26.02.2009

Uli Sude über echte Typen

»Bailly ist eine Kultfigur«

Uli Sude stand 126 Mal für Mönchengladbach im Tor und ist jetzt als Scout für die Borussia auf den Fußballplätzen dieser Welt zu Hause. Der Fachmann über Wieses Diät, volksnahe Torhüter und echte Typen zwischen den Pfosten.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Uli Sude, Gladbachs neuer Held heißt Logan Bailly und steht im Tor. Sie sind Scout bei der Borussia und ehemaliger Torhüter. Haben Sie den Mann entdeckt?

Da muss man keine einzelnen Namen nennen. Bailly haben wir alle – Scouts, Trainer, Sportdirektor – gesehen und sofort gesehen: das ist einer für uns. Bei so einer stolzen Ablösesumme sollte man sich auch sicher sein. Bei Logan war das kein Problem: wir haben ihn alle abgenickt.



Seit dem Spiel gegen Bremen, als Bailly mehr Ballkontakte hatte als jeder andere Gladbacher Spieler, gilt der Belgier ja als richtiger Glücksgriff.

Diese Partie gegen Werder war für Bailly unglaublich wichtig. Solche Ausnahmespiele bringen dich als Torhüter extrem weiter. Bei den Fans und auch bei der Mannschaft. Hans Meyer hat ihm nach dem Spiel das Prädikat »Weltklasse« verliehen, besser kann man ja gar nicht halten. Logan ist bei uns eine Kultfigur.

Kultfigur? Jetzt schon?

Ja. Er hat schon einen Status im Verein. Durch seine Leistungen und seine äußerliche Erscheinung ist er jemand der polarisiert, ein echter Typ. Jemand, der in den Raum kommt und man merkt sofort: das ist ein echter Typ! Der strahlt etwas aus und ist ein richtiger Gewinnertyp.

Was gefällt Ihnen an Bailly?

Er ist sehr volksnah. Er kommuniziert mit dem Publikum und das kommt an. Als Logan Genk verließ sind ihm einige Fans zum ersten Spiel mit Mönchengladbach hinterhergefahren, um sich von ihm zu verabschieden. Er hatte ja dafür keine Zeit mehr in Belgien.

Wie wichtig ist so eine Eigenschaft für Torhüter?

Ein Keeper, der polarisiert – sie merken, ich mag das Wort – kann vor allem dann für die Mannschaft wichtig sein, wenn das Spiel nicht so gut läuft. Bei mir war das ähnlich: lief es schlecht, habe ich versucht das Publikum mit Gesten anzustacheln und schon kamen die Gesänge aus der Nordkurve. Das bringt natürlich wieder neuen Schub.

Welche Fähigkeiten machen Bailly zu einem überdurchschnittlichen Bundesligatorhüter?

Man hat es ja in ganzer Pracht gegen Bremen gesehen: er verfügt über fantastische Reflexe, die sich auch aus seiner hervorragenden Athletik ableiten lassen. Mir gefällt, wie gut er mit dem Ball am Fuß umgehen kann. Gegen Werder hatte er auch deshalb mehr als 60 Ballkontakte, weil ihm die Mitspieler oft angespielt haben. So eine Sicherheit zu haben, ist wiederum wichtig für die Feldspieler.

Kritik bekam er hingegen für seine Strafraumbeherrschung.

Obwohl er auch da sich traut heraus zu kommen, um kompromisslos in die Zweikämpfe zu gehen. Übrigens zum Thema Strafraumbeherrschung: da ist jeder Torhüter noch ausbaufähig. Die Bälle sind schneller, die Flanken schärfer geworden, es bleibt für Torhüter wesentlich weniger Zeit, um zu reagieren.

Am Wochenende tritt die Borussia bei Hertha BSC an. Bei den Berlinern steht Jaroslav Drobny im Tor...

(unterbricht)...ein sehr guter Torhüter!

Wie schätzen Sie den ein?

Drobny ist ein absolut fertiger Torwart. Ich habe ihn dreimal in dieser Saison gesehen. Er ist ein sehr sachlicher Spieler, mit tollen Reflexen, die Strafraumbeherrschung ist großartig. Seine Schlagtechnik ist topp, Abwürfe und Abstöße kommen zielsicher – für mich ist Drobny definitiv unter den besten fünf Keepern der Bundesliga.

Welche Fertigkeiten sollte ein guter Torhüter denn besitzen müssen: guter Abschlag, schnelle Reflexe, gute Sprungkraft?

Man sagt doch: die Sicherheit geht von hinten aus. Entscheidend ist für den Torhüter, wenn er die Akzeptanz innerhalb der Mannschaft hat. Bailly beispielsweise hat die in Gladbach, weil er gegen Bremen so ein überragendes Spiel gemacht hat. Ein Torhüter muss auch mal verrückte Dinge tun, wie jetzt gerade erst Jens Lehmann. Der provoziert gerne, macht das aber nicht, weil das sein Hobby ist, sondern weil er damit die Mannschaft wachrütteln will. Wie bei Oliver Kahn. Man fragt sich doch, warum der so oft ausgerastet ist. Eben weil er damit seiner Mannschaft einen Tritt in den Hintern geben wollte, sie zu motivieren versucht hat.

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