Trainer Norbert Meier über Düsseldorfs furiosen Saisonstart

»Eine Imbissbude ist keine Großraumdisco«

Fortuna Düsseldorf hat seit Saisonbeginn nur eine Niederlage einstecken müssen. Ein Vorzeige-Start für den Last-Minute-Aufsteiger, der immer noch im Aufstiegsrausch weilt. Am Samstag muss er sich gegen die Bayern behaupten. Wir sprachen vorab mit Trainer Norbert Meier.

Nobert Meier, was hätten Sie demjenigen gesagt, der ihnen vor dem Saisonstart zehn Punkte nach sieben Spieltagen prophezeit hätte?
Ich hätte mich für diese erfreuliche Prognose bedankt.

Hatten Sie selbst mit einem so guten Start gerechnet?
Erwarten kann man so etwas nicht. Wir haben einen Kader mit ziemlich vielen neuen Spielern zusammengestellt. Das muss alles erst zusammenwachsen. Aber das Ganze funktioniert schon ganz gut.

Wie würden Sie die Spielweise Ihrer Mannschaft beschreiben?
Sie spielt sehr diszipliniert und versucht die Organisation beizubehalten. Und wenn es die Situation erlaubt, wird schnell nach vorne gespielt. So wie gegen Augsburg, wo wir in den entscheidenden Augenblicken zugeschlagen haben.

Sie und Ihr Team wurden für die angeblich destruktive Spielweise kritisiert.
Wir wissen doch, wie Fußballspiele laufen. Wenn wir Hurra-Fußball spielen und unsere Grundordnung aufgeben würden, käme unsere Unterlegenheit noch viel mehr zum Tragen. Wir können nur mit unseren Tugenden bestehen. Man darf nicht vergessen, woher wir kommen. Wir sind der Last-Minute-Aufsteiger, wir haben zügig den Aufstieg aus der Regionalliga in die Bundesliga, das Höchste, was man im deutschen Fußball erreichen kann, geschafft. Und wir haben dabei nicht Millionen in die Mannschaft gesteckt. Ja, die Fortuna ist ein Traditionsverein. Und es gibt Leute, die sagen, dass die Fortuna ein schlafender Riese sei. Aber manchmal dauert es ziemlich lange, bis bei so einem Riesen das Blut von der Halsschlagader im kleinen Zeh angekommen ist.

Wo sehen Sie denn den Klub mittel- und langfristig im deutschen Fußball?
Wir sollten uns tunlichst auf die Kurzfristigkeit konzentrieren. Wir müssen es mit unseren Mitteln schaffen, uns in der 1. Liga zu behaupten. Es geht darum, die Dinge Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Man kann nicht in kürzester Zeit aus einer Imbissbude eine Großraumdisco machen.

Ist die Bundesliga-Zugehörigkeit nach der anfänglichen Aufstiegseuphorie in Düsseldorf inzwischen schon ein Stückweit Normalität geworden?
Nein, von der Euphorie ist immer noch viel zu spüren. Die Fortuna ist bis in die Oberliga durchgereicht worden. Die Menschen hier mussten 15 Jahre lang warten, bis der Klub wieder in der Bundesliga spielt. Und jetzt kommen die Bayern. Da ist die Euphorie sowieso da.

Der FC Bayern dominiert bislang die Liga. Nur Bate Borisov ist es in der Champions League gelungen, die Münchner aus dem Takt zu bringen. Was haben Sie aus diesem Spiel für die Partie am Samstag für Schlüsse gezogen?
Das kann man nicht so einfach übertragen. In jedem Spiel gibt es entscheidende Situationen, die das Spiel in die eine oder die andere Richtung lenken. Wenn Toni Kroos gegen Borisov das 1:0 in der ersten Halbzeit macht, dann wäre das Spiel ganz anders gelaufen, da bin ich mir sicher. Da muss alles passen, um die Bayern schlagen zu können. Und bei Bate hat an diesem Abend einfach sehr viel gepasst.

Mit welchen Mitteln wollen Sie die Angriffsmaschinerie der Bayern stoppen?
Das A und O wird in erster Linie sein, welche Spieler mir am Samstag überhaupt zur Verfügung stehen. Oliver Fink ist gesperrt und Stelios Malezas hat sich beim WM-Qualifikationsspiel für Griechenland verletzt. Auch hinter einem Einsatz von Andreas Lambertz, Fabian Giefer und Robbie Kruse stehen große Fragezeichen.

Wir sprachen von der Aufstiegseuphorie in Düsseldorf. Haben Sie die unglaublichen Szenen, die sich damals beim Spiel gegen die Hertha abspielten, immer wieder mal vor Augen?
Ich sehe vor allem die sportliche Seite. Vielleicht wären die Bilder ausgeprägter, wenn die ganzen Begleiterscheinungen und die Tage der Unsicherheit nicht gewesen wären. Es gab ja auch keine Aufstiegsfeier.

Umso heftiger könnte die Nichtabstiegsfeier am Ende der Saison ausfallen…
Das wäre sehr schön. Aber bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter. Es ist noch nicht einmal ein Drittel der Saison gespielt

Sie stammen aus Hamburg, wie kommen Sie als Nordlicht mit dem rheinischen Frohsinn zurecht?
Gut, denn ich lebe ja schon seit 1990 hier.

Kann man Sie auf Karnevalssitzungen antreffen?
Nein, aber sollte ich mal das Angebot als Karnevalsprinz bekommen, überlege ich mir das vielleicht.

Sie gelten als Meister der Ironie. Müssen Ihre Spieler lernen damit umzugehen?
Wenn man etwas ironisch meint, muss der andere gut zuhören und nachdenken, um die Ironie auch zu verstehen. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, auf Empfang zu stellen. Spaß ist Spaß. Aber ich mache beileibe nicht alles mit Ironie. Und im Training und in den Mannschaftsbesprechungen gibt es normalerweise eine klare Ansage.

Sie haben in einem Interview einmal gesagt: »Ich würde gerne in der Champions League auftreten. Ein Anzug steht mir nämlich sehr gut.« War das ironisch oder ernst gemeint?
Ernst. Die Champions League ist für jeden Trainer im Profibereich das Höchste, was er erreichen kann. Das ist eine grundsätzliche Sache. Aber ich werde natürlich nicht so vermessen sein und sagen, ich will mit der Fortuna in der nächsten Saison in der Champions League spielen.

An diesem Samstag treffen mit Bremen und Gladbach zwei ehemalige Vereine aufeinander. Beide Teams blieben bislang hinter den Erwartungen zurück.
Was die Gladbach angeht, da ist mit Dante, Neustädter und Reus ja eine ganze Achse verloren gegangen. Und Marco Reus spielt in der Nationalmannschaft eine wichtige Rolle, was seinen Stellenwert unterstreicht. Fest steht, dass sowohl Gladbach mit Favre als auch Bremen mit Schaaf mit guten Trainern bestückt ist. Ich halte nichts davon, als Trainerkollege aus der Ferne schlaue Sprüche abzugeben. Ich habe zehn Jahre lang bei Werder Bremen gespielt. Daher sind die Bande zu diesem Klub immer noch eng.

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