27.07.2011

Ulla Holthoff über ihren Sohn: Mats Hummels

»Die Medien sind seine Familie«

Wenn in diesen Wochen wieder die Bundesliga beginnt, wird er einer der beliebtesten Gesprächspartner der Medien sein: Dortmunds Innenverteidiger Mats Hummels wuchs quasi im Ü-Wagen auf. Ein Interview mit seiner Mutter, der Journalistin Ulla Holthoff.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Ulla Holthoff, wie verfolgen Sie die Karriere Ihres Sohnes Mats Hummels – als Mutter oder als Journalistin?

Ulla Holthoff: Eigentlich brauche ich das gar nicht trennen: Fußball hat schon immer das Leben meines Sohnes und das unserer Familie bestimmt. Mein Sohn ist Fußballer – anders kenne ich ihn gar nicht. Und da macht es auch keinen Unterschied, ob er mit Borussia Dortmund um die Deutsche Meisterschaft spielt oder als Zehnjähriger den »Merkur-Cup« gewinnen will. Seit 16 Jahren gibt es für Mats nichts wichtigeres im Leben als Fußball.



Wann haben Sie gewusst: Mein Sohn wird Fußballprofi?

Ulla Holthoff: Eigentlich erst, als er 2006 im Ligapokal gegen Schalke vom damaligen Bayern-Trainer Felix Magath eingewechselt wurde. Da war mir klar: Er kann es tatsächlich bis ganz nach oben schaffen.

Ihr Sohn wirkt zwar häufig sehr entspannt, aber auch enorm diszipliniert. Hat er das von seinen Eltern?

Ulla Holthoff: (lacht) Ganz im Gegenteil! Mats hat noch nie irgendwelche Vorträge über Disziplin benötigt. Für diesen Jungen gab es bereits mit sechs Jahren nichts wichtigeres im Leben als Fußball. Unsere Familie ist früher nie in den Urlaub gefahren, weil Mats kein Spiel und kein Training verpassen wollte. Hatte die Oma am  Spieltag Geburtstag, musste sie auf ihren Enkel verzichten. Mats wäre niemals auf die Idee gekommen, wegen eines Familienfestes, ein Spiel zu versäumen. Nicht mal ein Training.

Sie sind niemals zusammen in den Urlaub gefahren?

Ulla Holthoff: Einmal im Jahr fuhren wir für eine Woche in den Skiurlaub. Doch selbst das war problematisch: Fand ausgerechnet in diesem Zeitraum ein Hallenturnier statt, blieb Mats einfach zu Hause und fuhr einen Tag später mit dem Zug nach. Da war er zwölf.

Diese Selbstständigkeit scheint sich Ihr Sohn bis heute bewahrt zu haben. Kein anderer Fußballer in Deutschland wirkt auch vor der Kamera so souverän wie er. Hat er bei Ihnen, der bekannten Sportjournalistin, private Nachhilfestunden in Sachen Medienschulung bekommen?

Ulla Holthoff: Nein, das brauchte er auch nicht. Mats war noch ein kleiner Junge, als ich beim DSF als Fußball-Chefin begann. Damals war das DSF ein Tummelplatz für junge Leute, die ihr Hobby zum Beruf gemacht hatten. Aus Kollegen wurden Freunde und Mats war häufig mit dabei, wenn wir unserer Leidenschaft nachgingen. Die Welt des Sportjournalismus wurde für ihn zu einer Art Familie, bei manchen Übertragungen saß er schon mal mit im Ü-Wagen und durfte den Knopf für die Grafikeinspielung drücken. Wenn er heute als Fußballer in ein Stadion kommt, wird er garantiert von mindestens einem Journalisten mit den Worten »Dich kenne ich, da warst du noch soooo klein!« abgefangen.

Deshalb wirkt er im Gegensatz zu seinen Kollegen so gelassen im Umgang mit der Presse?

Ulla Holthoff: Er kennt es ja nicht anders. Die Medien sind auch sein Zuhause.

Mats´ Vater ist der Fußballtrainer Hermann Hummels. Sie sind die erste Frau, die ein Fußballspiel im deutschen Fernsehen kommentieren durfte – hätte Ihr Sohn überhaupt etwas anderes werden können, als Fußballprofi?

Ulla Holthoff: Natürlich. Wir haben ihn nie zu irgendetwas gedrängt. Mit den typischen Fußball-Eltern an der Seitenlinie haben wir nichts gemeinsam. Aber sicherlich ist mein Ex-Mann dafür verantwortlich, dass Mats heute Verteidiger ist – und nicht Stürmer.

Das müssen Sie erklären.

Ulla Holthoff: In der C-Jugend wurde Mats von seinem Vater trainiert. Und der machte aus dem Stürmer einfach einen Innenverteidiger. Ich war zunächst dagegen und sah ihn eher im defensiven Mittelfeld.

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