Tonny „Trix“ Nielsen im Interview

„Sie liebten ihn über alles“

Tonny „Trix“ Nielsen, Jugendtrainer bei AB Kopenhagen, entdeckte einst Mohamed Zidan. Schon damals deuteten sich die Verhaltensmuster an, die sich nun um so deutlicher zeigen: Zidan ist ein Spieler zwischen Genie und Wahnsinn. Imago
Heft #65 04 / 2007
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Wie sind Sie auf Mohamed Zidan aufmerksam geworden?

Er wurde mir von ägyptischen Freunden in Kopenhagen empfohlen. Im Dezember 1999 habe ich ihn dann zu einem Probetraining eingeladen. Wie er aber nach Dänemark gekommen ist, weiß keiner so genau. Ein Visum hatte er jedenfalls nicht. Er war 18 Jahre alt, als er bei uns vorspielte. Was er dann zeigte, war wirklich überragend. Nach 20 Minuten war ich mir sicher: Wir müssen ihn verpflichten. Ich habe dann sofort unseren Manager angerufen, und wir haben Zidan unter Vertrag genommen.

Was machte Sie so sicher?

Er hat fantastisch schnelle Füße und eine beeindruckende Explosivität. Außerdem ist er überall einsetzbar. Zidan denkt beim Fußball nicht nach, er spielt einfach.

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Andere Klubs waren nicht ihm interessiert?

Er hat auch bei B. 1893 Kopenhagen vorgespielt, aber sie haben ihn nicht verpflichtet. Ich verstehe bis heute nicht warum.

Ist Zidans Familie nach seinem Wechsel auch nach Dänemark gezogen?

Nein, er wohnte bei seinen ägyptischen Freunden in Kopenhagen.

Wie lange brauchte er, bis er sich in der ersten Mannschaft durchgesetzt hatte?

Zidan spielte ein Jahr in dem von mir trainierten U18-Team, danach rückte er in die Talent-Auswahl auf und ein weiteres Jahr später spielte er in der Profimannschaft.

Welche Schwächen offenbarte Zidan während seiner Zeit bei AB Kopenhagen?

Er hatte absolut kein taktisches Verständnis. Beim Fußball ging es ihm nur ums Spielen, nie um die Strategie. Ich hoffe, er konnte sich in diesem Bereich in Deutschland verbessern.

In Mainz ist Zidan ein Publikumsliebling. War er bei den Kopenhagener Fans beliebt?

Oh ja, sie liebten ihn über alles. Er konnte sich auch sehr gut in Szene setzen. Wenn ein Kamera-Team zum Training kam, zauberte er mit dem Ball nur für das Fernsehen. Er war ein kleiner Clown, die Kinder himmelten ihn an.

Wie dachten seine Mitspieler über ihn?

Manche mochten ihn sehr, andere waren von ihm genervt. Das ist normal. Er war nun mal der beste Spieler, besonders in seiner letzten Saison bei AB hat er unglaublich viele Tore geschossen.

Nach dieser tollen Saison wechselte er zum Ligakonkurrenten FC Midtjylland.

Der Transfer von der Hauptstadt ins kleine Midtjylland war für ihn genau die richtige Entscheidung. In der Provinz gab es einfach nicht so viele Dinge, die ihn ablenken konnten.

Dann war seine Situation damals vergleichbar mit seinen Leistungsschwankungen zwischen Mainz und Bremen.

Auf jeden Fall. Werder ist ein großer Verein, Mainz ist ein kleiner. Außerdem schenkt Jürgen Klopp ihm sein Vertrauen und lässt ihn regelmäßig spielen. Das ist sehr wichtig für Zidan.

Spielt Zidan also nur bei kleinen Klubs richtig gut?

Wenn er sich weiter verbessert, werden in spätestens drei Jahren Vereine wie der FC Barcelona oder Inter Mailand nicht an ihm vorbeikommen. Ich habe schon damals zu ihm gesagt: Wenn du willst, kannst du bei Real Madrid spielen. Du musst es nur wirklich wollen.

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Im neuen 11FREUNDE-Heft erklären wir, warum Mohamed Zidan Bremen verließ und in Mainz aufblüht.

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