15.11.2013

Udineses Alexander Merkel über Deutschland gegen Italien

»Matthäus und Brehme sind hier wie kleine Könige«

Der Deutsche Alexander Merkel spielt seit über fünf Jahren in Italien. Mit dem AC Mailand wurde er 2011 sogar italienischer Meister. Ein Gespräch über das neue Italien, alte Helden und Mario Balotelli.

Interview: Andreas Bock Bild: Imago

Alexander Merkel, in Deutschland gilt Italien als Angstgegner. Wie sehen die Italiener die DFB-Elf?
Es ist nicht so, dass Deutschland hier als Lieblingsgegner verschrien ist. Im Gegenteil: Die Italiener haben einen Heidenrespekt vor der DFB-Elf. Gerade nach der letzten Saison, wo zwei deutsche Mannschaften im Champions-League-Finale gestanden haben und Spieler wie Mesut Özil oder Mario Götze zu großen Stars gereift sind.
 
Können Sie sich an einen Sieg der Deutschen gegen Italien erinnern?
Eine Fangfrage? Hat Deutschland überhaupt mal gegen Italien gewonnen, seitdem ich auf der Welt bin?
 
Zuletzt im Juni 1995.
Da war ich drei Jahre alt. Wer hat denn die Tore gemacht?
 
Christian Ziege schoss das 1:0, das 2:0 war ein Eigentor von Paolo Maldini.
Ziege hat auch mal beim AC Mailand gespielt. Lange vor meiner Zeit.
 
Kennen Sie Bilder der Deutschen, die damals in Italien gespielt haben?
Klar. Die Spiele der WM 1990 werden hier häufig im Fernsehen wiederholt. Lothar Matthäus’ grandioses Tor gegen Jugoslawien zum Beispiel. Oder Andreas Brehmes Elfmeter gegen Argentinien. Ich kenne das alles, doch die erste WM, die ich bewusst erlebt habe, war die in Frankreich 1998.
 
Die Mailänder sprechen also heute noch über die deutschen Spieler, die um 1990 für Inter gespielt haben?
Besonders über Matthäus und Brehme. Die sind da immer noch wie kleine Könige. Gehen Sie mal in ein Mailänder Restaurant und sagen diese Namen: Die Leute werden sich sehr ausführlich mit Ihnen unterhalten wollen.
 
Können Sie denn erklären, warum Deutschland von 31 Spielen gegen Italien nur sieben gewinnen konnte?
Schwierig. Eigentlich hat Deutschland in den vergangenen Jahren gegen große Mannschaften immer ganz gut ausgesehen. Vielleicht waren die Italiener aber in den letzten Spielen taktisch besser.
 
Und robuster in der Defensive?
Das klingt so, als könnten die Italiener nur Catenaccio. Seit Cesare Prandelli Trainer ist, spielen die aber einen ganz anderen Fußballer, offensiver und oftmals auch mit Risiko.
 
Trotzdem fanden die Deutschen weder bei der WM 2006 noch bei der EM 2012 ein Mittel.
Die Deutschen galten zumindest bei der EM als Favorit. Doch wie es so ist im Fußball: Oft entscheidet eine kleine Szene, ein bisschen Glück...
 
...oder ein Mario Balotelli. Was haben Sie gedacht, als er sich nach seinem Tor aufstellte wie eine Statue?
Ich habe das Spiel damals mit ein paar italienischen Kumpels gesehen, und wir haben sehr gelacht. Er ist ein großartiger Fußballer. Über seine privaten Eskapaden kann ich nicht urteilen, dafür kenne ich den Mann zu wenig.
 
Sie sind im Sommer vom AC Mailand zu Udinese Calcio gewechselt. Wieso?
Ich wollte öfter spielen.
 
Sie haben aber in dieser Saison noch keinen Einsatz gehabt.
Das stimmt. Und ich weiß nicht mal woran es liegt, zumal ich den Rückhalt in der Vereinsführung spüre. Aber was bringt es mir, darüber zu verzweifeln? Ich muss einfach weiter Gas geben.

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