Toni Schumacher über Chaos, Menschenfänger und seine Mutter

»Geh zum FC, das ist ein feiner Verein!«

Schon zu seiner aktiven Zeit träumte Harald Schumacher davon, die Geschicke des 1. FC Köln zu lenken. Heute ist er Vize-Präsident – auch dank Menschenfänger Werner Spinner. Wir haben Schumacher für unsere große Köln-Reportage (11FREUNDE #147, jetzt im Handel) getroffen.

Heft: #
147

Toni Schumacher, hat sich mit Ihrer Vize-Präsidentschaft beim 1. FC Köln ein Traum erfüllt? Definitiv.
Wie Sie vielleicht wissen, habe ich schon 1987 in meinem Buch (»Anpfiff. Enthüllungen über den deutschen Fußball«, d. Red.) geschrieben, dass ich davon träume, eines Tages im FC-Präsidium zu sein. Dieser Traum ist jetzt in Erfüllung gegangen. Für mich ist damit dieses Buch endgültig zu Ende geschrieben. Mit dieser Wahl hat sich der Kreis geschlossen.
 
Zumal Sie nach der Veröffentlichung des Buches vom FC sang- und klanglos vor die Tür gesetzt wurden – und nie mehr zurückkehrten.
Stimmt, damals waren wir als Profis Angestellte, aber keine Mitglieder. Als ich am Tag nach meiner Entlassung auf der Geschäftsstelle meinen Mitgliedsantrag abgeben wollte, lehnte man meinen Antrag ab. Man wollte mich nicht mehr haben – noch nicht einmal als normales Mitglied. 

 
Wie kam es dann, dass Sie 2012, in der bittersten Stunde der Klubgeschichte, gefragt wurden?
Erst rief Reiner Calmund an und fragte, ob ich mir den Posten vorstellen könnte. »Calli« weiß ja immer ein bisschen früher, wo die Glocken läuten. Abends um zehn rief dann Werner Spinner an und sagte: »Ich soll Präsident werden und würde Sie gerne in mein Team holen. Können wir uns sehen?« Darauf ich: »Wann?« Und er: »Jetzt!« Eine halbe Stunde später saß er bei mir auf dem Sofa. Der Werner ist ja im positiven Sinne ein Menschenfänger. Wir haben zwei Stunden geredet und ein Glas Wein getrunken. Als er weg war, sagte meine Frau: »Ich weiß genau, was du vorhast.«
 
Haben Sie die Entscheidung seitdem schon bereut?
Nein. Am Abend der Wahl sagte der ehemalige FC-Manager Michael Meier, er habe mich noch nie so glücklich gesehen. Doch man darf nicht vergessen: Es ist ein Ehrenamt, aber beinahe ein Fulltimejob. Manchmal ist es nicht einfach, alles unter einen Hut zu kriegen. Vor allem, wenn man, wie ich, nebenbei noch Geld verdienen muss.
 
Dabei waren insbesondere die ersten Monate nach Ihrer Wahl im April 2012 beinhart.
Das stimmt, der chaotische Abstieg, dann kam raus, wie schockierend die finanzielle Situation wirklich ist. Aber auch da sind wir auf einem guten Weg. Der Spieleretat ist mittlerweile von 34 Millionen Euro auf rund die Hälfte gesenkt worden. 
 
Trotzdem entschieden Sie sich vor der Saison 2013/14, Peter Stöger für eine Ablösesumme von 700 000 Euro von Austria Wien loszueisen.
Wir hatten ihn schon länger auf dem Zettel und er hat von Anfang an einen fantastischen Eindruck gemacht. Wie er Fußball spielen will und worauf er wert legt, das hat Jörg Jakobs und mir gefallen. Ich weiß noch, dass wir uns nach dem ersten Treffen in Wien verabschiedeten und schon im Rausgehen sagte ich zu Jörg: »Du weißt, dass wir gerade mit unserem neuen Trainer gesprochen haben?!«. Und Sie sehen selbst: Peter Stöger hat alle Erwartungen übertroffen.
 
Der Start war allerdings holperig. Anfangs der Saison gab es drei Unentschieden in Folge.
Da gab es hier schon wieder erste kritische Stimmen. Aber intern waren wir absolut ruhig, denn jeder konnte sehen, dass da eine ganz andere Truppe auf dem Platz steht als in den vergangenen Jahren. Ich glaube, dass wir in der gegenwärtigen Konstellation mit Vorstand und sportlicher Leitung auf Jahre sehr gut zusammenarbeiten können. 

 
Zumal Peter Stöger sehr demütig an die Aufgabe herangeht. Er ist sich keineswegs sicher, dass er die Chance bekommt, länger in Köln zu wirken als über die zwei Jahre Vertragslaufzeit hinaus.
Das ist aber unser Sinnen und Trachten. Es ist wichtig, in diesen Verein endlich wieder Ruhe, Verlässlichkeit und Kontinuität hineinzubringen. Als ich ein junger Mann war, hat meine Mutter immer gesagt: »Harald, geh zum FC, das ist ein feiner Verein.« Wir haben viele Titel gewonnen und eine große Tradition. In den letzten Jahren standen wir aber nur noch in Sachen Trainerverschleiß ganz oben. Ich will mit dafür sorgen, dass der FC wieder ein feiner Verein wird.
 
Als Manager haben Sie dafür Jörg Schmadtke verpflichtet. Es gibt schlechtere Personalien…
Insofern war es gut, schon im vergangenen Jahr Jörg Jakobs nach Köln zu holen. Wir wussten, dass der »Schmaddi« lange mit Jakobs zusammen gearbeitet hat. Als sich dann die Chance auftat, auch ihn zu holen, haben wir gebaggert. Ich glaube, wir haben den »Schmaddi« am Ende so genervt von allen Seiten, dass er gar nicht mehr anders konnte.
 
Toni Schumacher, hat sich der 1. FC Köln seit Beginn Ihrer Präsidentschaft zum Positiven verändert?
Mit Eigenlob tue ich mich etwas schwer. Zu sicher sollte man sich hier nie sein. Zumal in Zeiten des Erfolges alles viel einfacher erscheint. Aber Werner Spinner hat in seiner Rede auf der Mitgliederversammlung gesagt: »Wir möchten den Verein wieder vereinen«. Und ich glaube, das hat bis jetzt ganz gut geklappt. Wenn die Mannschaft weiter so arbeitet wie in der Hinrunde, kann ich gut schlafen. Und sollten wir aufsteigen, werden wir richtig feiern, aber danach müssen wir umso intensiver weiterarbeiten. Denn ich möchte nie wieder absteigen.
 
Also alles eitel Sonnenschein.
Naja, erreicht haben wir noch nichts. Wir sind jetzt Tabellenführer mit acht Punkten Abstand zum Relegationsplatz. Eine schöne Momentaufnahme. Der Trainer hat das Team wunderbar im Griff. Wir müssen uns nicht einmischen. Und wenn sich mal einer einmischt, dann haben wir den genau dafür eingestellt. Wir haben nur zu bestimmen, wie lange die anderen zu bestimmen haben. (lacht)
 
Als Spieler waren Sie jemand, der klar seine Meinung äußerte und dabei auch mal übers Ziel schoss…
War ich das? Kann mich gar nicht erinnern.
 
Doch, doch.
Ganz ehrlich: Ich habe mich nicht großartig geändert. Ich bin ein sehr erfolgsbesessener und emotionaler Mensch und tue alles, was ich mache mit Leidenschaft und Herzblut. Aber wenn ich heute etwas zu sagen habe, kläre ich das intern und nicht mehr vor dem Mikrofon. Das geht in meiner Funktion auch gar nicht anders, sonst wäre hier gleich wieder großes Theater.
 
Fällt es Ihnen schwer, sich sportlich rauszuhalten?
Nein, denn ich sehe das große Ganze. Mich wird man nie in der Kabine erleben, das wäre nämlich der erste Schritt, den Trainer zu entmachten. Ich gehe nur in die Kabine, wenn es etwas zu feiern gibt und die Jungs das Bedürfnis haben, den Vorstand mit Schampus vollzuspritzen.
 
Und was sagen Ihre ehemaligen Teamkollegen?
Meistens bringen die Veteranen im Umfeld von Traditionsklubs am meisten Unruhe in den Klub. Ich lege sehr viel Wert darauf, mich regelmäßig mit unseren ehemaligen Nationalspielern auszutauschen. Mit Karl-Heinz Thielen, Wolfgang Weber, Hannes Löhr, Bernd Cullmann und Hans Schäfer treffen wir uns ab und zu zum Essen. Und ich freue mich, wenn ich von Ihnen höre: »Toni, Respekt, Ihr macht einen richtig guten Job«.

----
In 11FREUNDE #147 lest ihr die große Reportage: »Die neue S-Klasse« – Wie Spinner, Schumacher, Stöger und Schmadtke den 1. FC Köln von seinem Chaos-Image befreien wollen. Jetzt am Kiosk und im App-Store.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!