Tunesiens Fußball-Legende über die Revolution

Jahwar Mnari: »Das Volk hat sich erhoben!«

72 Spiele hat Jahwar Mnari für sein Heimatland Tunesien bestritten, darunter drei Partien bei der WM 2006. Im Interview spricht der beim FSV Frankfurt unter Vertrag stehende Mnari über die tunesische Revolution und die neue Freiheit. Tunesiens Fußball-Legende über die Revolution

Jawhar Mnari, in Ihrem Heimatland Tunesien hat eine Revolution den Diktator Ben Ali aus dem Amt gejagt. Haben Sie verfolgt, was in Tunesien passiert ist?

Natürlich! Während der Winterpause war ich für zwei Wochen in meiner Heimatstadt Monastir, ich war also dabei, als die ersten Menschen auf die Straßen gingen. Erst war die Revolution in Tunis und in bei uns in Monastir, dann überall im Land. Es ist ein wunderbares Gefühl, dass sich das Volk jetzt erhoben hat.

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Ihre gesamte Familie lebt in Tunesien. Hatten Sie nicht Angst um sie?

Hatte ich. In den ersten Tagen waren die Straßen ja auch voller Polizisten und Soldaten und auch jetzt streunen noch immer Anhänger von Ben Ali durch die Städte. Aber das Beste an der ganzen Revolution ist ja: Endlich brauchen wir Tunesier keine Angst mehr haben.

Angst?

Das Leben in Tunesien war immer voller Angst. Du hattest Angst mit deinen Freunden zu sprechen, mit deinen Nachbarn, mit deinen Mitspielern. Überall schien das Regime Augen und Ohren zu haben. Ein ähnlich beklemmendes Gefühl müssen die Menschen in der DDR gehabt haben. Jetzt ist Ben Ali weg und mit ihm ist die Angst verschwunden.

Waren Sie selbst auch auf den Straßen, um für die Revolution zu kämpfen?

Ich nicht, aber meine Schwester. Sie ist Ärztin und ist auf die Straße gegangen. Die tunesische Revolution ist eine Revolution der Intelligenz – es waren vor allem Ärzte, Professoren und Rechtsanwälte, die den Mut hatten auf die Straße zu gehen.

Kaum ist der Diktator aus dem Land verjagt, drohen neue Konflikte: In der neuen Regierung sitzen noch viele Gefolgsleute Ben Alis. Was sollte Ihrer Meinung jetzt in Tunesien passieren?

Unter Ben Ali war Tunesien ein Polizeistaat, ein diktatorisches und verbrecherisches Regime. Kein Mensch will die Handlanger dieser Herrschaft im neuen Tunesien sehen. Ich hoffe, dass alle, die mit Ben Ali zu tun hatten, aus ihren Ämtern entlassen werden. Was wir jetzt brauchen, ist ein kompletter Neuanfang. Das gleiche gilt für die Polizei und das Militär. Außerdem hoffe ich, dass das viele Geld, das die Clique von Ben Ali überall auf der Welt versteckt hat, nicht nur vor ihm geschützt, sondern in vollem Umfang dem Land Tunesien übergeben wird. Das ist sehr viel Geld und das brauchen wir – nicht ein Verbrecher auf der Flucht.

Sie sind Fußballer, kein Politiker. Was können Sie als Sportler jetzt tun, um Ihrem Heimatland zu helfen?

Wie Sie sagen: Ich bin kein Politiker. Deshalb werde ich warten, bis sich die neue Regierung eingespielt hat, bis es wieder etwas ruhiger in unserem Land geworden ist. Denn für die Zeit danach haben meine tunesischen Fußball-Kollegen und ich Pläne, wie wir dem Fußball in Tunesien unterstützen können. Ich weiß noch nicht konkret, wie wir das anstellen wollen, aber wir wollen auch den tunesischen Fußball revolutionieren.

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