13.03.2014

Tony Jantschke über Gladbachs Krise

»Wir haben schon schlimmere Dinge erlebt«

Borussia Mönchengladbach steckt in der Krise. Die in der Hinrunde so gefeierte Mannschaft hat in der Rückrunde noch kein Spiel gewonnen. Wann legt die Borussia den Schalter um, Tony Jantschke?

Interview: David Nienhaus (david-nienhaus.de) Bild: Imago

Tony Jantschke, wie löst man das mentale Problem, das die Spieler von Borussia Mönchengladbach derzeit haben?
Wie man mit einer Krise umgeht, muss immer jeder für sich klären. Bei mir ist das beispielsweise unabhängig vom Ergebnis, weil ich weiß, dass es auch wieder andere Zeiten geben wird. Wir haben in Gladbach schon deutlich schlimmere Dinge erlebt. Das scheinen viele zu vergessen.

Es ist trotzdem eine Krise und ein Kopfproblem.
Wir müssen uns der Situation stellen, dass wir in Sachen Punkteausbeute nichts auf die Kette kriegen. Drei Punkte aus sieben Spielen ist für uns zu wenig, aber in der Nachbetrachtung können wir es jetzt auch nicht mehr ändern. Wir haben uns das selber eingebrockt, genauso wie wir uns die gute Hinrunde selber eingebrockt haben.

Haben Sie einen Lösungsvorschlag?
Wir können uns immer nur auf das nächste Spiel konzentrieren und wir tun gut daran, genau das zu machen und nicht mehr auf die Tabelle zu achten. Wir stehen nicht mehr auf einem Europa-League-Platz und es ist vielleicht ganz gut , wenn wir uns jetzt nicht mehr zu sehr damit beschäftigen.

Schalke hat zur Rückrunde die Sportpsychologin Theresa Holst ins Team mit aufgenommen.
Echt? Ich muss mal mit Roman (Neustädter, d Red.) reden, was er dazu sagt.

Ist das ein adäquates Mittel, um Krisen zu bewältigen?
Schwierig. Das muss jeder für sich entscheiden. Ich bin mit elf Jahren ins Internat gegangen und habe sieben Jahre dort gelebt; ich mache so ziemlich alles mit mir selbst aus. Wir hatten bei den Nationalmannschaften immer einen Mentalcoach dabei, aber ich persönlich benötige das nicht.

Ist das Unfug oder gar Humbug für Sie?
Nein, der Spieler muss sich damit wohlfühlen. Wenn es nur vier, fünf Spielern hilft, ist es sicherlich schon gerechtfertigt.

Geld, ausverkaufte Stadien, Medienvielfalt - Ist der Druck auf die Profi-Fußballer gewachsen?
Mit Sicherheit. Geld spielt auf der einen Seite eine immer größere Rolle, zum anderen haben die Fans durch die Medien immer mehr Macht. Heutzutage kann jeder als vermeintlicher Experte seine Meinung kundtun, als wäre er ein Fußballprofessor. Das ist nun mal die Gesellschaft von heute: Jeder darf zu jedem Mist seinen Senf dazu geben. Das ist aber nicht nur im Sport so, sondern auch ein Problem in Politik oder Wirtschaft. Im Fußball ist jeder Spieler ständig unter Beobachtung, über jeden Spieler wird ständig geredet und diskutiert und das bedeutet mit Sicherheit mehr Druck für den Einzelnen. Aber gleichzeitig wächst man damit auch auf und lernt, damit umzugehen.

Sprechen Sie aus eigenen, vielleicht schlechten Erfahrungen?
Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich mit 19 Jahren zu den Profis hochkam. Damals war Borussia Mönchengladbach in einer sehr schwierigen Phase, wir hatten sechs Punkte Abstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz und die Presse war dementsprechend heftig. Zwischenzeitlich dachte ich: »Das ist echt krass!«.

Und heute?
Heute würde ich jedem jungen Spieler sagen, dass Kritiken, egal ob positiv oder negativ, nach zwei Wochen vergessen sind und kein Hahn mehr danach kräht. Das ist ein schnelllebiges Geschäft, in dem man nur nach vorne schauen sollte; nach hinten gucken bringt nie etwas.

Gucken wir trotzdem ein paar Tage zurück: Am Samstag nach der Niederlage gegen Augsburg waren sie noch sprachlos in der Mixed-Zone – haben Sie die Pleite mittlerweile verdaut?
Was mich so maßlos geärgert hat, war das zweite Gegentor kurz vor Schluss. Wenn wir Unentschieden spielen, nehmen wir immerhin einen Punkt mit aus dem Spiel.

Und bleiben trotzdem seit neun Spielen sieglos.
Klar, dann hätten wir immer noch nicht gewonnen...

Wie sind die Stunden nach so einer Niederlage für Sie? Nagt so eine Serie nicht an Ihnen?
Ich habe das immer schon so gehandhabt, dass ich mich unabhängig vom Spielausgang gleich verhalte; egal, ob wir gewonnen oder verloren haben. Sobald das Spiel zu Ende ist, bin ich wieder Mensch und fühle mich dann auch so. Der Ausgang des Spiels entscheidet nicht meinen weiteren Tagesverlauf.

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