Tuomo Könönen spielt beim kältesten Klub der Welt

»Bei - 30 Grad schmerzt es«

Tuomo Könönen ist der routinierteste Spieler des finnischen Zweitligisten Rovaniemen Palloseura, dem eisigsten Klub der Welt. Der Finne trainierte als Kind sogar schon bei minus 30 Grad! Der abgehärtete Fußballer über Wodka, Saunas und Wärmetipps. 

Tuomo Könönen, Sie spielen für Rovaniemen Palloseura, einem Zweitligisten aus dem Lappland. Was waren die bisher härtesten Temperaturen unter denen Sie gespielt haben?
Als ich 2003 noch für Myllykosken Pallo –47 spielte, musste ich eine Partie bei minus 20 Grad absolvieren. Das war wirklich arschkalt! Glücklicherweise trainieren wir bei Rovaniemen Palloseura zurzeit in Hallen. Mein sechstes bis zwölftes Lebensjahr wohnte ich noch 100 Kilometer außerhalb der Stadt. Damals hatten wir keine Trainingshallen. Also mussten wir auch im Winter draußen trainieren, sogar bei minus 30 Grad!



Das muss eine Qual gewesen sein.
Alle Bälle waren so gefroren, dass es weh tat, sie überhaupt erst zu schießen. Nicht mal Schneestürme sind bei uns ein Hindernis fürs Training. Meisterschaftsspiele werden bei Schneegestöber allerdings verschoben, schließlich kann man den Ball dann nicht mehr sehen.

Was machen die Ersatzspieler und Zuschauer bei diesen Temperaturen? Gruppenkuscheln?
Es ist wahrlich nicht schön, hier auf der Bank zu sitzen. Die Ersatzspieler ziehen viel Kleidung an und joggen fast pausenlos ums Spielfeld, damit sie warm bleiben. Die Fans trinken vielleicht einfach Wodka, der hält ja bekanntlich warm. Das dürfen wir Spieler natürlich nicht.

Es gibt Fußballer, die bereits bei null Grad mit Handschuhen auflaufen und in England wurden erst kürzlich Spiele wegen Kälte abgesagt. Sind das alles Weicheier?
(lacht) Solche Absagen kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Man sollte den Engländern mal sagen: »Hört auf zu jammern und spielt!« Für uns ist es normal bei minus 15 Grad auf dem Feld zu stehen, diese Partien werden knallhart durchgezogen! Man gewöhnt sich daran.

Wie kalt ist es jetzt bei Ihnen?
Zurzeit sind es hier minus zehn Grad. Das halte ich für warm! Das ist doch ein schönes Wetter, um mit seinen Kindern rauszugehen. Kalt ist erst ab minus 25 Grad.

Sie haben drei Nigerianer und einen Mexikaner im Team. Schreckt die Kälte Spieler aus warmen Regionen nicht gleich ab?
Die sind sehr überrascht, wenn sie hier ankommen. Meistens ist das im Januar, der kältesten Zeit des Jahres. Ich mache mich dann auch über sie lustig.

Wie?
Ich sage etwa: »Wir müssen draußen spielen, bei uns kann man nicht drinnen spielen.« Dann bekommen sie so richtig Angst! Diese Späße erlaube ich mir aber immer nur am ersten Tag, dann sehen sie die Hallen und entspannen sich (lacht). Ich versuche ihnen dann klarzumachen, dass auch wieder wärmere Zeiten kommen werden. 

Sie sind ein echter Kälte-Experte: Wie gewöhnt man sich an die eisigen Temperaturen?
Das Erfolgsrezept befolge ich selbst immer, wenn sich mir die Gelegenheit bietet: Ich erhitze mich zuerst in der Sauna und springe danach direkt in den Schnee. Das hilft und härtet ab. Das ist mein Training. In Finnland haben glücklicherweise viele Leute eine Sauna.

Bei diesen Temperaturen reichen Trikot und Hose nicht mehr. Wie vermeidet man Frostbeulen?

Wir wissen, wie man sich am besten warm hält und rennen überdurchschnittlich viel. Wichtig ist, andauernd in Bewegung zu bleiben. Außerdem muss man jeden Zentimeter Haut abdecken. Auf dem Feld trägt die ganze Mannschaft zusätzliche Kleidungsschichten. Das Problem ist die Lunge: soviel eisige Luft schmerzt. Uns ist deswegen klar: Es ist nicht das Gesündeste bei diesen Temperaturen zu spielen.

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