Ümit Korkmaz über die EM-Quali

»Es ist eine Multikulti-Welt«

In der EM-Quali treffen Deutschland, die Türkei und Österreich aufeinander. Ümit Korkmaz spielt in der Bundesliga für Frankfurt, wurde in der Türkei geboren und ist österreichischer Nationalspieler. Wir sprachen mit ihm.  Ümit Korkmaz über die EM-Quali

Herr Korkmaz, in der EM-Qualifikation treffen die Türkei und Österreich aufeinander. Was war Ihre erste Reaktion nach der Auslosung? 

Ich habe mich gefreut. Total. Deutschland, Österreich und die Türkei – was willst du mehr? Das ist eine Hammer-Gruppe und ich hoffe, dass ich so viele Spiele wie möglich machen darf.  

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Als Sohn türkischer Einwanderer treffen Sie auf die Türkei. Haben Sie sofort mit Ihren Eltern gesprochen?

Nicht sofort, aber natürlich habe ich mit ihnen gesprochen. Die freuen sich auch auf diese Spiele. Genau wie ich.  

Wenn Sie mit Österreich auf die Türkei treffen, wen werden Ihre Eltern unterstützen, Ihre Heimat oder das Team Ihres Sohnes?

Sie werden mir sicher die Daumen drücken und sich freuen, wenn ich – im Falle eines Einsatzes – gut spiele. Meine Eltern sind in der komfortablen Situation, dass sie – egal wie es ausgeht – nicht traurig sein müssen. Es sei denn, keine von beiden Mannschaften qualifiziert sich für die Euro.  

Sehen Sie dem Spiel mit gemischten Gefühlen entgegen?

Keine Frage. Die Türkei ist immer in meinem Herzen, aber Österreich natürlich auch. Da bin ich auch nicht der einzige Spieler in Europa, der zwei Heimatländer hat. Dennoch spiele ich für Österreich und werde alles dafür geben, dass wir zur Euro fahren.  

Werden Sie die Türkei dann in allen anderen Partien unterstützen?

Ich wünsche ihnen natürlich  in allen Spielen, außer gegen Österreich, das Beste.  

Ist ihr türkischer Hintergrund besondere Motivation, oder eher eine zusätzliche Belastung, besonders für das Duell in der Türkei?

Das ist keine Belastung. Es ist eine besondere Freude gegen das Land zu spielen, aus dem meine Eltern und Großeltern stammen.  

Ihre Eltern sind von der Türkei nach Österreich emigriert. Sie sind in Wien geboren. Wie sehen Sie sich selbst – als Österreicher mit türkischen Wurzeln oder als Türke mit österreichischem Pass?

Irgendwie beides. Ich bin Österreicher und ich bin Türke.  

Bei vielen türkischstämmigen Fußballern in Deutschland, Österreich oder auch in der Schweiz gibt es bei der Wahl des Nationalteams einen Loyalitätskonflikt. Wieso haben Sie sich für Österreich entschieden?

Weil ich in Österreich geboren und aufgewachsen bin. Das ist meine Heimat. Einen Loyalitätskonflikt sehe ich nicht, denn im Fußball ist es wie im richtigen Leben auch: Manchmal muss man sich für eine Sache entscheiden. Das habe ich getan.  

Mit Yasin Pehlivan, Ekrem Dag und Veli Kavlak stehen aktuell noch drei weitere türkischstämmige Spieler im Kader der österreichischen Nationalmannschaft, wie ist das Verhältnis untereinander?

Sehr gut. Wir verstehen uns ausgezeichnet. Wie bereits erwähnt, geht es anderen Spielern aus anderen Nationalteams ähnlich. Wir leben heute in einer multikulturellen Welt. Ich finde es gut, dass so Grenzen verschwimmen und Menschen mehrere Kulturen in sich vereinen. 

Haben Sie mit den dreien schon gesprochen?

Nein, noch nicht. Denn im Moment zählt nur Eintracht Frankfurt und die Bundesliga.  

Die Türkei konnte sich wie Österreich nicht für die WM in Südafrika qualifizieren, die Mannschaft befindet sich im Wandel. Was erwarten Sie von den Spielen gegen das Heimatland ihrer Eltern?

Es werden zwei spannende Spiele. Die Türkei ist sehr stark und genau wie bei uns formiert sich gerade ein neues Team. Aber wir sind nicht chancenlos und werden hart arbeiten, um uns für das Endturnier in Polen und der Ukraine zu qualifizieren.  

Sie haben die EM im eigenen Land gespielt. Damals war Österreich als Gastgeber qualifiziert. Diesmal müssen Sie sich in der Qualifikation beweisen. Ist einer der beiden ersten Gruppenplätze ein realistisches Ziel?

Deutschland ist natürlich der große Favorit auf Platz eins. Spannender wird der Kampf um Platz zwei. Österreich, die Türkei und Belgien sehe ich hier als die Kandidaten, die um diesen Platz kämpfen werden.  

Wer wird sich qualifizieren?

Am liebsten wären mir Österreich und die Türkei. Aber Deutschland bleibt natürlich der große Favorit auf den Gruppensieg.  

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