Torwart Lassi Hurskainen wird zum Internet-Star

»Im Stile von Günter Netzer«

Der finnische Torwart Lassi Hurskainen dreht Trickshot-Videos und stellt sie ins Internet. Wir sprachen mit ihm über anstrengende Drehs, sein Vorbild Rémi Gaillard und das Leben als überqualifizierter Torhüter.

kick.tv

Lassi Hurskainen, dein letzter Trickshot-Clip beginnt damit, dass du zwei Bälle von der Mittellinie nacheinander an die Querlatten der Tore schießt. Das kann doch nicht dein Ernst sein?
(lacht) In diesem Video wollte ich Finnland und die finnische Mentalität vorstellen. Wir Finnen legen viel Wert auf Genauigkeit und Beständigkeit, also habe ich den ersten Ball an die Latte geschossen, um Genauigkeit zu demonstrieren. Der zweite Treffer stand dann für die Beständigkeit.

Wie viele Versuche hast du für dieses Kunststück gebraucht?
Bestimmt 30 oder 40. Es war anstrengend, weil ich immer wieder den Eingangssatz sagen musste. Und wenn du dann die erste Latte triffst, ist der Trickshot noch lange nicht im Kasten. Insgesamt sind die Drehs oft eine erschöpfende Sache. Man probiert eine halbe Ewigkeit für ein paar Sekunden des Videos.

Das klingt nach einem guten potentiellen Outtake-Clip.
Ich habe schon darüber nachgedacht, die Outtakes mal zusammenzustellen. Es passieren ständig irgendwelche witzigen Dinge beim Dreh.

Wie bist du darauf gekommen, Trickshot-Clips zu machen?
Ich habe in den USA Film und visuelle Medien studiert und darin auch meinen Abschluss gemacht. Während dieser Zeit habe ich natürlich auch Fußball gespielt und viel Zeit auf dem Trainingsplatz verbracht. Beim Kicken kam dann irgendwann die Idee, die ganzen Sachen mal zu filmen. Und seitdem gehen Fußball und Film bei mir Hand in Hand.

Du machst in den Videos wirklich unglaubliche Dinge. Wie erlangt man ein solches Ballgefühl?
Ich bin zwar Torwart, aber ich bin ein moderner, mitspielender Keeper. Dadurch habe ich oft den Ball am Fuß und muss damit umgehen können. Außerdem müssen die langen Bälle auf die Stürmer ankommen. Das habe ich einfach sehr lange und intensiv trainiert.

Abseits der Trickshots bist du also Profi-Torwart?
Ja. Ich habe in der ersten finnischen Liga gespielt und bin vor Kurzem in die Zweite Liga gewechselt.

Aber mit der Technik wärest du doch im Mittelfeld viel besser aufgehoben.
Ich bin ganz zufrieden auf der Torwartposition, da habe ich das komplette Spielfeld vor mir. Für das Mittelfeld fehlt mir auch ein wenig die Schnelligkeit. In den Siebzigern wäre ich vielleicht ein guter Mittelfeldspieler gewesen, als das Spiel noch langsamer war. So im Stile von Günter Netzer.

Hast du in Sachen Trickshots ein Vorbild?
Ich finde Rémi Gaillard beeindruckend, er ist sicherlich ein Vorbild für mich. Es war auch von Anfang an ein Anreiz für mich, zu sehen, was Rémi alles für verrückte Sachen macht. Das wollte ich auch können.

Vielleicht solltet ihr euch treffen und den »Clash of the Trickshot-Titans« veranstalten.
Das würde ich sofort machen. Hier in Finnland wird es jetzt kalt und dunkel, da kann ich nur noch schwer drehen. Deswegen hatte ich ohnehin die Idee, die nächsten Clips auf einer kleinen Europa-Tour zu drehen, wo ich in unterschiedlichen Ländern andere Fußballer herausfordere. Vielleicht hat ja auch Rémi Gaillard Lust darauf.

Deine Videos haben mittlerweile Millionen Klicks. Macht sich diese Bekanntheit bemerkbar?
Im Internet bekomme ich schon viel Aufmerksamkeit. Während meiner Zeit in den USA kam auch ein deutsches Fernsehteam vorbei und hat einen Beitrag über mich für die Sendung »Galileo« gedreht, in dem ich die Echtheit der Clips beweisen musste. Ab und an scheinen sie den Beitrag zu wiederhohlen, dann bekomme ich immer vermehrt Facebook-Freundschaftsanfragen aus Deutschland.

Bei den unzähligen Trickshots: Hast du einen Lieblingsschuss?
Es gibt zwei. Ein Schuss prallte von der einen Latte ab und traf auch noch die andere Latte. Das war wahnsinniges Glück zum exakt richtigen Zeitpunkt. Als ich den Schuss machte, saß ein Mitstudent in der Nähe, trank Bier und versuchte lautstark, mich abzulenken. Ich habe mir also Kopfhörer aufgesetzt, damit ich ihn nicht höre, habe den Ball an die Latte geschossen und gar nicht bemerkt, dass er über den Platz an die andere Latte flog. Das war überhaupt nicht geplant. Als ich mich dann umdrehte, kullerte der Ball wieder auf mich zu, ich nahm ihn auf und tat ganz cool. So, als wäre das gewollt gewesen.

Und der zweite Schuss?
Bei meinem zweitliebsten Trickshot schieße ich einem Kumpel die Bierdose aus der Hand. Er sitzt dabei in einem kleinen Boot auf einem See. Ich sagte ihm vorher schon, dass ich ihn wahrscheinlich im Gesicht treffen werde und dass es mir schon im Vorhinein leid tut. Nachdem ich ihn einige Male verfehlt hatte, habe ich ihm die Dose tatsächlich aus der Hand geschossen, als er gerade zum Trinken ansetzt - ohne dass der Ball seine Hand überhaupt berührt. Das war schon Maßarbeit, das werde ich wohl nicht mehr schaffen.

Das kann es aber noch nicht gewesen sein, oder? Welchen Schuss willst du noch treffen?
Bei den Trickshots habe ich nichts Bestimmtes im Sinn, da passiert vieles spontan und es kommt auch immer auf die Umgebung an, in der ich mich befinde. Im Verein jedoch würde ich unglaublich gerne die Freistöße schießen. Aber mein Trainer lässt mich einfach nicht.


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