14.11.2011

Toni Kroos über Bayern und die Nationalelf

»...dass dich kein Trainer stoppen kann«

Bayerns Toni Kroos spricht über sein Verhältnis zu den Trainern Jogi Löw und Jupp Heynckes, seinen gestiegenen Stellenwert, den Konkurrenzdruck im Nationalteam und das Risiko, von dem eine Offensive lebt.

Interview: Stefan Hermanns und Michael Rosentritt Bild: Imago
Toni Kroos, wer schätzt Ihre Qualitäten mehr, Ihr Vereinstrainer Jupp Heynckes oder Bundestrainer Joachim Löw?

Toni Kroos: Darauf wollen Sie jetzt keine Antwort haben, oder? Sonst sollten Sie besser die beiden Trainer befragen.



Aber Sie werden doch ein Gefühl haben.

Toni Kroos: Wenn man immer wieder spielt, bei den Bayern genauso wie im Nationalteam, wird es wohl so sein, dass mich beide schätzen. Nach einer nicht ganz so guten Saison läuft es jetzt richtig gut. Es ging mir nicht darum, irgendwas zu beweisen, aber mir war klar, dass ich noch ein Stück Leistung draufpacken musste. Ich glaube, dass mir das in der Nationalmannschaft nach der WM sehr gut gelungen ist.

Seitdem ist Ihr Stellenwert auf jeden Fall deutlich gestiegen.


Toni Kroos: Den Stellenwert hat man ja nicht von selbst, man kriegt ihn auch nicht geschenkt. Den muss man sich erarbeiten.

Bei den Bayern hängt Ihr aktueller Erfolg eng mit Jupp Heynckes zusammen. Warum ist er so wichtig für Sie?

Toni Kroos: Weil ich weiß, welchen Fußball er spielen will, wie er arbeitet und was er verlangt. Ich kannte ihn ja schon aus Leverkusen. Das war vielleicht ein kleiner Vorteil. Und Jupp Heynckes weiß, wie er mich zu nehmen hat: wann ich ein Lob und wann den berühmten Tritt in den Hintern brauche. Aber über allem steht das Vertrauen, das er mir schenkt. Natürlich muss ich zuerst einmal gut spielen, aber man geht anders auf den Platz, wenn man dieses Vertrauen spürt. Das ist bei Jupp Heynckes der Fall. Da hat man nicht das Gefühl, dass man nach einem nicht so guten Spiel gleich wieder aus der Mannschaft genommen wird. Es besteht eine Art Grundvertrauen.

War das von Beginn an so?

Toni Kroos: Nicht dass Sie das falsch verstehen. Jupp Heynckes hat nicht zu mir gesagt: Du kannst machen, was du willst, du spielst immer. Zuerst kommt die Arbeit. Und er hat mir gesagt, woran ich arbeiten muss. Aber du musst auch einen Bezug zu deinem Trainer haben. Wenn das so ist, muss man sich nicht täglich austauschen, dann reichen auch Blicke. Aber wenn Trainer und Spieler wenig kommunizieren, man fast schon links liegen gelassen wird, ist es schwierig, immer alles zu geben. Da denkt man schnell, man kann ja machen, was man will, es bringt eh nichts.

Haben Sie diesen Bezug auch zu Joachim Löw von Anfang an gehabt?

Toni Kroos: In der Nationalmannschaft ist es etwas anders. Da sieht man sich nicht täglich, der Austausch ist nicht so intensiv. Aber ich hatte von Beginn an ein gutes Gefühl. Seit meinem ersten Länderspiel im März 2010 gegen Argentinien bin ich immer eingeladen worden. Der Bundestrainer hat mich seitdem kein einziges Mal weggelassen. Das zeigt mir, dass er meine Art zu spielen mag, dass sie in sein Konzept passt.
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