16.02.2014

Toni Schumacher über Chaos, Menschenfänger und seine Mutter

»Geh zum FC, das ist ein feiner Verein!«

Schon zu seiner aktiven Zeit träumte Harald Schumacher davon, die Geschicke des 1. FC Köln zu lenken. Heute ist er Vize-Präsident – auch dank Menschenfänger Werner Spinner. Wir haben Schumacher für unsere große Köln-Reportage (11FREUNDE #147, jetzt im Handel) getroffen.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago

Toni Schumacher, hat sich mit Ihrer Vize-Präsidentschaft beim 1. FC Köln ein Traum erfüllt? Definitiv.
Wie Sie vielleicht wissen, habe ich schon 1987 in meinem Buch (»Anpfiff. Enthüllungen über den deutschen Fußball«, d. Red.) geschrieben, dass ich davon träume, eines Tages im FC-Präsidium zu sein. Dieser Traum ist jetzt in Erfüllung gegangen. Für mich ist damit dieses Buch endgültig zu Ende geschrieben. Mit dieser Wahl hat sich der Kreis geschlossen.
 
Zumal Sie nach der Veröffentlichung des Buches vom FC sang- und klanglos vor die Tür gesetzt wurden – und nie mehr zurückkehrten.
Stimmt, damals waren wir als Profis Angestellte, aber keine Mitglieder. Als ich am Tag nach meiner Entlassung auf der Geschäftsstelle meinen Mitgliedsantrag abgeben wollte, lehnte man meinen Antrag ab. Man wollte mich nicht mehr haben – noch nicht einmal als normales Mitglied. 

 
Wie kam es dann, dass Sie 2012, in der bittersten Stunde der Klubgeschichte, gefragt wurden?
Erst rief Reiner Calmund an und fragte, ob ich mir den Posten vorstellen könnte. »Calli« weiß ja immer ein bisschen früher, wo die Glocken läuten. Abends um zehn rief dann Werner Spinner an und sagte: »Ich soll Präsident werden und würde Sie gerne in mein Team holen. Können wir uns sehen?« Darauf ich: »Wann?« Und er: »Jetzt!« Eine halbe Stunde später saß er bei mir auf dem Sofa. Der Werner ist ja im positiven Sinne ein Menschenfänger. Wir haben zwei Stunden geredet und ein Glas Wein getrunken. Als er weg war, sagte meine Frau: »Ich weiß genau, was du vorhast.«
 
Haben Sie die Entscheidung seitdem schon bereut?
Nein. Am Abend der Wahl sagte der ehemalige FC-Manager Michael Meier, er habe mich noch nie so glücklich gesehen. Doch man darf nicht vergessen: Es ist ein Ehrenamt, aber beinahe ein Fulltimejob. Manchmal ist es nicht einfach, alles unter einen Hut zu kriegen. Vor allem, wenn man, wie ich, nebenbei noch Geld verdienen muss.
 
Dabei waren insbesondere die ersten Monate nach Ihrer Wahl im April 2012 beinhart.
Das stimmt, der chaotische Abstieg, dann kam raus, wie schockierend die finanzielle Situation wirklich ist. Aber auch da sind wir auf einem guten Weg. Der Spieleretat ist mittlerweile von 34 Millionen Euro auf rund die Hälfte gesenkt worden. 
 
Trotzdem entschieden Sie sich vor der Saison 2013/14, Peter Stöger für eine Ablösesumme von 700 000 Euro von Austria Wien loszueisen.
Wir hatten ihn schon länger auf dem Zettel und er hat von Anfang an einen fantastischen Eindruck gemacht. Wie er Fußball spielen will und worauf er wert legt, das hat Jörg Jakobs und mir gefallen. Ich weiß noch, dass wir uns nach dem ersten Treffen in Wien verabschiedeten und schon im Rausgehen sagte ich zu Jörg: »Du weißt, dass wir gerade mit unserem neuen Trainer gesprochen haben?!«. Und Sie sehen selbst: Peter Stöger hat alle Erwartungen übertroffen.
 
Der Start war allerdings holperig. Anfangs der Saison gab es drei Unentschieden in Folge.
Da gab es hier schon wieder erste kritische Stimmen. Aber intern waren wir absolut ruhig, denn jeder konnte sehen, dass da eine ganz andere Truppe auf dem Platz steht als in den vergangenen Jahren. Ich glaube, dass wir in der gegenwärtigen Konstellation mit Vorstand und sportlicher Leitung auf Jahre sehr gut zusammenarbeiten können. 

 
Zumal Peter Stöger sehr demütig an die Aufgabe herangeht. Er ist sich keineswegs sicher, dass er die Chance bekommt, länger in Köln zu wirken als über die zwei Jahre Vertragslaufzeit hinaus.
Das ist aber unser Sinnen und Trachten. Es ist wichtig, in diesen Verein endlich wieder Ruhe, Verlässlichkeit und Kontinuität hineinzubringen. Als ich ein junger Mann war, hat meine Mutter immer gesagt: »Harald, geh zum FC, das ist ein feiner Verein.« Wir haben viele Titel gewonnen und eine große Tradition. In den letzten Jahren standen wir aber nur noch in Sachen Trainerverschleiß ganz oben. Ich will mit dafür sorgen, dass der FC wieder ein feiner Verein wird.
 
Als Manager haben Sie dafür Jörg Schmadtke verpflichtet. Es gibt schlechtere Personalien…
Insofern war es gut, schon im vergangenen Jahr Jörg Jakobs nach Köln zu holen. Wir wussten, dass der »Schmaddi« lange mit Jakobs zusammen gearbeitet hat. Als sich dann die Chance auftat, auch ihn zu holen, haben wir gebaggert. Ich glaube, wir haben den »Schmaddi« am Ende so genervt von allen Seiten, dass er gar nicht mehr anders konnte.
 

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