08.06.2014

Toto Schillaci über Italia 90

»Fußball ist seltsam«

Toto Schillaci schoss sich bei der WM 1990 mit sechs Toren in die Herzen der Tifosi. Ein Gespräch über einen kurzen Sommer und ein unvergessliches Jahr.

Interview: Dominik Bardow Bild: Imago

Wie erinnern Sie sich an das entscheidende 1:0?
Eine Flanke aus Richtung der Eckfahne, scharf angeschnitten. Ich stand zwischen zwei österreichischen Riesen, sprang hoch und köpfte ein.

Das erste von sechs Toren im Turnier. Welches war das schönste?
Ach wissen Sie, alle Tore sind schön. Was zählt, ist ihre Bedeutung. Es gibt da keinen Liebling, aber das Tor, das mir alle Wege geebnet hat, war jenes gegen Österreich. Denn es verschaffte mir das Vertrauen des »Mister« (des Trainers; d.Red.), wieder spielen zu dürfen.

Im italienischen Sturm bildeten Sie ein Traumduo mit Roberto Baggio. Was war Ihr Geheimnis?
Wir verstanden uns einfach blind, liefen Spielzüge aus dem Gedächtnis. Auf dem Feld waren wir wie Komplizen, wir waren jung, es war unsere erste WM – das verlieh uns Kraft.

Am Ende wurde Italien nur Dritter – eine Enttäuschung?
Wir waren die stärkste Mannschaft und hätten den Titel verdient gehabt. Keiner hat uns besiegt, nur die Argentinier im Elfmeterschießen. Leider hat unser Torwart Walter Zenga damals ausgerechnet im Halbfinale in Neapel seinen einzigen Fehler im ganzen Turnier gemacht. Manchmal ist der Fußball schon seltsam.

Apropos Fußball sei seltsam: Am Ende gewann Deutschland den Titel.
Beim Finale habe ich die Deutschen angefeuert, weil Thomas Häßler und Stefan Reuter dabei waren. Wir haben uns damals bei Juventus Turin sehr gut verstanden, beides super Jungs, sehr zuverlässig und professionell.

Nach der WM ging Ihr Stern fast genauso schnell unter, wie er aufgegangen war, auch wegen vieler Verletzungen. Im Rückblick: Hätten Sie mehr erreichen können?
Es gibt Spieler, die spielen 20 Jahre, und schaffen nicht das, was ich erreicht habe. Es war nur ein Sommer, na und? Es gibt Schlimmeres im Leben. Die Erfolge mit der Nationalmannschaft erlauben es mir, bis heute noch überallhin zu reisen und die Welt zu sehen. Ich bin zufrieden.

Sie betreiben heute eine Fußballschule auf Sizilien. Wissen die Kinder überhaupt noch, wer Sie sind?
Nein, nein, die haben keine Ahnung. Aber manchmal zeigen wir ihnen alte Filme von der Weltmeisterschaft 1990. Dann haben sie auf einmal dieses Leuchten in den Augen, lächeln und denken: Was wäre, wenn ich es einmal so weit bringen könnte?

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