Tomislav Piplica über sein Wohnzimmer

»Die Gäste kommen gerne«

Heute Abend verabschiedet sich Tomislav Piplica endgültig aus dem Cottbusser »Stadion der Freundschaft«. Vor seinem Abschiedsspiel sprachen wir mit ihm über die Besonderheiten seines zweiten Wohnzimmers. Tomislav Piplica über sein WohnzimmerImago

Tomislav Piplica, Sie spielten insgesamt zehn Jahre für Energie Cottbus und beendeten im Mai 2009 Ihre aktive Karriere. Welche Bedeutung hat das »Stadion der Freundschaft« für Sie?

Unser Stadion war jahrelang mein zweites Wohnzimmer, schließlich habe ich hier einen Großteil meiner Wochenenden verbracht.

[ad]

Sie haben alle Umbauphasen aktiv miterlebt.Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Neuerung?


Der Umbau hat das Stadion nochmals aufgewertet. Ich denke, die Entscheidung, die Spielstätte von allen vier Seiten baulich zu schließen, war sehr wichtig. Das tut der Stimmung richtig gut.

Und wie fühlt sich die Stimmung nun auf dem Rasen an?

Durch den Umbau sind die Fans endlich näher ans Spielfeld gerückt, es ist noch lauter. Allerdings habe ich festgestellt, dass sich die Atmosphäre in Cottbus ein bisschen gewandelt hat. Am Anfang waren hier alle ganz verrückt auf Bundesliga-Fußball. Es konnte kaum einer glauben, dass wir wirklich da oben sind. Mit den Jahren hat diese Euphorie ein bisschen nachgelassen. Manchmal hat man das Gefühl, dass sich viele an die Bundesliga gewöhnt haben und nach dem Abstieg ein bisschen enttäuscht sind. 

Hat auch der Umbau die Stimmung eingedämmt?

Im Gegenteil. Unsere Nordwand ist schon eine Riesensache. Endlich stehen unsere Fans gemeinsam auf einer Tribüne. Das hilft der ganzen Mannschaft, wenn man von dieser Wand aus Menschen angefeuert wird. Da gibt jeder automatisch noch mal

Man sagt, dass kleine Mannschaften ihren Heimvorteil daraus ziehen, dass sich größere Teams nur schwer an die Gegebenheiten vor Ort anpassen können.

Das könnte schon sein. Früher als es hier noch rustikaler zuging, ist niemand gerne nach Cottbus gereist. Nach dem Umbau ist hier alles sehr schön, komfortabel und modern. Mit Sicherheit kommen Gästemannschaften jetzt lieber her. Die drei Punkte müssen sie aber trotzdem hier lassen.

Die einzelnen Tribünen wurden jeweils in der Sommerpause errichtet. Wie haben Sie als Spieler die Umbauten wahrgenommen?

Wir haben jeden Tag neben der Baustelle trainiert und konnten die Fortschritte genau beobachten. Am Anfang konnte sich keiner vorstellen, dass aus diesen riesigen Stahlrohrgerüsten mal eine Tribüne werden soll. Ich habe mich auch öfter mit den Arbeitern unterhalten, viele von ihnen waren Fans von Energie. Auch für die waren die Bauarbeiten eine besondere Sache. Eigentlich wollte der Verein anfangs ein ganz neues Stadion bauen.

Hätten Sie diese Entscheidung begrüßt?

Diese Überlegungen gab es. Allerdings hat man bald gemerkt, dass ein kleiner Verein wie Cottbus so einen Neubau einfach nicht finanzieren kann. Ich denke, dass die Entscheidung, das Stadion umzubauen, clever war. Dieses Stadion in seiner Art passt zu Cottbus.

Wie wichtig ist der Umbau für den Verein?

In den letzten Jahren wurde hier mehr Geld investiert als in den vierzig Jahren zuvor. Ich denke, dass dieses Signal vor allem mit Blick auf die Zukunft sehr wichtig war. Einerseits natürlich für unsere Zuschauer, aber auch als Perspektive für unseren Nachwuchs. Die sind alle heiß, eines Tages in diesem Schmuckkästchen aufzulaufen.

Haben sich auch für die Spieler die Bedingungen im Stadion verbessert?

Und wie. Mittlerweile hat jeder Spieler einen eigenen Schrank für seine Sachen, außerdem gibt es einen Wellness-Bereich mit Sauna und Whirlpool. Von sowas haben wir damals noch nicht einmal geträumt.

Saßen Sie als Spieler in Cottbus etwa noch auf Holzbänken?

Unsere Kabine war vollkommen in Ordnung. Aber bei den Gästen wurden in punkto Einrichtung schon ein paar Einschränkungen in Kauf genommen. 

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!