Torsten Ziegner über Bernd Schneider

»Wusste, er schafft es«

Gestern feierte Bernd Schneider Abschied von der großen Fußballbühne. Wir sprachen mit einem langjährigen Freund, Thorsten Ziegner, über die Jahre beo Carl Zeiss, die Skatrunde und welche Lücke durch Schnix' Abschied entsteht. Torsten Ziegner über Bernd Schneider

Bernd Schneider verlässt nach 18 Profijahren endgültig die Fussballbühne und gab gestern sein Abschiedsspiel in der BayArena. Ein Verlust für den deutschen Fussball?
 
Der Verlust ist auf jeden Fall groß. Auch wenn er vier Jahre älter ist, bin ich quasi mit ihm aufgewachsen. Wir beide haben ja in der Jugend von Carl Zeiss Jena gespielt. Er gehörte schon damals zu den Spielern, von denen man fußballerisch etwas lernen konnte und welche dann auch eine Art Vorbild waren.

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Nach dem WM-Finale 2002 bekam Bernd Schneider den Spitznamen »der weiße Brasilianer«. Eine treffende Bezeichnung für seine Fähigkeiten? 
 
Vom Leistungsvermögen her brauchte sich Bernd vor keinem Brasilianer zu verstecken. Sowohl was seine Fähigkeiten am Ball, als auch die taktische Schulung anbelangten. Alles, was er am Ball machte, hatte Hand und Fuß, und es machte einfach Spaß, ihm zuzugucken.
 
Von 1995 bis 1998 spielten sie zusammen bei Carl Zeiss Jena. War damals eigentlich schon zu erkennen, dass dort ein großer Spieler vor sich herschlummert?
 
Wir als junge Spieler waren immer überzeugt davon, dass er der Erste aus Jena sein wird, der es in die Bundesliga schafft. Wenngleich die Umstände nicht allzu gut waren, da er ein junger Spieler bei einem Zweitligaverein war und noch einige, gestandene Spieler vor sich hatte. Doch trotz Jenas Abstiegs im letzten Jahr, ragte Bernd immer wieder heraus und bewies seine Stärken in jeder Begegnung, egal, wie schlecht wir auch spielten.
 
Sie verließen zeitgleich den Verein, gingen zum FSV Zwickau und Bernd Schneider zur Eintracht nach Frankfurt. Trotzdem riss der Kontakt nicht ab. Ein Verdienst der Skatrunde oder kam diese erst später ins Spiel?
 
Nein, die Skatrunde kam erst später. Er gab mir vor allen Dingen im letzten Jahr in Jena extrem gute Ratschläge, sowohl auf als auch neben dem Platz. Er stand mir auch mit Rat und Tat vor meinem Wechsel nach Zwickau beiseite. Das letzte halbe Jahr verbrachten wir dann fast täglich mit unseren Frauen zusammen, weshalb sich auch so eine Freundschaft entwickelte. Wir gingen dann zwar in verschiedene Richtungen, doch der Kontakt blieb bestehen.
 
Sagt Bernd Schneider beim Skat häufig »Schneider« an oder waren seine fußballerischen Fähigkeiten doch um einiges besser?
 
Seine Qualitäten als Fussballer waren definitiv besser! Dieses soll aber nicht bedeuten, das Bernd ein schlechter Skatspieler ist. Allerdings bezweifle ich, dass es für die Skat-Nationalmannschaft reichen würde.

Bernd Schneider spiegelte immer einen symphatischen, bodenständigen Spieler wider. Hat er auch ein zweites Gesicht, von dem die Öffentlichkeit noch nichts weiß?
 
Bernd ist immer der gleiche Mensch geblieben. Möglichst dem Trubel fernbleiben! Ich erinnere mich noch gut an die Situation bei der WM 2006, als die Spieler ein, zwei Tage frei bekamen und Bernd zwei Tage auch in Jena verweilte. Erstaunlicherweise, aber auch schönerweise. Er versuchte, Abstand zu gewinnen und verbrachte die Zeit mit seiner Familie oder mit uns als Freunden, um seine Ruhe zu finden. Er macht zwar auch ab und zu einen Witz oder einen lockeren Spruch im Freundeskreis, aber Bernd bleibt in erster Linie ein zurückhaltender Mensch.
 
Ihren Skatkumpel zieht es zurück in die alte Heimat. Wäre es nicht positiv für ihren Klub, Bernd Schneider bei Carl Zeiss mit einzubinden? 
 
Es wäre das Wichtigste, was der Verein tun könnte. Es gäbe nichts Besseres, als so einen Repräsentanten in den eigenen Reihen zu haben. Natürlich liegt die Entscheidung immer noch bei Bernd, in welche Richtung seine Zukunftsplanung schlägt. Doch wenn ich die Möglichkeit als Verein hätte, jemanden wie Bernd Schneider zu gewinnen, muss ich die Chance beim Schopfe packen. Ich persönlich hoffe natürlich, dass Carl Zeiss ihn davon überzeugen kann.
 
Also auch ein möglicher Nachfolger für René van Eck oder sollte er damit tunlichst warten, bis Sie ihre Karriere beendet haben? 
 
Ich weiss gar nicht ob Bernd überhaupt den Trainerjob in Erwägung zieht. Doch wenn dem so sein sollte, dann bitte ich ihn, so lange zu warten bis ich nicht mehr spiele, damit ich ihn dann begleiten kann.

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