girl vorübergehn« und »Lauf nicht wie ein Hase vor der Liebe weg«. Das waren Spitzentexte, aber die Zeit war noch nicht reif dafür...

Geben Sie uns eine Kostprobe!

Ulli Potofski: Ich versuch es mal: (singt) »Ich kann an keinem Girl vorübergehen, weil hübsche Mädchen mir den Kopf verdrehen. Ich dreh mich immer um mich um und ich weiß auch ganz genau warum...« Und mit diesem Destillat des deutschen Schlagers bin ich dann quer durch Deutschland und Europa gezogen, habe gesungen und Radio gemacht. Ach, das waren herrliche Zeiten.



Wie sind Sie dann letztlich beim Fußball gelandet?

Ulli Potofski: Ganz einfach: Ende der Siebziger schrieb ich einen Brief an Kurt Brumme, den Godfather des deutschen Sport-Radios und bewarb mich bei ihm für einen Platz vor dem Mikrophon.

So einfach ging das?

Ulli Potofski: So einfach. Brumme war ein Patriarch wie es ihn heute nicht mehr gibt. Der konnte alles, wusste alles, bestimmte alles. Ein Mann mit unglaublicher Ausstrahlung und unfassbarer Stimme. »The voice of germany« nannte man ihn. Und er bemerkte sofort, ob jemand Talent hatte oder eben nicht. Wahrscheinlich gefiel ihm auch mein frecher Ton in der Bewerbung, also lud er mich ein. Ich kommentierte meinen ersten Spiele – und war dabei.

Wie sind Sie dann beim Fernsehen gelandet?

Ulli Potofski: 1984 rief mich plötzlich jemand an: »Hallo Ulli, wir haben da einen neuen Fernsehsender ins Leben gerufen: RTL. Willst du nicht bei uns anfangen?« Und obwohl ich eigentlich ein Radio-Gesicht habe, sagte ich zu. Aus Neugier. Außerdem hatte RTL seinen Sitz in Luxemburg und dort war ich eigentlich schon immer gerne.

Haben Sie diese Entscheidung je bereut?

Ulli Potofski: Nein, ganz im Gegenteil: Die Jahre bei RTL waren die schönste Zeit meines beruflichen Lebens.

Warum?

Ulli Potofski: Alles war neu, und wir durften wirklich alles ausprobieren, wozu wir Lust hatten. Ohne den Druck von Einschaltquoten, ohne den Druck von Geld. Das kam alles erst später.

Zum Beispiel?

Ulli Potofski: Wir mussten ja Sendefläche füllen, also kamen wir auf die Idee, einfach die Spiele unserer Betriebsmannschaft zu zeigen. Live und in voller Länge! Absolut bescheuert, aber wir fanden das genial. Und ich war alles in einer Person: Ich kommentierte und wenn wir Filmausschnitte zeigten, sprach ich live aus dem Off. Irre.

Wie hat sich die RTL-Auswahl geschlagen?

Ulli Potofski: Ganz gut, aber natürlich haben wir uns auch regelmäßig mit prominenten Namen verstärkt. Einmal spielte Jimmy Hartwig mit, einmal sogar Horst Eckel. Und das Verrückte war: Die Leute haben diese Spiele geliebt! In Castrop-Rauxel kamen einmal 25.000 Zuschauer zu unserem Betriebskick, die ganze Stadt brach zusammen. Wahnsinn!

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