25.09.2009

Tönnies und Watzke im Interview

»Wir sind die Bundesliga«

BVB-Chef Hans-Joachim Watzke und Schalke-Boss Clemens Tönnies trafen sich vor dem Derby bei uns zum verbalen Schlagabtausch. Sie sprachen über ihre Ambitionen, Schuldenlast und das Ruhrgebiet als Herzkammer des Fußballs.

Interview: Der Westen Bild: Imago

Vor einem Jahr war Schalke beim Revierderby Erster und Dortmund Dritter. Was ist passiert?

Hans-Joachim Watzke: Es ist eingetreten, was wir angestrebt haben. 2006 habe ich gesagt, und viel Hohn und Spott geerntet, dass wir bis 2011 auf Augenhöhe mit Schalke sein wollen. Das haben wir hergestellt, das kann man an der Tabelle der letzten Saison ablesen. Da hatten wir neun Punkte mehr als Schalke, davor lag Schalke aber jahrelang vor uns. Wir empfinden die Situation jetzt als komfortabel.

Clemens Tönnies (schmunzelt): Wir haben höhere Ziele...

Watzke: Die hatten wir auch mal ...

Tönnies: Dortmund ist sicher besser geworden. Aber unsere Mannschaft und unser Umfeld haben den Ehrgeiz, uns da wieder zu etablieren, wo wir schon waren. Ich sehe diese Saison als eine Phase, in der wir uns orientieren, konsolidieren und schauen, was wir erreichen können.

Sehen wir nächstes Jahr wieder Europapokal im Ruhrgebiet?  

Tönnies: Ja sicher, aber es ist nicht unser vordringliches Ziel, international zu spielen.

Watzke: Ich träume vom Pokal-Endspiel Berlin. Am liebsten gegen euch – dann hätten wir nämlich 'ne Chance. Realistisch: Es ist schwer, für uns und für Schalke, da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Haben die Klubs im

Ruhrgebiet einen Wettbewerbsnachteil? Ist das Revier gar das Armenhaus der Liga?


Watzke: In Gelsenkirchen ist das ähnlich wie in Dortmund: Wir können wirtschaftlich nicht mit Regionen wie Bayern, Hamburg oder mit alimentierten Werksklubs wie Wolfsburg oder Leverkusen mithalten. Deshalb fordere ich beim Fernsehgeld ja mehr Verursachungsgerechtigkeit. Die Liga lebt schließlich von Klubs wie uns. Wir haben beide 3,5 bis 4 Millionen Fans und bringen die Zuschauer im Pay-TV an die Bildschirme. Das lässt sich messen. Das TV-Geld darf nicht nur nach Tabellenstand verteilt werden. Ich würde mich freuen, wenn Schalke das unterstützen würde.

Tönnies: Was die Verteilung der Fernsehgelder betrifft, kann ich mich Herrn Watzke nur anschließen. Da sehe ich auch Handlungsbedarf. Aber ich verstehe auch den Standpunkt der Liga. Wer oben ist, muss davon bei den TV-Geldern auch profitieren.

Watzke: Deshalb sage ich ja, 50 Prozent über den Erfolg und 50 Prozent über die Verursachung. Ich sehe es nicht ein, dass Wolfsburg in drei Jahren zehn Millionen Euro TV-Geld mehr bekommt als Dortmund und Schalke. Denen schaut doch keiner zu.

Was spricht gegen die Umsetzung?

Watzke: Der politische Handlungswille. In Vier-Augen-Gesprächen sind die großen Vereine auf meiner Seite. Wenn es aber zum Schwur kommt, wird es schwierig. Schalke will sich auch nicht mit VW anlegen, das ein Sponsor des Vereins ist.

Tönnies: Die Liga hat sich verändert, das Mäzenatentum spielt eine große Rolle. Der Herr Hopp hat sein Steckenpferd – den Fußball. VW hat ein Steckenpferd – den Fußball. Wir unterliegen wirtschaftlichen Zwängen. Das müssen wir aufnehmen und unsere Fußballwelt ein bisschen unternehmerischer aufstellen. Die Frage ist, wieviel Geld man eigentlich braucht. Natürlich ist es schön, 150 Millionen Euro Umsatz zu machen, aber man muss auch mit weniger auskommen können. Das erleben wir gerade, und das habt ihr in Dortmund hinter euch.

In den 1970er Jahren hat Schalke für den BVB mal ein Benefizspiel gemacht. Wird es bald umgekehrt sein?

Tönnies: Ein Benefizspiel macht man für Notleidende, und wir sind ja nicht notleidend. Ein Benefizspiel würde ich jederzeit für unsere Aktion Kinderträume austragen. Das wäre eine Herzensangelegenheit, und das würde ich gerne anbieten.

Herr Watzke, macht der BVB da mit? Zum Beispiel in der Saisonvorbereitung?     

Watzke: Abgemacht! Hand drauf. Bei so einem guten Zweck sind wir natürlich dabei.

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