31.01.2013

Uerdingen-Legende Helmut Rahner über seine Karriere

»Zur Begrüßung ein Tackling mit Ball«

Einst war Helmut Rahner der härteste Verteidiger der Bundesliga. Vorm Uerdinger fürchteten sich Riedle, Elber und Kuntz. In unserem Ranking »Die 50 härtesten Fußballer der Welt« sicherte sich »Alu« Rahner Platz 10. Wir sprachen einst mit ihm über die Tugenden des Vorstoppers, seinen Kirschlikör »Blutgrätsche« und seine Kandidatur als Bürgermeister.

Interview: Daniel Müller Bild: imago


Als einer von wenigen Spielern sind Sie mit dem KFC in die zweite Liga gegangen. Doch mit dem neuen Trainer Hans-Ulrich Thomale lief es nicht gut.
Da muss ich ein wenig ausholen: Die Zeit in Uerdingen verlief bis dahin für mich absolut super, und ich habe mir einen Kultstatus erarbeitet. Aber nach sechs Jahren, darunter fünf Jahre unter Funkel, war es einfach Zeit für eine neue Erfahrung. Bereits im Winter 1995 hatte ich dem Verein mitgeteilt, dass ich wechseln möchte. Der Wendepunkt zum Negativen war für mich die Entlassung von Funkel, den ich persönlich für einen hervorragenden Trainer halte und dem ich sehr viel zu verdanken habe. Peschke, Bittengel und ich mussten dann allerdings nach dem Abstieg und unter dem neuen Trainer bleiben. Von Anfang an lief es mit Thomale nicht mehr richtig rund. Es fand ein Generationswechsel statt.Wir sind zwar gut gestartet, verspielten aber bereits vor der Winterpause alle Chancen auf den direkten Wiederaufstieg.

Ihr Abschied lief eher unrühmlich: Von Disputen im Wintertrainingslager in Spanien war die Rede. Wie lief der Abgang vom KFC damals ab, und wie war Ihr Verhältnis zum damaligen Trainer Thomale?
Negativer Höhepunkt der Saison war das Trainingslager in Spanien. Trainer Thomale hat uns beim Mannschaftsabend zu späterer Stunde Wein in unser Bier geschüttet, woraufhin ich eine neue Runde bestellt habe und auf seinen Deckel habe schreiben lassen. Nach außen hin wurde es so dargestellt, als wenn ich suspendiert worden bin, dabei wollte ich den Verein bereits seit längerem verlassen. Als dann noch eine Ablösesumme für mich gefordert wurde, war das Tischtuch endgültig zerschnitten, leider. Aber im Nachhinein muss ich sagen, dass von allen Seiten Fehler gemacht wurden. 2003 beim Trainerkongress in Freiburg haben wir uns dann aber ausgesprochen.

Ihre erste Station nach Uerdingen war der FC Kilmarnock in Schottland. Wie kam der Kontakt seinerzeit zustande, und wie beurteilen Sie rückblickend die Zeit auf der Insel?
Zunächst bin ich zurück zum 1. FCN gegangen. Als Zwischenstation vor einem weiteren Vertrag in Nürnberg bin ich in Schottland bei Kilmarnock gelandet. Das ist ein Vorort vor Glasgow, und der Club ist vergleichbar mit Vereinen wie Duisburg oder Bochum in Deutschland. Die Art wie dort Fußball gespielt wurde, kam mir natürlich sehr gelegen.

Es folgten weitere Stationen in Nürnberg, bei Calcio Reggiana, Preußen Münster und Rot-Weiß Essen. Sind Sie rückblickend mit dem weiteren Verlauf Ihrer Karriere zufrieden? Und welches waren die prägendsten Erlebnisse?
Im Alter zwischen 15 bis 27 Jahren habe ich alles richtig gemacht! Bei meiner letzten Station Rot Weiß Essen bekam ich mit 29 Jahren bei meiner ersten OP eine bakterielle Infektion in meinem Sprunggelenk, das war das Aus. Als Fußballer gibt es ja immer Wechsel, die sich hinterher als goldrichtig herausstellen, und Wechsel, die weniger gut waren. Mein Wechsel nach Uerdingen zum Beispiel war ein absoluter Glücksgriff. Aber sowohl in Münster als auch in Essen war – bei allem Potential, meine Verweildauer zu kurz, um richtig viel mit beiden Vereinen zu bewegen. Trotzdem bin ich stolz auf das, was ich erreicht habe: Ich wurde zwei Mal DFB-Pokalsieger mit der A-Jugend, zwei Mal Vizemeister mit der B- und A-Jugend, bin zwei Mal in die 1. Bundesliga aufgestiegen und wurde mit RWE Niederrheinpokalsieger – um nur die wichtigsten Erfolge zu nennen. Das kann sich, glaube ich, sehen lassen.

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