27.08.2009

Türkiyems Manager im Interview

»Wir sind noch nicht soweit«

Seit 25 Jahren arbeitet Manager Fikret Ceylan ehrenamtlich für Türkiyemspor Berlin. Wir sprachen mit ihm über die Aussichten in der Regionalliga, verlockende Angebote aus der Türkei und fremdenfeindliche Angriffe.

Interview: Fabian Jonas Bild: Pamela Spitz
Türkiyems Manager im Interview
Fikret Ceylan, seit wann sind Sie schon bei Türkiyemspor?

Seit 25 Jahren. In den großen Zeiten, als wir vor rund zwanzig Jahren beinahe in die Bundesliga aufgestiegen wären, war ich der größte Sponsor. Der Verein hat mich arm gemacht.

Seit wann sind Sie Manager
?

Seit zehn, fünfzehn Jahren. Genau kann man die Grenze nicht ziehen, weil ich eben auch Sponsor war und immer noch bin. Aber ich mache das alles ehrenamtlich, wie alle hier. Ich sage ganz gerne: »Ich bin der dümmste Manager«.  Andere Manager verdienen 100 000 Euro im Jahr, auch in der Regionalliga.

Wieviel verdienen die Spieler?


Die Spieler verdienen zwischen 150 und 1300 Euro, genau genommen verdienen nur drei der älteren Spieler 1300 Euro. Mehr als die Hälfte der Spieler arbeitet nebenher oder studiert. Deswegen sind vormittags auch nie alle da.

Sie haben jetzt einen Etat von 800 000 Euro. Das ist für einen Regionalligaverein nicht viel. Für Türkiyem im Vergleich zu den letzten Jahren aber doch eine stolze Summe.

Das ist aber der Etat des gesamten Vereins, etwa die Hälfte davon geht in die erste Mannschaft. Der Rest geht in die Jugendarbeit und in die Projekte. Immerhin müssen wir nichts für den Platz bezahlen, der wird von der Stadt Berlin gestellt.

Sind Sie zufrieden mit dem Platz?

Ja schon. Er ist nichts besonderes, aber immerhin haben wir nach über dreißig Jahren zum ersten Mal einen Trainingsplatz. Zumindest für die nächsten zwei Jahre. Leider ist der Rasen ziemlich ramponiert. Eigentlich war der Platz vor der Saison für sechs Wochen gesperrt, aber Jugendliche aus der Gegend hier sind über den Zaun geklettert und haben trotzdem gespielt. Als wir anfangen wollten, war der Rasen deswegen kaputt.

Betrachten Sie Türkiyemspor als professionellen Verein?

Wenn ich ehrlich bin, sind wir als Verein noch nicht soweit. Einige Leute arbeiten sehr professionell, aber als Verein kommen wir nicht richtig hinterher. Türkiyemspor steigt so schnell auf, da kommen wir nicht richtig dazu, auch die Strukturen anzugleichen. Wir bräuchten Leute, die richtig professionell sind. Aber, das muss man auch sagen, dieses Jahr sind einige dazugekommen, Leute, die richtig gute Arbeit machen, sitzen jetzt im Vorstand. Das ist ein großer Schritt nach vorne.

Was ist durch die Regionalliga anders geworden?

Wir haben jetzt eine bessere Versorgung durch die Ärzte. Die Betreuung ist besser geworden. Und die Spieler trainieren häufiger und sind motivierter. In der Oberliga kannten sie jeden Gegenspieler, in der Regionalliga durch die weiteren Entfernungen nicht. Aber das wirkt sich positiv aus. Die Jungs werden auch motiviert, weil sie wissen, dass schon viele den Sprung von uns ins Ausland, vor allem in die Türkei, oder in höhere Ligen geschafft haben.

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