20.05.2008

Torsten Frings im Interview

»Ich spüre keinen Druck«

Torsten Frings durfte sich seiner Berufung in den EM-Kader sicher sein - der 31-Jährige gilt als gesetzt. Der Bremer über die EM-Chancen der deutschen Elf, sein Image als Turnierspieler und die Vorteile seiner langen Verletzung.

Interview: Stefan Hermanns und Michael Rosentritt Bild: Imago
Torsten Frings im Interview
Hat man als Nationalspieler eigentlich Ehrfurcht vor so einem großen Turnier wie der Europameisterschaft?

Klar, es ist ein großes Turnier, und diese Gelegenheit bekommt nicht jeder, aber in erster Linie wird nur Fußball gespielt.

Die deutschen Fans sehen das ein wenig anders. Sie erwarten den Titel von der Mannschaft. Wie gehen Sie mit diesem Erwartungsdruck um?

Ich spüre keinen Druck, der uns belastet. Das ist eher ein gutes Gefühl, dass wir die Fußballgeschichte ein bisschen weiter schreiben können. Wir waren so oft Welt- und Europameister, wir gehören immer automatisch zu den Favoriten. Ab dem Viertelfinale brauchst du natürlich auch ein bisschen Glück. Da kann es dich auch erwischen – wenn du Pech hast im Elfmeterschießen. Ich weiß nur, dass wir fit sein werden. Das weiß ich hundertprozentig.

Daraus bezieht die Mannschaft ihr Gefühl der Stärke?


Zumindest haben wir dann sehr gute Voraussetzungen, um ein starkes Turnier zu spielen. Körperliche Fitness ist bei einem solchen Turnier mit das Wichtigste, weil es am Ende der Saison noch mal viele Spiele sind und du in jedem Spiel über deine Grenze gehen musst.

Welche Mannschaft bringt diese Voraussetzung sonst noch mit?

Läuferisch sind wir schon mit die beste Mannschaft. Die Italiener sind taktisch sehr gut. Die schießen wenig Tore, kassieren aber auch fast nie eins. Spanien kommt mehr von der Technik her, aber so eine Mannschaft kannst du eben auch überrennen, wenn du topfit bist. Die darfst du nicht zum Spielen kommen lassen. Wenn du topfit bist, schaffst du das auch, und dann gewinnst du gegen solche Mannschaften.

Was passiert mit der Nationalmannschaftskarriere von Torsten Frings, wenn Deutschland Europameister wird?


Lasst uns erst mal Europameister werden, dann können wir darüber noch mal nachdenken. Wenn ich irgendwann spüre, dass ich die Belastung nicht mehr packe, würde ich zurücktreten. Aber im Moment fühle ich mich gut und fit und werde versuchen, das Niveau noch ein paar Jahre zu halten.

Um doch noch einmal ein WM-Halbfinale zu spielen.

Gerne. Vielleicht auch noch ein Endspiel. Und das dann vielleicht gewinnen.

Dieser Artikel erschien in der aktuellen Ausgabe der Tageszeitung "Der Tagesspiegel"

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