11.04.2007

Tomislav Piplica im Interview

„Ich bin kein Typ, der weint“

Tomislav Piplica, der Keeper von Energie Cottbus, ist in dreierlei Hinsicht ein Pirat: seinem Äußeren nach, in der Art, wie er zwischen Kreis- und Weltklasse hin- und hersegelt, und in seiner Furchtlosigkeit. „Angst?“, fragt er. „Was bedeutet das?“

Interview: oliver zeyen Bild: Imago
Herr Piplica, Sie haben als 12-Jähriger zum ersten Mal gegen einen Ball getreten, damals noch als Feldspieler. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie das Zeug zum Torwart haben?

Das war irgendwann beim Jugendtraining in meiner bosnischen Heimat Bugojno. Beide Stammtorhüter waren verletzt, und ich hatte Lust, das mal auszutesten, also habe ich mich reingestellt. Kopfbälle konnte ich als Feldspieler sowieso nie leiden. Am nächsten Tag hat mich der Trainer zu einer Sonderschicht Torwarttraining bestellt.



Hatten Sie damals ein Vorbild?

Mein damaliger Torwarttrainer. Er war der Beste (lacht).


Wie sah in den Anfangsjahren ihr Training aus?

Bei Iskra Bugojno (Heimatverein von Tomislav Piplica, Anm. d. Red.) wurde viel mit dem Ball trainiert. Fußball war und ist in Bosnien bis heute die populärste Sportart. Damals haben sich die Kinder nach der Schule einfach auf der Straße getroffen und angefangen zu kicken. Heute sieht man das leider viel zu wenig. Wer Glück hatte wie ich, durfte später zu einem richtigen Verein wechseln und dort mittrainieren.

Wie oft sind Sie noch in ihrer bosnischen Heimat?

Die Zeit wird natürlich immer knapper, um in Bugojno vorbeizuschauen. Wenn ich es doch mal schaffe, treffe ich mich gerne mit Freunden und Verwandten. Das ist mir wichtig.

Was hat sie 1998 dazu bewogen, nach Cottbus zu wechseln?


Vor meinem Wechsel zu Energie habe ich einige gute Angebote abgelehnt, weil ich einen lukrativen Vertrag bei meinem damaligen Verein Segesta Sisak in Kroatien hatte. Im letzten Jahr steckte ich finanziell in einer Krise und wollte weg. Ein Wechsel nach Belgien scheiterte 1997 daran, dass der Verein keine Ablösesumme zahlen wollte. Irgendwann kam das Angebot aus Cottbus, und ich habe zugesagt.

Was unterscheidet den zwölfjährigen Jungen von damals vom erfahrenen Tomislav Piplica heute?

Ich bin nicht mehr so jung wie mit zwölf. Was ich früher mit Krafttraining kompensiert habe, mache ich heute mit dem Kopf. Damals dachte ich, es gäbe keine Situation, die ich nicht bewältigen könnte. Ich freue mich über beide Piplicas, weil ich nichts ausgelassen habe, was mir Spaß macht.

Sie sind vor kurzem 38 geworden und haben genau 101 Erstligaspiele für Energie absolviert. Was bedeuten ihnen diese Zahlen?

Insgesamt habe ich mehr als 250 Mal für Energie gespielt, dazu kommen die Spiele in Bosnien und Kroatien. Es ist natürlich etwas Besonderes, wenn jemand über hundert Spiele in der Bundesliga macht – und das immer hundert Prozent über 90 Minuten. Ich freue mich, vor 80.000 Zuschauern gegen große Gegner wie Bayern oder Dortmund zu spielen. Außerdem bin ich der einzige Spieler, der für Energie mehr als einhundert Erstligaspiele bestritten hat. Das ist schon toll.

In der Vergangenheit haben Sie gelegentlich Weltklasse-Leistungen gezeigt. Wie groß sind ihre Ambitionen nach zwölf Jahren Energie Cottbus noch?

Für einen Torwart aus Kroatien bedeutet es großes Glück, wenn er neun Jahre in der Bundesliga spielen darf. Auch für mich ist das etwas Besonderes. Nur Mladen Pralija vom HSV und Tihomir Bulat von St. Pauli haben das für kurze Zeit geschafft. In meinem Land erfährt man dafür sehr großen Respekt.

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