Uli Borowka hat einen Suchthilfe-Verein gegründet

»Hilfe von Tony Adams«

Er bekämpfte seine Alkoholsucht, ist seit 13 Jahren trocken, schrieb ein Buch und ging mit seinem Fall an die Öffentlichkeit. Jetzt hat Uli »Die Axt« Borowka den nächsten Schritt getan und einen gemeinnützigen Verein gegründet.

Uli Borowka, seit kurzem gibt es den »Uli Borowka Suchtprävention und Suchthilfe e.V.«, einen gemeinnützigen Verein. Was hat sich Ihr Verein zum Ziel gesetzt?
Wir verfolgen vorrangig drei Aufgaben. Erstens: Kindern aus Suchtkranken Familien dabei zu helfen, am sozialen Leben teilzunehmen. Zweitens: Präventionsarbeit leisten, beispielsweise durch Lesungen und Veranstaltungen mit Fanclubs oder Vereinen. Drittens: Eine Anlaufstelle für suchtkranke Profisportler sein.

Was hat Sie zu dieser Arbeit motiviert?
Die unglaubliche Resonanz auf meine Biografie. Die erschien im Herbst 2012 und seitdem ist kein Tag vergangenen, an dem ich nicht Mails, Briefe oder Nachrichten von Betroffenen bekomme. Darunter viele suchtkranke Leistungssportler. Die Menschen bedanken sich für meine Offenheit und viele motiviert das, selbst offener mit ihrer Krankheit und ihren Problemen umzugehen. Außerdem ist das Thema Sucht und vor allem Alkoholismus in unserer Gesellschaft weiterhin sehr groß. Gleichzeitig besteht ein hoher Bedarf an Aufklärung, Prävention und Beratung. Die meisten Suchtkranken in Deutschland fühlen sich im Stich gelassen. Unser Verein will einen kleinen Teil dazu beitragen, dass sich das vielleicht in Zukunft ändert. Aber wir stehen noch am Anfang.

Gab es auch negative Reaktionen auf Ihr öffentliches Auftreten und die Vereinsgründung?
Ich versuche seit einiger Zeit, den DFB zu motivieren, uns in seiner Rolle als größter Sportverband der Welt zu unterstützen. Ich hatte sogar schon ein sehr interessantes Gespräch mit führenden Funktionären – kurz darauf bekam ich eine Absage. Das ist sehr schade, weil ich finde, dass der DFB alle Möglichkeiten dazu hat, etwas zu bewegen, wenn er sich nur offen den Problemen in seinem Verantwortungsbereich auseinandersetzt. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich in dieser Hinsicht noch etwas tut.

Sie haben sich vor einigen Wochen mit Tony Adams getroffen, dem ehemaligen englischen Nationalspieler, der ebenfalls erfolgreich seine Alkoholkrankheit bekämpft hat und heute in seinem Heimatland als ein Symbol im Kampf gegen Alkohol- und Drogenabhängigkeit gilt. Worum ging es bei diesem Treffen?
Ich traf mich am Rande der Weihnachtsfeier von Tonys Klinik, die er am Stadtrand von London unterhält. Dort werden suchtkranke Profisportler behandelt und mit allem versorgt, was sie zu ihrer Besserung benötigen. Eine sensationelle Einrichtung. Tony ist ein fantastischer Mensch, der vor zwölf Jahren genau dort stand, wo ich heute bin. Als ich ihm von meinen Problemen in Deutschland erzählt habe, hat er nur geschmunzelt. Auch ihm wurden damals bei der Suche nach Unterstützern die Türen vor der Nase zugeschlagen. Heute beteiligen sich die Regierung, die englische Profispielervereinigung PFA und Prominente wie Elton John an seinem Kampf. Tony wird mir helfen, dass unsere gemeinsame Sache auch in Deutschland Erfolg hat. Auch wenn das sicherlich noch schwieriger wird als in England.

Warum?
Die deutsche Gesellschaft hat ein großes Problem: Sie spricht nicht gerne über Probleme. Im Idealfall hat jeder eine weiße Weste, geht es allen gut, gibt es keine Schattenseiten. Dass das selbstverständlich völliger Blödsinn ist, weiß jeder normal denkende Mensch. Auch Tony hat mir das bestätigt. Er arbeitet inzwischen in verschiedenen europäischen Ländern mit seinem Programm und ist dort überall auf offene Ohren gestoßen. »Aber weißt Du, wo ich mir die Zähne ausgebissen habe«, sagte er, »bei euch in Deutschland!«

Haben Sie dennoch erste Erfolge mit Ihrem Verein feiern können?
Es sind die kleinen Schritte in die richtige Richtung, die uns jedes Mal die Bestätigung geben, dass wir das Richtige machen. Zum Beispiel eine Weihnachtsaktion für suchtkranke Mütter und ihre Kinder, die vom Verein »FrauSuchtZukunft e.V.« betreut werden. Oder ein ganztägiger Workshop in der Jugendarrestanstalt Berlin. Und selbstverständlich die suchtkranken Menschen, mit denen ich in Kontakt stehe und hoffe, ihnen eine helfende Hand zu sein.

Was wünschen Sie sich für 2014?
Dass die großen Entscheider in unserem Land, in unserem Fall der DFB und die Politik, den Mut haben, mehr Offenheit bei den vermeintlichen Tabuthemen Sucht und Alkoholismus zu wagen.

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Alle Infos zum »Uli Borowka Suchtprävention und Suchthilfe e.V.«, auch zu den Möglichkeiten, den Ex-Fußballer und seinen Verein zu unterstützen, findet ihr auf der VEREINS-HOMEPAGE und der Facebook-Präsenz.

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