20.03.2012

Uli Borowka über seine Alkoholsucht

»...dann wäre ich heute tot«

Er war Meister und Europacup-Sieger. Aber als seinen größten Erfolg wertet Uli Borowka, dass er heute noch am Leben ist. Für die aktuelle 11FREUNDE-Ausgabe sprachen wir mit ihm über seine Alkoholsucht und andere harte Kämpfe. PS: Heute wird er 49.

Interview: Dirk Gieselmann und Alex Raack Bild: Volker Schrank



Gibt es Fouls, die Ihnen heute leidtun?

Ja, an eines erinnere ich mich noch genau. 1990 spielten wir im Halbfinale des UEFA-Cups mit Werder gegen den AC Florenz. Schon nach wenigen Minuten fing ich einen Ball ab und sprintete über die Mittellinie. Aber ich legte ihn mir zu weit vor, der Florenz-Spieler Celeste Pin sprintete direkt auf mich zu. Der Ball lag zwischen uns, und wir sind beide mit gestreckten Beinen aus drei Metern aufeinander zugeflogen. Es krachte fürchterlich, und ich wusste im ersten Moment nicht, wen von uns beiden es erwischt hatte. Ich stand auf, Pin nicht. Unterhalb seines rechten Knies war alles zertrümmert. Anderthalb Jahre blieb er verletzt. Ich schickte ihm Blumen, aber die Entschuldigung hat er nie angenommen. Natürlich tut mir das leid, ich bin ja keine Maschine.

Hatten auch Sie mal Angst vor einem Gegenspieler?

Angst nie, aber Respekt. Im Europapokalfinale 1992 in Lissabon spielte ich mit Werder gegen den AS Monaco. Mein Kontrahent war George Weah. Auf den habe ich eingetreten, bis mir die Stollen abgebrochen sind, und trotzdem hat er sich nicht ein einziges Mal beschwert.

Ende der Achtziger trafen Sie auch auf Diego Maradona.

Das erste Mal spielten wir im Zuge des Vier-Länder-Turniers im April 1988 in Berlin gegeneinander. Franz Beckenbauer schickte mich auf die linke Seite, um Claudio Caniggia kaltzustellen. Aber nach zwei Minuten wechselte der mit Maradona die Seiten. Da stand ich nun bei meinem Nationalmannschaftsdebüt dem besten Fußballer der Welt gegenüber. Ein absolutes Highlight! Dass ich damals nicht vor lauter Aufregung zusammengebrochen bin, verstehe ich bis heute nicht.

Aber Sie haben ihn ausgeschaltet.

85 Minuten lang trat ich auf ihn ein, dann war das Spiel vorbei, wir gewannen 1:0, und ich fragte ihn nach seinem Trikot. Wie der geguckt hat! Das Problem war nur: Klinsmann, Matthäus, Völler – alle wollten dieses Trikot. Sofort zerrte ich Maradona in den Spielertunnel, zog ihm das Ding einfach aus und gab ihm meins. Ich musste es sogar mit unter die Dusche nehmen, sonst hätte der Lothar es mir aus der Tasche geklaut.

Ihr größter sportlicher Erfolg war der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1992. Beim Bankett ließen Sie sich von Dieter Eilts eine Glatze scheren, lange bevor es Mode wurde. Warum?

Schon nach dem Sieg in der ersten Runde gegen den FC Bacau hatte ich in lockerer Runde angekündigt: »Jungs, wenn wir den Pokal holen, lassen wir uns alle die Haare abrasieren!« Alle waren begeistert und wollten mitmachen. Aber als wir das Finale gegen Monaco tatsächlich gewonnen hatten, ließen die sich alle nur so einen albernen Igelschnitt verpassen. Ich war der Einzige mit Vollglatze. Typisch Borowka! Aus dem nächsten Bundesligaspiel gibt es ein tolles Bild: Anthony Yeboah und ich steigen hoch, zwischen uns schwebt der Ball – wie drei Bowlingkugeln.

In dieser Partie hätte Eintracht Frankfurt durch einen Sieg den entscheidenden Schritt zur Meisterschaft machen können.

Es wäre ein Leichtes gewesen, uns zu besiegen, weil wir immer noch total blau waren. Aber schon im Spielertunnel sah ich, wie nervös die Frankfurter waren. »Macht euch mal keine Sorgen«, sagte ich. »Das wird schon. Unsere Saison ist gelaufen. Außerdem wollen wir hinterher mit euch anstoßen!« Und was machen die? Treten von der ersten Minute an wie die Irren! Binz! Gründel! Selbst der Möller! »Och, nöööööö!«, habe ich gedacht – und dann haben wir dagegen gehalten. Am Ende stand es 2:2, Frankfurt verlor das letzte Spiel in Rostock, und Stuttgart wurde Meister. Blöd gelaufen.

1996 ging Ihre Zeit in Bremen zu Ende. Eigentlich wollten Sie zu Leeds United wechseln. Woran scheiterte der Transfer eigentlich?

Daran ist nur eine Person schuld: Willi Lemke, der Manager.

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