20.05.2008

Torsten Frings im Interview

»Ich spüre keinen Druck«

Torsten Frings durfte sich seiner Berufung in den EM-Kader sicher sein - der 31-Jährige gilt als gesetzt. Der Bremer über die EM-Chancen der deutschen Elf, sein Image als Turnierspieler und die Vorteile seiner langen Verletzung.

Interview: Stefan Hermanns und Michael Rosentritt Bild: Imago
Torsten Frings im Interview
Vor zwei Jahren hieß es, die WM 2006 komme noch zu früh. Aber 2008 bei der EM sei die Mannschaft ernsthafter Titelkandidat. Ist das noch so?

Ja, das glaube ich. Wir sind weiter als vor zwei Jahren, trotzdem hätten wir den WM-Titel gern mitgenommen. Von unseren Leistungen her war der ja auch ohne weiteres drin. Wir hatten Pech im Halbfinale. Wenn wir das gewonnen hätten, wären wir auch Weltmeister geworden.

Nach dem Viertelfinale gegen Argentinien gab es auf dem Platz ein Handgemenge. Hinterher wurden Sie von der Fifa gesperrt. Trauern Sie dem verpassten Halbfinale noch nach?

Ja, ich konnte halt nicht spielen, ungerechterweise.

Sie sind ja immer noch wütend …

… was heißt wütend? Das war der traurigste Moment in meiner Karriere, weil es ungerecht war und weil ich der Mannschaft ganz sicher hätte helfen können.

Bei der WM hat Jürgen Klinsmann die Mannschaft sehr stark motiviert. Fehlt sein übersinnlicher Einfluss?

Der Jogi macht das genauso gut. Nichts gegen die Arbeit von Jürgen Klinsmann, aber man sollte jetzt nicht mehr darüber reden, was mit ihm war, sondern einfach mal anerkennen, dass die Mannschaft sich enorm entwickelt hat. Wir haben als Erste die EM-Qualifikation geschafft und sind da ohne Probleme durchmarschiert.

Wie motiviert Joachim Löw, mehr fachlich und weniger emotional?

Auch emotional. Der Jürgen hat das eben sehr extrem gemacht, der Jogi ist ein wenig ruhiger.

Sie waren zuletzt lange verletzt, andere Spieler haben Ihren Platz eingenommen und das gut gemacht. Sind Sie in der Nationalmannschaft inzwischen überflüssig?

Wenn ich fit bin, muss ich mir darüber keine Sorgen machen. Mache ich auch nicht.

Hatten Sie mal Angst um die Fortsetzung Ihrer Karriere?


Nein, ich hatte ja keine so schwere Verletzung, bei der das Karriereende gedroht hätte. Mir war immer klar: Wenn ich genügend Zeit bekomme, werde ich wieder fit.

Aber Sie mussten fürchten, dass Sie die EM verpassen.

Nein, ich stand permanent in Kontakt mit dem Bundestrainer. Er hat mir gesagt, ich solle mir Zeit lassen und in Ruhe fit werden. Ich müsste mir keine Sorgen machen. Wenn ich gemerkt hätte, die Zeit reicht nicht, hätte ich auf die EM verzichtet. Die Gesundheit ist mir wichtiger als irgendein Turnier.

Das Problem ist, dass man sich selbst nicht genügend Zeit gibt.


Deswegen hatte ich ja auch den einen oder anderen Rückschlag. Ich habe aus meinen Fehlern gelernt und mir die nötige Zeit gegeben.

Jetzt könnte die Verletzungspause Ihr Vorteil sein – Sie sind schön ausgeruht.

So war es auch geplant. Nein, natürlich nicht. Ich habe ja mit Werder in der Endphase der Meisterschaft noch einen guten Härtetest gehabt. Trotzdem könnte es ein Vorteil sein, nicht ganz so viel gespielt zu haben. Das sieht man bei Michael Ballack, der auch sehr lange ausgefallen ist. Er ist immer besser in Schwung gekommen und kann Chelsea jetzt zum Sieg in der Champions League führen, weil er noch viel Kraft hat, die andere Spieler am Ende einer langen Saison eben nicht mehr haben.

Sind die vielen Verletzungen die späte Rache für all die Jahre, in denen die Nationalspieler keine richtige Sommerpause hatten?

Jeder Nationalspieler hat sich irgendwann mal verletzt. Der Körper nimmt sich eben seine Pausen. Bei mir war das jetzt eine relativ lange. Oder nehmen Sie Bernd Schneider, der für die EM ausfällt: Der hat seit der WM 2002 quasi immer durchgespielt, jetzt hat es ihn erwischt.

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